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Jüdische Schulzeitung · 1938-11-01 · 11 (1.11.1938) · page 6

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
11 (1.11.1938)
Date
1938-11-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite '6'^" Jüdis:cherSchirlz eit-üng -~ -.-Nummer-IT von ^Geschichtsbildern'' an die Schüler herangebracht.-werden. „Unbedingte Notwendigkeit: Auseinanderhalten "und andrerseits wieder Zusammenfassen der einzelnen Reihen zu geschlossenen Bildern und Entwicklungslinien unter Heranziehung des einen hier und Zurückstellung des anderen dort; immer aber unter Ausschaltung alles Unwesentlichen". Sehr, instruktive Lektionsentwürfe sind dem Aufsatz beigegeben. Es wäre sehr wünschenswert, wenn diese Arbeit, die die Problematik des Geschichtsunterrichtes klar und kenntnisreich aufzeigt und einen wohl durchdachten Plan der Unterrichtsgestaltung gibt, Anlaß zu weiteren Ueberlegungen über dieses Thema wäre. In seinem Beitrag über P a 1 ä s t i n a k u n de geht Hans Gärtner (Berlin) von der Feststellung aus, daß der Aufbau Erez Israels die große geschichtliche Aufgabe unserer Gegenwart ist. Palästinakunde ist deshalb in der Schule nicht nur ein Fach für „Realien", sondern sie ist vor allem ein Teil jüdischer Erziehung. Wenn sie ihren Aufgaben gerecht werden soll, dann kann sie nicht nur als Fach erteilt werden, sondern sie gehört in die Geschichte, die Erdkunde, die Heimatkunde, ja sie hat in fast allen Fächern natürliche Anknüpfungspunkte. ,',Palästinakunde ist also viel mehr ein Unterrichtsprinzip als ein Unterrichtsfach." Als letzteres hat sie vor allem die Aufgabe, das heutige Palästina und das Leben dort zusammenhängend darzustellen. Dazu genügt eine Wochenstunde, in der Volksschule am besten im 8. Schuljahr, in der Höheren Schule in der 6. Klasse. Sehr anschaulich und mit sehr guten Beispielen zeigt Gärtner, welche Verbindungen es zwisehen der Paiästinakunde und den einzelnen Fächern gibt, ganz besonders bei der Bibellektüre, Denn „die Grundlage der Palästinakunde ist die Bibel". Für die spezielle Palästinakunde schlägt er vor, mit den Schülern eine „Reise" durch das. Land zu machen. An diese Reise soll sich eine Darstellung der Bevölkerung (Juden, Araber, Verhältnis zwischen Juden und Arabern) anschließen. Es sei besonders auf die ausgezeichneten methodischen Hinweise aufmerksam gemacht. Zum Schluß sei auf die Arbeit von KätheRosenthal (Berlin) über Abstammungslehre und Erbhygiene der Juden hingewiesen, die eine übersichtliche Einführung in diesen Fragenkomplex gibt und seine Auswertung im Erdkunde- bzw. Naturkundeunterricht anschaulich darstellt. * Diese Besprechung kann nur ein Hinweis auf die in der „Didaktik der jüdischen Schule" behandelten Probleme und Stoffgebiete sein. Auf Einzelfragen konnte sie nicht eingehen. Sie will dazu anregen, daß sich die jüdische Lehrerschaft Deutschlands mit diesem Buche befaßt. Das wird für den Herausgeber und seine Mitarbeiter der beste Dank sein. Oekonomie im Unterricht Von Wilhelm Stern, Berlin. Wir geben hier einem unserer Junglehrer das Wort. Er befaßt sich mit Fragen des Unterrichts in der Jüdischen Schule . unserer Zeit. Wenn seine Darlegungen auch an einer gewissen Unklarheit kranken, so sind sie dennoch bemerkenswert wegen der Tendenz, die ihnen zugrunde liegt. Sie kommt zum Ausdruck in der wertenden Gegenüberstellung unterrichüicher Grundsätze: früher war die Methode alles und das Stoffliche weniger; heute muß beides harmonisch geeint sein. Wir wissen nicht, aus welchen Erkenntnissen heraus der Verfasser ein derartiges Urteil gefällt hat; aber es will uns scheinen, als sei seine Auffassung ungerechtfertigt. Wir erinnern, uns keiner Zeit, da der Lehrer nicht den allergrößten Wert darauf ge- . )..r., legt hätte, den Kindern ein gediegenes Wissen zu übermitteln. t Wenn er dabei immer wieder die Methode auf ihre Zweck- ' mäßigkeit geprüft hat,1 so bedeutete das niemals einen Ver- - zieht auf eine Förderung der Schüler in sachlicher Hinsicht. .; : ■ Das muß doch gesagt werden in einer Zeit, da im Ansturm einer neuen Welt die Art-und Weise, in der .die Alten" ihre Arbeit leisteten, gar zu leicht der Unterbewertung anheim- ■ fällt. - - DJe