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Der jüdische Wille · 1918-04-01 · Heft 1 (April 1918) · page 20

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 1 (April 1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Stein, Phiiofemiten. PHILOSEMITEN Seit Beginn der antifemitifchen Bewegung herrfchte im deutfchen. Judentume ein Menfdienalter lang die unangezweifelte Vorftellung,. daß der Antifemitismus die Bewegung einer einzelnen Gruppe Kenntnislofer und Böswilliger fei, die man durch Aufklärung und braves Verhalten, gelegentlich auch durch Anrufen des Staatsan^ walts bekämpfen könne. Diefe Vorftellung, die im übrigen das deutfche Volk als den Juden gegenüber indifferent oder gar freundlich gefonnen vorausfetzte, iß . durch die Kritik, mit der die erwachende nationale Bewegung im deutfchen Judentume in diefe Dinges hineinleuchtete, gründlich erfchüttert worden. Zwar ift in denjenigen Kreifen des deutfchen Judentums,, die nach außen als feine offizielle Vertretung erfcheinen, und in der ihren Intereflen dienen^ den liberalen und jüdifchen Prelle, die traditionell vom deutfchen Durchfchnittsjuden allein gelefen wird, noch alles auf den alten Ton geftimmt und die Fiktion von dem Antifemitismus als einer vor*- übergehenden und bekämpf baren t Irrlehre Einzelnes krampfhaft fefi> gehalten würden doch in dem Augenblidt, wo man fie aufgäbe,, fowohl der Boden unter diefem offiziellen Judentum als auch feine fcheinbar fo natürlichen und daher unlösbaren Beziehungen zum politi^ fchen Liberalismus ftark erfchüttert werden. In Wirklichkeit ift aber in diefe Vorftellung bereits eine breite Brefche gelegt, und die Einzelnen,, foweit fie überhaupt über jüdifche Dinge nachdenken und gewohnt find, nicht nur immer durch das enge Fenfterchen der Tageblattprefle zu fehen, fondern auch einmal einen Blick in die übrige, weitere Welt des politifchen Gefchehens zu tun, haben längft erkannt, nicht zum mindeften durch die Vorgänge während des Krieges, daß das ganze Volk hoffnunglos judenfeindlich ilt und bleiben wird. So befindet fich heute ein .großer Teil des deutfchen Juden* tumes, der vielfach gerade die geiftig regfameren Kräfte umfaßt,, in einem merkwürdigen Zuftande innerer Unficherheit:. nachdem er einige Jahrzehnte zwar nicht gerade angenehm aber doch mit einer beftimmten Zukunftshoffnung gelebt hatte, fteht er heute diefer Hoffnung wieder beraubt und führerlos da, an die alten Grundlagen,, die er fich für fein Leben zurecht gemacht hatte, glaubt er nicht mehr, findet aber vorerft noch nicht den Mut, fich den troftlofen Widerfpruch zwifchen dem, was bereits feine Erkenntnis geworden ift, und dem dumpfen Weiterbeharren in der alten Lebensrichtung zuzugeftehen und ihn zum Ausgangspunkt einer neuen Orientierung zu machen, die fein Leben formen, feine Zukunft tragen und richten könnte. An ein Requifit aus jener Periode hat die Erkenntnis aber noch nicht gerührt/ unentwegt lebt es weiter auch in unleren Tagen, noch immer ein mildes Beruhigungsmittel für die enttäufchte, fchmer* zende Seele: der Philofemit. Philofemit, das heißt Judenfreund! Darunter müßte man doch verliehen: ein Treund der jüdifcßen Sache, der ihren Wert und ihre Exiftenzberechtigung erkannt hat

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