Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Pefz, K.J. V. und Misdiehe Da den Grundfatz der Kompenfation aufzuftellen oder durch Gebrauch zu fanktionieren, müßte zu einer furchtbaren Demoralifierung führen, zu einer Herrfchaft eines fchrankenlofen Individualist mus, zu jenem fcheinheiligen Individualismus, der von der Höhe feines Niveaus für fich jede Ausnahme als erlaubt, ja fogar als geboten zum »Sichausleben« erachtet. Schließlich führt das zu der Konfequenz, daß der Tüchtige im K. J. V. gerade fich erlauben darf, was dem niederen Plebs verboten ift. Ja, fagt man, es können aber doch jedem von uns ganz befonaere individuelle Umftände begegnen, die es ihm unmöglich machen, der Milchehe auszuweichen, die ihn fogar dazu zwingen. Das gebe ich felbftverftändlich zu. Es kann keiner von fich verfchwören, daß nicht ein folches Schickfal auch ihn treffen könne. Ich kann mir wohl vorteilen, daß auch ein guter Nationaljude, ein wahrer, ernfter Zionift, untef fchwerem inneren Kampfe durch irgend welche Umftände gezwungen werden könnte, eine Mifchehe zu fchließen ,• fei es, daß die Ehre es erfordert, fei es, daß ihm eine Erfüllung allerperfönlichften Glückes ohne den Befitz jenes Weibes undenkbar erlcheint. Ja, ich will fogar zugeben, daß folche Männer unter dem dauernden Stachel, daß fie in einem beftimmten Augenblicke aus perfönlicher Rückficht ihrer Gemeinßhaft, ihrer Weltahfchatiung etwas fchuldig geblieben find, nun ganz befondere Anftrengungen machen werden, um durch ihr Leben einen Ausgleich, eine Kompenfation zu erzielen. Ich bin einverftanden, ein folches Schickfal zu achten. Ich fchlage ja auch nicht vor, den Bundesbruder, der eine Mifchehe eingegangen ift, zu ächten wie etwa einen Täufling. Ich fage nur, daß, wenn es fo ift, er durch ein folches Mißgefchick ohne perfönliche Schuld unfähig geworden ift, bei uns zu bleiben. Und wenn ich auch glauben will, daß aus durchfichtigen Gründen ein folches Schidifal oft gerade die Feinen und Vornehmen treffen wird, fo find das alles nur Dinge, die die Mifchehe vom allgemein-menfchlichen Standpunkte aus manchmal verliehen lalfen, die aber keineswegs beweifen, daß ein K. J. V.-er fich deswegen mit der Mifchehe abfinden kann. Die praktifchen Gründe, die die anderen für ihre Auffaffung anführen, halten alfo m. E. einer realen Prüfung nicht Stand. Ich fube aber, daß wir als K. J. V.-er garnicht fo denken follten. ir follten, wenn überhaupt uns die Stellungnahme zur Mifchehe eines Bundesbruders als problematifch hingeftellt wird, von einem ganz anderen Ausgangspunkt die Entlcheidung finden. Jeder K. J. V.-er fpllte gelernt haben, an folche prägen auf keinen Fall heranzutreten mit nüchternem opportuniftifchen Rechnen und Abwägen ,• fondern er foll fich entlcheiden nach den hohen Lebensgefetzen, die er im K. J. V. und durch den Geift des K. J. V. in (ich aufgenommen hat. Für mich als K. J. V.-er ift von vornherein ausgefchlolTen, bei folch wichtigen Prinzipien mir überhaupt eine Ausnahme als möglich zu denken, ganz gleich unter welchen Vor-