Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Stein, Philofemiten fo groß, die durch liebevolle Befchäftigung mit der Gefchichte und und dem Schrifttum unferes Volkes zu einer gründlichen Kenntnis und im Gegenfatz zu jenen anderen Philofemiten, durdi diefe Kenntnis zu einer hohen Wertfehätzung des Judentums als folchen gekommen find, die eine neue, reiche Entfaltung der in unferem Volke fchlummernden Kräfte im Interelfe der Menfdiheit wünfdhen und von unferem Untergänge eine Verarmung der Welt befürchten. Von ihnen freilich erfährt das deutfehe Judentum nichts, vor ihnen, fchlteßt fich der ei ferne Ring des Totfeh weigens, den einflußreiche jüdifche Kreife mittels einer wohldisziplinierten Prefle um den jüdifchen Zeitungslefer legen. Da diefe Judenfreunde fich nicht den Mund darüber fchließen lallen, daß es ein jüdifches Volk gibt, daß fein Wille, zu leben, ein Anrecht habe, beachtet zu werden, ja, daß wir fogar befondere Eigenfchaften haben und uns durch fie — Gott behüte — von anderen unterfcheiden, alles Dinge, vor deren Kenntnis den jüdifchen Zeitungslefer ein garnicht liberales Bevormundungsfyßem ängßlich und mit Erfolg bewahrt, fo pflegen diefe wirklichen Freunde der jüdifchen Sache nur Nationaljudeh und Chrißen als folche bekannt zu fein. Jener andere Philofemitismus aber — und feine Vertreter haben fich ja audi wohl felbfi niemals als Philofemiten bezeichnet oder fich uns gar als folche aufgedrängt — er iß eine Erfindung, der Juden felbß aus jener Zeit, als die deutfehen Juden noch, fo ziemlich allgemein für ein bischen anftändige Behandlung die Preis* gäbe einer lebendigen Zukunft des Judentums für keine zu hohe Gegenleifiung hielten. Und da für diejenigen Kreife, die diefe Art Judentum nach außen repräfentterten, die allmähliche Auflöfung längfi das eigene, ßillfchweigend angenommene Programm geworden war, fo waren fie ficher nicht die geeigneten Vorbilder, um ihren philofemitifchen Freunden, für welche fie ja die einzige Autorität in judaicis waren, eine andere und würdigere Meinung vom jüdifchen Lebenswillen zu vermitteln. Wir, unferes Volkstums bewußte Juden, freuen uns gewiß einer Freundfchaft, die auf Kenntnis und Achtung unferes geißigen Gutes beruht und fchätzen fie nicht gering ein. In denen aber, die für Gewährung perfönlicher Beziehungen, die wir nicht fuchen noch brauchen und die felbßverftändliche Zuerteilung gleichen Rechtes fich das Amt anmaßen, über unfere Zukunft zu verfügen, ohne uns auch nur zu fragen, was wir dazu fagen, und uns dreinzureden, wenn unfer Volk, der Lüge müde, aus heißer Not fich aufrafft, um fich aus eigener Kraft eine freie und ehrenvolle Zukunft zu fchaffen, in denen können wir unfere Freunde nicht fehen. Ihre Gegnerfchaft gegen unfere Gemeinfchaft iß anders als die des Antifemitismus, leifer und feiner, in Wahrheit aber von einer Nichtachtung getragen, die uns, fofern wir nur das rechte Gefühl für die Würde unferes Volkes haben, viel empfindlicher treffen mußr als der laute und rüde Haß der Antifemiten. Der Ähtifemitismus.