Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 1 (April 1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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8 PeCz, KJ.V. und Mischet Prüfen wir zunächft die Gründe, die jene Bundesbrüder ün* führen. Als erfte Voraüsfetzung wird allgemein gefordert, daß die Frau Jüdin werde. Was beweift das? Das ift. doch ein Minimum,, das zu irgend welcher Beruhigung gar nicht ausreicht. Allgemein ift dadurch nur gefiebert, daß die Kinder in die jüdifdien Standes^ amtsmatrikel eingefchrieben werden / zunächft also eine Rettung nur für die Statiftik. Daß dadurch allein die Gefahr eines fpäteren Verluftes durch fpätere Taufe nicht ausgefchloflen ift, beweift aber diefelbe Statiftik. In keinem Falle gibt der Übertritt der Frau allein eine Gewähr für eine wirkliche »Einnationalifierung« der Kinder, befonders in Wefteuropa. Das Icheinen auch die anderen zu fühlen,- denn fie verlangen ja als zweite Voraüsfetzung uuih, daß der Mann auch noch eine Gewähr gebe, und zwar durch die Jüdifchkeit feiner Perfönlichkeit. Soweit ich fehe, erfcheint jenen der Zionismus des Mannes als identifch mit diefe'r Garantie. Es ift meines Erachtens ganz unmöglich, überhaupt und noch viel weniger in einem Einzelfall vorauszufagen, ob eine Gewähr oder auch nur eine Ausficht beftehe, daß die Kinder einer Mifchehe wirklich jüdilch werden, nicht nur jüdifch nach dem Standesamt. Es liegt im Wefen der jüdifchen Religion, in ihrem Mangel an einfachen, leicht faßbaren, leicht unterfcheidbaren Glaubensdogmen und in dem Überwiegen ihres traditionellen Charakters, daß der wefteuropäifche Profelyt, wenn er nicht vielleicht in einen abgefdiloflenen, hochorthodoxen Kreis hineinkommt, in ein wirklich inneres Verhältnis zum Judentum als zu einem neuen religiölen Erleben nicht kommt. War das chriftlich-religiöfe Fühlen des Profelyten fehr ftark, fo werden feine Wurzeln ftets ftark bleiben. War aber das chriftliche Gefühl oder überhaupt das reli^iöfe Ge^ fühl nicht fehr ftark, dann wird das neue Judentum die Perfönlich*- keit erft recht nicht fehr beeinflußen, und eine folche »Jüdin« wird nur wenig Gewähr oder Eignung bieten können, ihre Kinder mit pofitiv, mit fpezififch jüdifchem Geifte zu erfüllen. Daß es in feltenen Fällen möglich fei, beweift höchftens, wie fchwer es ift. Es muß - aber gerade für unferen * Kreis betont werden, daß die Formen und die Kraft des jüdifch^religiöfen Lebens — und das allein ift es, was in der Gegenwart und hier der Profelyt ein^ taufchen könnte — recht wenig ausgeprägt find,- daß Gebräuche, Sitten und Traditionen in unferen Kreifen meift recht wenig plaftifche Wirkfamkeit auf den Profelyten ausüben werden. Die Frau, die eine Milchehe mit einem Juden eingeht, tut es in den allermeiften Fällen, vielleicht in allen Fällen nicht aus religiöfer Überzeugung, fondern aus erotifchem Antriebe, wegen des erotifchen Zweckes^ weil Tie den Mann liebt und heiraten will. Sie wird fich alfo für die Ideen und die Beßrebungen ihres Mannes aus Liebe intereflleren,- fie wird fich Mühe gehen, ihn nirgends zu ftören, in allen Meinungs^ differenzen nachzugeben. Aber im Judentum wird fie eine Fremde