Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Pefz, K. J. V. und Mischehe 9 bleiben, auch wenn fie fidi herzlich müht/ auch noch, wenn fie Religionsunterricht bei einem liberalen Rabbiner genommen hat. Diefe Vorausfetzungen an lieh können keine Gewähr für eine »Verjudung« der Kinder geben. Als wenn das überhaupt für die rein jüdifche Ehe fo leicht, fo einfach wäre, in unferem Sinne jüdifche Erziehung zu leiften! Wir Verheirateten willen doch, mit , welchenfaß unüberwindlichen Schwierigkeiten bei uns in Wefteuropa in der Praxis da zu kämpfen ift, weil faß alles fehlt, was dazu gehört und dazu nötig iß,- weil ja das alles in den^ allererßen Anfängen des Werdens fteckt. Mir iß ein Beifpiel er^ zählt worden, das ich hier wiedergeben will. Hirszenberg, ein Mann, aus einem echten jüdifchen Milieu, ein Menßh mit zweifellos fchöpferifchen jüdifchen Inßinkten, — wer von uns hat foviel Garantie, wie diefe beiden Vorzüge aufzuweifen? — Hirszenberg nahm fich eine Chrifiin zur Frau. Und er blieb nicht im Golus nein, er wollte die Gewähr für feine Kinder ßeigern / er ging nach Paläßina, alfo in das denkbar fiärkfie jüdifche Milieu» Er ßarb. Und feine Frau ging nach Rußland zurück und heiratete einen Chrißen. Und feine Kinder?! Wie will man da fagen, es fei durch den Übertritt der Frau und den Zionismus des Mannes eine Gewähr an fich gegeben?! Die zweite Vorausfetzung, die gefordert wird, daß nämlich die Gefamtzenfur des betreffenden Bundesbruders im K. J. V. von Fall zu Fall feßzußellen und demnach eben fein Verbleiben oder Ausfeheiden abzuwägen und zu entfeheiden fei, beruht nicht nur, wie die erfie, auf einer irrtümlichen, nachweislich falfchen, fondern auf einer geradezu gefährlichen Auffaflung. Es fieckt darin ein Jefuitismus, den man kaum für möglich halten möchte: wenn es fich wegen der Tüchtigkeit des Bundesbruders lohnt, oder umgekehrt, wenn das Ausfeheiden des Bundesbruders einen Verlufi bedeutet, dann darf män einmal fünf gerade fein laßen, darf über feinen Verfloß gegen eine allgemeine Anfchauung hinwegfehen und ein Auge zudrücken. « Selbfiverfiändlich foll bei irgend 'welchen Verfehlungen von Bundesbrüdern ein unterfchiedliches Maß erlaubt fein, ob es fich um einen hervorragenden, verdienten Prädikats-K. J. V.^er oder um einen eben genügenden »Dreier« handelt. Selbfiverfiändlich foll um feiner Verdienfte willen jenem manches nachgefehen werden, was bei anderen geahndist werden muß! Ja, ich glaube, daß von diefer Art verfönnlicher Gottähnlichkeit ruhig mehr unter den Bundesbrüdern verbreitet fein könnte als von manch anderer Art von Gottähnlichkeitsbewußtfein. Aber es kann natürlich diefe doppelte Moral nur für formale Dinge: Disziplin, Aktivität, Bundes** brüderlichkeit etc., gelten, nie aber für zentrale Prinzipien des. Bekenntnifles und der Persönlichkeit. Daß die Ächtung der Mifch^ ehe ebenfo wie der Taufe etc. zu diefer Kategorie gehört, das werde ich fpäter noch ausführen, obwohl es mir elementar erßheint.