Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Stein, Philosemiten 19 -und gewillt ift, für fie einzutreten/ denn daß Menfchen im deut^ fchen Volke ausgeredinet darauf verfallen könnten, den Juden als Perfonen, etwawegen ihrer befonderen jüdifchenEigenart, ihrebefondere „Zuneigung zuzuwenden, ift wohl zu abfurd, und wird auch von den jüdifchen Lobrednern des Philofemitismus nicht behauptet. Als vor hundert Jahren das griechifche Volk feinen Freiheitskampf begann, da tauchten in der ganzen Welt, auch in Deutfchland, die Philhelfenen auf. Das waren Männer und Jünglinge, die begeiftert für die. ' Schöpfungen des hellenifchen Geiftes die Sache der Griechen zu der ihrigen machten und, wiewohl die meiften wohl noch nie einen Griechen zu Geficht bekommen hatten, durch Schrift und Wort,, durch Opfer an Geld und Gut, ja durch Einfetzung des eigenen Lebens, indem fie fich in Scharen in die Reihen der Kämpfer ftellten, für die Sache x des Griechenvolkes eintraten. Will man willen, wie der Philofemit — was die Juden in Deutfchland fo nennen — zur Sache der Juden fteht, fo mache .man eine einfache, Probe. Man gebe gegen^ über fblch einem Herrn, der mit einigen Juden befreundet ift, fich gegebenenfalls heftig gegen den Vorwurf des Antifemitismus wehrt und die Vorenthaltung von Rechten den Juden gegenüber als vergaltet und liberalem Geifte widerfprechend verurteilt, feiner Abneigung gegen den Täufling fcharfen Ausdruck — und man wird eine merkwürdige Beobachtung machen, vorausgefetzt, daß der Betreffende noch nicht durch Gefpräche mit felbftbewußten Juden über diefen Punkt vorfichtig geworden ift. Er wird ganz überrafcht und etwas verlegen fein und, wenn man ihn zu einer Äußerung drängt, etwa lagen : »Ja, das ift doch nicht fo fchlimm, damit zeigt er doch, daß er ganz in die chriftliche Gefellfchaft eintreten will ,• es laflen fich doch fehr viele Juden taufen, und diejenigen, die ich kenne, find alle lehr anftändige und nette Menfchen«. Die fogenannten, nämlich von den Juden fo genannten, Philofemiten find eben regelmäßig Leute, die lediglich mit Juden perfönlich bekannt und durch die Lektüre liberaler Zeitungen, im beften Falle aus liberaler Tradition, von einer gewiffen Empfindlichkeit gegen den Verdacht <ies Antifemitismus find >< im übrigen jedoch find fie weder gewillt noch durch ihre ausnahmslos vollkommene Unkenntnis jüdifcher Dinge ~ im Gegenfatz zu manchen Chriften, die jenen Titel weder beanfpruchen noch erhalten — in der Lage, für unfere Sache einzutretenihr völliges Unverftändnis für die Mindeftforderung, di£ wir an jeden Juden ftellen muffen, wenn uns überhaupt noch etwas an der Erhaltung unferer Gemeinfchaft gelegen ift, zeigt das deutlich. Daß gelegentlich zwifch.en ihnen und einzelnen Juden ein wirklich freundfchaftliches Verhältnis befteht, befagt nichtsfolche rein per^ fönlichen Beziehungen von Menfch zu Menfch fetzen keinerlei Stellungnahme des einen Teils zum Lebensinhalt des anderen voraus und kommen ja audi zwifchen Juden und folchen Perfonen vor, denen der deutfche Durchfchnittsjude das Recht auf den Titel Philofemit wahrfcheinlich leidenfchaftlich beftreiten würde. Die Juden,