Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 5 (15.5.1930)
- Date
- 1930-05-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 5 der größte Teil des Buches gewidmet. Bei der Durcharbeit wird der Leser noch viele anders Anregungen für seinen Turnunterricht finden. Fragen der Ordnung werden besprochen. Der Hygiene dient ein besonderer Abschnitt. Das unliebsame Kapitel der Turnbefreiungen wird behandelt. Wandern, Schwimmen, Eisläufen finden gebührende Beachtung. Meist stad es nicht nur Anweisungen für Hilfestellung, sondern auch Fingerzeige für richtige Ausführung der Uebung. Die erste Hilfe wird nur kurz behandelt. Sie kann am wenigsten aus Büchern erlernt werden. Jeder Lehrer sollte von Zeit zu Zeit einen Kursus für erste Hilfe praktisch durchmachen. Zur Vertiefung und Weiterbildung dient eine Angabe des Schrifttmns. Das beigegebene Bildmaterial ist gut und instruktiv. Go st. Lehr- und Uebungsbuch der Einheitskurzschrift. 1. Teil, 15. Auflage 1 M, Schlüssel hierzu 0.50 M, Lehrgang in drei Schönschreibheften 0.90 MH. In kurzer, knapper Form wird in dem genannten Buch aut 48 Seiten das System der Einheitskurzschrift vorgeführt. Vom Leichten zum Schweren fortschreitend, durch sinnfälliges Hervorheben des Wichtigen, durch straffe Gliederung des Stoffes zeigt sich der Mann der Praxis. Klare, deutliche Schrift zeichnen besonders die Schönschreibhefte aus. Die Bücher stehen daher mit an der Spitze der zahlreich erschienenen Lehrbücher, was auch die hohe Auflageziffer beweist. Die Bücher sind empfehlenswert. Bei genauer Durchsicht finden sich aber folgende Sätze' Leseübung S. 11 „In dem besetzten Gebiet ist es schon mehrfach vorgekommen, daß man ganz Unschuldige in das Gefängnis gesetzt und dann in das unbesetzte Gebiet verwiesen und gezwungen hat, zwischen Nacht und Morgen Haus und Geschäft zu verlassen." S. 18 „Deutschland hat Feinde ringsum." S. 27 „Wer nicht mit uns ist, der ist wider uns." Solche Uebungsfätze dürften allerdings in der neuen Auflage nicht mehr erscheinen. „Gebäulichkeiten" auf Seite 33 ist wohl nur eine Entgleisung. Dipl. Hdl. M? Reichte. „Der Morgen." Zweimonatszeitschrift. Jahrgang 6. Heft 1. Berlin SW 68, Lindenstratze 13. Philo-Derlag. Einzelheft 2,25 Jl. Jahresabonnement 12 M. Die von dem verewigten Prof. Julius Eoldstein, Darmstadt, begründete Zeitschrift beginnt ihren 6. Jahrgang. Sie wird von der Gattin des Verewigten in seinem Sinne und Geiste weiter geleitet. Sie ist die Zeitschrift vornehmsten Stils für alle Gebildeten aller Konfessionen unter Mitarbeit auch der Gebildeten aller Konfessionen. Das vorliegende Heft enthält folgende Aufsätze : Gedanken über das P e st a ch f e st von Raimund Eberhard, P a r a p f Y ch o l o g i f ch e H y p o t h e i e u von Hans Driesch, Jüdische B a u e r n f r L m m i g k e i t in Palästina voll Ernst Simon, Jüdische Frömmigkeit in der deutschen L a n d g e m einde von Emil Schorsch, D a H ü o . D i e E r o st e Wissenschaft von Richard Wilhelm, Der A p o st e l der M a r a n n e n von Eecil Roth, Mahatma Gandhi von Virger Forell, Das Geheimnis der Bundes!«de von Harry Torczyner und Vertauschte Fronten von Franz Rosenzweig. Wir brauchen unsere Kollegen wohl kaum besonders darauf hinzuweisen, wie belehrend und in reichstem Maste geistig anregend die Lektüre dieser Aufsätze wirkt; „Der Morgen" sollte in keiner Bibliothek des jüdischen Lehrers fehlen. M. Steinhardt. Karl Blitz: Studienrat Hancke. Roman. Hamburg. (Gebrüder Enoch Verlag. Ein Roman aus dem Schulkeben der jüngsten Gegenwart, der zeigen will, dast die Schule, namentlich die höhere, oft leider noch allzusehr in mittelalterlichen Banden steckt, daß sie nur Unterrichts-, nicht aber Erziehungsanstalt ist. Da stehen stwei Lehrertypen einander gegenüber: Studien rat Hancke, der Vertreter der „guten alten Zeit", die so oft den jungen Menschen ihre ganze Äugend verbittert und einen tiefen Stachel für das spätere Leben zurückgelassen hat, und D r. 2(3 o 11 ii der Vertreter der Neuzeit, der Liebling der Unterprima, an dem die Schüler der Klage mit allen Fasern ihres Herzens hängen, der der Vertraute aller seiner Schüler ist, zu dem sie in unendlicher Liebe und Verehrung emporschauen. , , Einige charakteristische Sätze und Gedanken aus dem Roman!eien hier wiedergegeben: „Zensuren gehören nicht mehr in die Erziehung dieser jungen Menschen. Anstatt den Jungen verantwortungsvolle Selbständigkeit zu geben, bevormundet die Schule sie. Damit erzieht man keine Führernaturen. Ich weist nicht, ob Ihnen die Worte Bismarcks erinnerlich sind: Meine Mutter kümmerte sich nicht tzm mich. Ich wurde daher nicht erzogen. Das war ein Glück : für mich."