Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 5 (15.5.1930)
- Date
- 1930-05-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Schulzeitung. Seite 4 Nummer 5 Die Zusammenhänge zwischen dem wissenschaftlichen Weltbild der Neuzeit, zwischen Aufklärung und Judentum, zwischen der Popularphilosophie und der jüdischen Religion werden untersucht. Hier nimmt die Betrachtung der Mendelssohnschen Philosophie einen großen Raum ein. Dieses Kapitel und die Auseinandersetzung über Spinozas Verhältnis zum Judentum und zur jüdischen Theologie dürfen besonderes Interesse beanspruchen. Der Vertreter der Bibelwissenschaft, Ra bin, hat einen vorzüglichen Beitrag geliefert, dessen erster Abschnitt die Fortsetzung mit Spannung erwarten läßt. Die „Studien zur mosaischen Gottesvorstellung" schildern in einer Einleitung die Absicht des Verfassers und nehmen im ersten Kapitel zur altisraelitischen Gottesvorstellung in der kritischen Forschung Stellung. Sachlich und klar, kurz und deutlich liest man die Geschichte der bibelkritischen Forschung und die Ergebnisse, zu denen sie gelangt ist. Demgegenüber setzt der Verfasser in seinem positiven Teil die Religion der Erzväter auseinander und erhärtet die uns selbstverständliche und geläufige Erkenntnis von dem schon frühzeitig in Israel sich durchsetzenden Monotheismus, von dem Abholdsem der Erzväter von Berggöttern und Terafim, von dem unaufhörlichen Begegnen einer einzigartigen Eottesvorstellung, wenn man die biblischen Erzählungen der Genesis unvoreingenommen lesen will. Vervollständigt wird diese Lehre durch das Bild des Moses, wie es hier gezeichnet wird, für den wie für fein Volk schließlich doch die Erkenntnis gilt, „Monotheismus ist nur auf dem Wege der Offenbarung möglich". „Die religiösen Kräfte vieler Generationen schufen die Empfänglichkeit der Stammesgememschaft der Hebräer in Aegypten für die volle Erkenntnis der monotheistischen Gottesidee. Die Sinaibotfchaft, die Offenbarung des Göttlichen für den menschlichen Geist, die Bereitschaft des Volkes zur Erfassung göttlicher Lehren, wie zur Hingabe an den göttlichen Willen, bilden im Sinaibund den Höhepunkt der monotheistischen Eotteserkenntnis." (&. 351.) Von ganz anderer Art ist der Beitrag von Professor Michael E u 11 m qhu: „Erez jißrael bemidrasch we* talmud", mit bem Untertitel „unter besonderer Berücksich^ tigung der Beziehungen zu Thora und Geboten". Schon äußerlich verschieden, ist dieser Aufsatz in klassischem Hebräisch geschrieben. Es ist eine ganz gewaltige Sammlung der auf Palästina bezüglichen Stellen, unter sehr klarer und bis ins einzelne gehender Rubrizierung und Ordnung. Geographische Angaben, naturwissenschaftliche, klimatische, historische und kulturhistorische Mitteilungen, geordnet nach den Zeiten der Väter, nach den Jahren nach der Besitznahme des Heiligen Landes, die Vorschriften über das Verhalten zu den „Ausländern" in Palästina, zu den Sklaven, zu den Proselyten, Archäologisches und Kultisches, rein gesetzliche Partien werden vorgetragen und in der eigenen Sprache vorgebracht. Während die Quellenangaben gut und vollständig zu sein scheinen, vermißt man hier m. E. eine Lite)- raturangabe über Werte, in denen die einzelnen Gebiete schon ihre Behandlung gefunden haben. Es wäre sicher schwer gewesen, eine Allswahl unter diesen Werken zu finden, aber mir scheint dennoch, daß es besser gewesen wäre, wenigstens einige zu nennen. Gründliche Arbeiten