Red> Bei den kürzlich in Berlin 'in Verbindung mit der hebräischen Konferenz" abgehaltenen hebräischen ' Lehrpröbeh' hat es im Anschluß an eine Lektion eine Diskussion gegeben* deren * sachlicher Gegenstand eigentlich ungeklärt blieb. Es handelter sich um die Frage, ob eine vermehrte Kräfteanwendungdes Lehrers, die der angewandten Methodik entsprang,- durch .den Erfolg des Unterrichtes gerechtfertigt war. Eine der gebotenen Lektionen, die den hebräischen Erstunterricht behandelte, hatte ohne Fibel, ohne Schriftbild, ohne daß die Kinder überhaupt einen Buchstaben lesen können, rein akustisch ein neues Wort eingeführt Die Praktiker standen'sich bei. der Aussprache scharf gegenüber. Da waren einige, die ganz unter, dem Eindruck der großen Mühe standen, die die Uebung und Sicherung des. neuen Wortes bereitete, und die zweifellos Evident war. Außerdem hatte das Wort am Ende doch nicht recht gesessen. Und da waren andere, die mit Leidenschaft betonten, daß erstens die Erfahrungen der Psychologie gelehrt haberi, daß die Lese- und Ganzwortmethode unkindlich und seit langem abgelehnt sei, daß die Schüler der Erststufe so lernen müssen, wie das Kleinkind einmal sprechen gelernt habe. Und das war rein akustisch. Außerdem sei die Stellung des Hebräischen bei uns heute berechtigtermaßen die einer zweiten Muttersprache, die daher den Kindern eben in der Weise zu eigen werden müsse, wie das Kleinkind die erste Muttersprache gelernt habe. Soweit der sachliche Bericht über die Diskussion, die von beiden Seiten mit dem Gefühl verlassen wurde, daß der andere im Unrecht sei. Die Frage scheint mir jedoch allgemein zu sein. Ob in dem speziellen Falle die Stunde an die Kraft des Lehrers zu große Anforderungen gestellt hat oder nicht, mag sachlich doch geklärt werden können und richtet sich auch danach, über" welche Reserven der Lehrer im Einzelfalle verfügt. Allgemein ist jedoch zu fragen, wieviel relativ zum Ergebnis der Stunde an Kraft investiert werden kann und darf. Dazu ist jedoch aufzuteilen: 1. Was verlangt die Methodik vom Lehrer? 2. Ueber welches Können und welche Kraft verfügt der jüdische Lehrer von heute? 3. Wie groß ist die Aufnahmefähigkeit unserer heutigen jüdischen Jugend? Ueber den zu behandelnden Stoff und seinen Umfang braucht nichts gesagt zu werden, denn darüber wird so viel gesprochen und ist auch so weit Klarheit und Einigkeit geschaffen, daß eine erneute Untersuchung müßig ist. Nehmen wir daher das Quantum des Stoffes als gegeben und1 konstant. Was fordert nun die Methodik? Sie fordert sehr viel. Es ist bekannt, daß sie schon häufig — auch im jüdischen Lager — überspitzt worden ist. Man konnte manchmal den Eindruck gewinnen, daß die Methodik nur noch Selbstzweck sei, nur noch ein aesthetisch.es und logisches Gebäude, und daß der Zweck' — nämlich Können und Wissen bei den Schülern — kaum eine Rolle spielte. Jede Entdeckung der praktischen Psychologie schlug sich unzweifelhaft in der Methodik nieder. Man ist heute nüchterner geworden. Die neuesten behördlichen Richtlinien zeigen das auch. Das Wort „Schulung" hat keinen faden Klang mehr. Wir befinden .uns in einer Mittelstellung. Der Unterricht muß zweifellos weiterhin logisch und psychologisch gerechtfertigt sein, der Schüler muß „arbeiten" und zur Selbst-Betätigung geführt sein; aber andererseits soll dabei . „gelernt" werden (ich setze beide Ausdrücke in Anführungszeichen, weil sie zwei einstmals sich ausschließende Richtungen bezeichnen).,„Arbeit" und „Lernen" sind keine kontradiktorischen Begriffe mehr, sondern "müssen 'heute harmonisch geeint sein. Und auch dem jüdischen Zeitgeist entspricht das. Wir haben keine Muße zu Spielereien mehr, soweit sie als solche vom Lehrer selbst empfundenwerden. - Und damit tritt die zweite Frage auf. Der Lehrer selbst, wo steht, er? Es wird nicht zum erstenmal betont, welche Aufgaben und Muhen der Lehrer der jüdischen Gemeinschaft heute auf "sich nimmt. Ist er doch nicht nur für den Vormittag da. Ist das Pensum unserer Schule doch kein normales mehr. Selbst der .alte'Praktiker, der mit Routine arbeitet, muß" heute stofflich und" psychologisch zulernen,' weil das' Arbeitsgebiet

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