- Seite 7 „Die Höhere Schule hinkt kilometerweit hinter dem Lebensstil der Gegenwart her. Sie hat erst recht nicht Schritt gehalten mit dem Lebensstil der Jugend."- „Die Ironie ist die Waffe der Erwachsenen. Da die Äugend kein Abwehrmittel dagegen besitzt, benutzen sie die meisten Lehrer als bequemes Angriffsmittel gegen die Schüler und machen hemmungslos Gebrauch von ihr. Diese Lehrer haben längst vergessen, daß in keinem Lebensalter das Gefühl gesteigerter und empfindlicher ist, als zwischen Io und 29 Jahren. Sie wissen infolgedessen nicht, das der nächste Weg sich das Vertrauen der Jugend zu verscherzen und ihren Hatz zu erwerben, über die Lehrerironie führt."- „Die Schule scheint für die Erotik der Jugend blind zu sein. Die Schule schweigt diese Erotik einfach tot. Anstatt sie zu ignorieren, sollten die Knaben- und Mädchenanstalten den Geschlechter;! Gelegenheit geben, sich auf legale Weise kennen zu lernen. Dann würde endlich dieses schauerliche, ungesunde Geheimnis aufhören, das die Schule heute noch über die Zweigefchlechtlichkeit der Menschen breitet. Der Lebensstil der modernen Jugend ist viel selbständiger als wir denken. Sie will aus dem eigenen Erlebnis lernen und kümmert sich den Kuckuck um die ältere Generation. Die Schule will das nicht einsehein Darin liegt einer der Gründe, warum sie mit der heutigen Generation nicht «uskommt." ..- — Die Lehrerschaft sollte sich in diesen Roman vertiefen; sie kann unendlich viel aus ihm lernen. Namentlich den Kollegen, welche in der Jugendbewegung stehen, sei er angelegentlichst empfohlen. Sie wissen, wie schwer es oft ist, mit der Äugend der Gegenwart, was man so nennt, „fertig zu werden". Aber die Schwierigkeit liegt oft weniger bei der Jugend, als beim Alter. Das Buch kann, richtig erfastt, unendlich viel Segen stiften. Hinzugefiigt fei, datz auch eine jüdische Schülergestalt in dem Roman vorkommt. Sie spielt keine besondere Rolle, aber sie ist doch tuit wenigen Strichen vom Verfasser liebevoll gezeichnet. M. Steinhardt. Das gesamte Erziehungs- und Unterrichtswesen. Bücher fiir wissenschaftliche Fortbildung. Bücher - Verkaufskatalog 340. Leipzig, Kurprinzenstratze 10, Alfred Lorentz. Preis 4 M. Ein Micher-Katalog, der die gesamte Erziehungswissenschast umfaßt; für die Fortbildung des Lehrers, der nach Literatur sucht, ungeheuer wertvoll und kaum zu entbehren. M. S t. Felix R e i ch : Der mosaische Religionsunterricht. Sonderabdruck aus dem Handbuch des Taubstummenwesens. Ofterwieck-Harz. Elwin Staude. Nicht um den mosaischen Religionsunterricht an sich, sondern um diesen Unterricht für jüdische Taubstumme handelt die kleine, nur 8 Seiten umfassende Broschüre, welche einen tiefen Einblick gewährt in das Wesen der betreffenden Erziehungsanstalten. Sie zeigt uns, wie man auch diese Unglücklichen zu guten brauchbaren Menschen und treubewutzten Juden erziehen kann, und wie die von dem geschätzten Verfasser geleitete Anstalt sie offenbar erzieht. 'M. St. Bei der SchrMeitung emgegangene Bücher. Karl Blitz : Studrenrat Hancke. Hamburg. Gebrüder Enoch Verlag. Dr. Julius Höxter: Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur, o. Teil. Neueste Zeit: 1789 bis zur Gegenwart. Frankfurt a. M. 2. Kauffmann. S. M ü l l e r : Von jüdischen Bräuchen und jüdischem Gottesdienst. Karlsruhe. Verlag Voltze. Wandkarte, darstellend den Wüftenzug der Israeliten, von Lehrer Rofenfelder, Ladenburg a. N. Selbstverlag. Abram M e n e s : Die vorexilischen Gesetze Israels. Gießen. Alfred Topelmann. Broschiert 4 Jl. „Der Morgen." 6. Jahrgang. 1. Heft. Berlin SW 08. Philo-Verlag. Ganzjahresbezug 12 Ji. Einzelheft 2,25 Jt. Dr. Jos. Klausner, Professor an der hebräischen Universität Jerusalem, Jesus von Nazareth. Seine Zeit, fein Leben und seine Lehre. Berlin, 1980, Jüdischer Verlag. In Leinen geb. 16 Mt. Dr. Manfred Saalheimer, Der Jüdische Reichsveröand, Ueber eine öffentlich-rechtliche Eesamtorganisation der deutschen Juden. München, B. Heller. 2.40 Ml. Dr. Rupert Storr, Die Frömmigkeit im Alten Testament. M.-Gladbach, Volksvereins-Verlag. Preis geb. 8 Mi. Jüdische Schulzeitung.