werden also von den Dozent« ^?stalt geliefert, Arbeiten, die fortgeführt w uJ*run® ^er üor UNS liegt. Philosophie, Dlbellunde. Midrasch und Talmud spreche {ÄÄ’Sx.r k'n,n *",u «■ Ich will hier etwas ordnen. Mit den Abhandlungen, die der Bibel gelten, will ich beginnen. Zwei Arbeiten betreffen dieses Gebiet: Zunächst Kalten, Genesis 41, ein hochinteressanter Beitrag zur sachlichen und psychologischen Ausdeutung eines Pentatsuchkapiiels unter reiner Zugrundelegung der altjüdischen Erklärer. Man hat nicht den Eindruck, daß dftses Kapitel willkürlich ausgewählt ist, sondern man erkennt, daß die Gesamtheit unserer alten Bibelerklärer noch heute den Tert des Thorawortes nach Inhalt und Gedanke und wohl auch im Aufbau unserem Geschlecht nahezubringen vermag, es soll — glaube ich — in dem Artikel ein stiller Protest gegen die moderne Bibelforschung liegen, die wähnt, erst das Bibelwort erschlossen zu haben. Etwas weniger günstig wird man vielleicht über Levy. „Der Prophet Maleachi" urteilen, eine gefällige Arbeit, Uebersetzung und Kommentar dieses Prophetenbüchleins darstellend, aber im Kommentar, mit dem Tert doch bisweilen zu frei umgehend, nach dem Muster von Ehrlich. Vorzüglich sind die sprachlichen Erläuterungen, z. V. über ny u. a. (Schluß folgt.! Mendelss ohn-Literatur. Von Dr. Js. Bamberger, Nürnberg. Aus Anlaß der jüngsten Mendelssohnfeier sind eine ganze Reihe von Schriften erschienen, auf die wir kurz Hinweisen wollen: Zunächst sei darauf aufmerksam gemacht, daß die „Iüd. Akademie" und „die Gesellschaft für die Wissenschaft des Judentums" gemeinschaftlich eine Neuausgabe der gesamten M e n d e l s s o h n s ch e n Schriften veranstalten: zwei Bände liegen bereits in schöner und würdiger Ausgabe vor. Wir empfehlen ihre Lektüre angelegentlich, insbesondere die Briefe Mendelssohns an seine Fromet. die uns Mendelssohn von seiner tiefsten Seele aus erkennen lassen. Fritz Bamberger, einer der Herausgeber, hat einen Vortrag im Druck erscheinen lassen, „Die geistige Gestalt Mendelssohns", der sich auf die zuverlässigste Quellenfürschung stützt und der menschlichen und wissenschaftlichen wie jüdischen Persönlichkeit Mendelssohns objektive Gerechtigkeit zuteil werden läßt. Frau Dr. S t r a u ß - V a d t hat im der „Heinebund- Sammlung" eine Auswahl von Briefen u. a. erscheinen lassen: Mendelssohns Charakter nach Briefen. Werken usw. die Bambergers Darstellung ergänzend zur Seite tritt. Wie es nicht anders zu erwarten war, hat auch „Der Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur" in Berlin sein diesjähriges Jahrbuch in den Dienst der Mendelssohn-Gedächtnisfeier gestellt: Gedenkbuch für Moses Mendelssohn. Prof. Elbogen hat ein Geleitwort dazu geschrieben, in dem mit Nachdruck hervorgehoben wird, daß „Unterricht und Erziehung die Zaubermittel waren für Mendelssohn, voll denen er sich die Umwandlung und Verjüngung seiner Brüder versprach: auf die Verbesserung, des Unterrichts drängte er daher mit Zähigkeit und Hartnäckigkeit, wie sie ihm sonst nicht zu eigen war." Rabb. Dr. F r e u d e n t h a l zeichnet ein Bild der Gemeinde Dessau um jene Zeit, da Mendelssohn dortselbst geboren wurde und seine Äugendjahre dort verbrachte. Dieses Bild aus der Heimat Mendelssohns beruht auf reichem historischem Material, das Freudenthal souverän beherrscht: hat sich doch Freudenthal schon früher in umfassenden Weu"- ken mit diesen und verwandten historischen Stoffen beschäftigt.