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Jüdische Schulzeitung · 1938-11-01 · 11 (1.11.1938) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
11 (1.11.1938)
Date
1938-11-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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■Nummer Ii-... ' Ste r n sieht sehr klar diese Problematik: Religion' ist noch nicht „Religiosität als Grundgefühl bei Individuen und Gemeinschaften". Und dieses religiöse Grundgefühl wird heute durch den „nationalen oder völkischen Gedanken" nicht nur im " Judentum verdrängt. Wenn der Religionsunterricht sinnvoll seih soll, dann müsse er an den Gemeinschaftswillen anknüpfen. Das könne er, wenn er in der Biblischen Geschichte /.iden Sinn der jüdischen Vergemeinschaftung ahnen läßt", wenn er zur „Erkenntnis der Ueberzeitlichkeit der sozialethischen Förderungen und Pflichten, wie wir sie in Thora und Propheten finden", führt, und wenn er schließlich zur religiösen Uebung, dem Symbol als der „Verkörperung." der Gemeinschaftsidee erzieht. „Ob ein solcher Unterricht den erhofften Erfolg haben wird, wissen wir nicht . . . Wo das Erlebnis die Entscheidung bringt, sind Erfolg und Mißerfolg dem Schicksal überantwortet, in unserem Falle einer glücklichen Sturide". Reich geht von der Forderung aus, daß dem Religionslehrer „das Gesamtbild der Erlebnisbeziehungen des Kindes zum Göttlichen vertraut sein" muß; er muß die „Religionspsychologie des Kindes" kennen. Bei seiner Darstellung der kindlichen Psyche fällt jedoch auf, daß er nirgends von den ausgesprochen areligiösen Perioden dieser kindlichen Entwicklung spricht. Daß die Biblische Geschichte vom 1. Schuljahr ab in ziemlich chronologischer Folge den Kindern erzählt wird, ist verständlich. Warum aber gerade die Landnahme Israels der „geeignete Stoff" für das 3. Schuljahr sein soll, ist mir unverständlich. Sie wird im 3. Schuljahr behandelt, weil sie zeitlich auf den Stoff des 2. Schuljahres folgt, aber genau so gut könnte auch ein anderes Stoffgebiet behandelt werden. Es scheint mir bedenklich, die Geschichtenerzählung der Unterstufe zu psychologisieren. Frühestens auf der Oberstufe der Volksschule und wahrscheinlich erst später kann dem Schüler überhaupt der Sinn dieser Erzählungen aufgehen. Uebrigens ist Elias Auerbachs Wüste und gelobtes Land im Schokken Verlag erschienen, nur der I. Bd. wurde aus dem Kurt Wolff-Verlag übernommen. Ueber das Bibellesen mit älteren Schülern schreibt van der Z y 1. Es ist das Ziel dieses Unterrichtes, die Bibel als religiöses Buch zu interpretieren. Der Jugend soll die Bibel als „Buch jüdischer Gesinnung und jüdischen Glaubens" nahe gebracht werden. Wesentlich ist, daß die im Unterricht behandelten Fragen wirklichkeitsnah erörtert werden. Auf den ausführlichen Stoffplan, der dem Aufsatz beigegeben ist, kann hier nicht näher eingegangen werden. Einen ausgezeichneten Beitrag über den hebräischen Unterricht hat Wolf Neier (Berlin) beigesteuert. Von der Forderung ausgehend, daß das Hebräische als lebendige Sprache zu unterrichten sei, zeigt er die Ueberlegenheit der mechanisch-imitativen Methode der Spracherlernung gegenüber der verstandesmäßigen. Der Unterricht beginnt bereits im 1. Schuljahr und geht vom gesprochenen Satz aus. Frühzeitig muß das Erzählen geübt werden. Erst auf das Sprechen folgt das Lesen, mit dem auch das erste Schreiben verbunden werden muß. Bei Benutzung der Fibel darf das Kind keine Leseschwierigkeiten mehr haben, die Fibeltexte sollen ihm Freude bereiten." „Für die Durchnahme der Texte gilt der Grundsatz, daß das Kind nach Möglichkeit mit der Sprache derselben vertraut gemacht werden muß, bevor mit dem Lesen begonnen wird. Ebenso sollen zur Einprägung des neuen Wort- und Phrasehschatzes mündliche und schriftliche Uebtangen nach dem Lesen vorgenommen werden". Eingehend wird die Methodik des Tenach- und Siddürunterrichtes besprochen, ebenso die Einführung in die Grammatik, die Verlebendigung des Unterrichtes durch das Lied, Sehr weitgehend scheint mir die Forderung, daß die Kinder überhaupt nicht übersetzen sollen. Nach den Düsseldorfer Erfahrungen scheint die Benutzung der Fibel bereits im 1. . Schuljahr verfrüht, für den Tenach- Unterricht scheint mir zu viel Lesestoff angegeben zu seih. Warum soll das Kind erst die Quadratschrift schreiben und ' nicht sofort die Kursivschrift? ' ' .-.' ' Seite 5 - Wie die jüdische Durchdringung des Unterrichtes in der Unterstufe möglich ist, zeigt die sehr anschauliche Arbeit von Johannes Wolff (Berlin) über Jüdische Grund* Schularbeit unter besonder er Be r ü,cksicht i g u n g des Gesamtunterrichtes. Die Grundschule ist Heimatschüle, die jüdische Grundschule muß zur „jüdischen fieimatschule" werden. Die Umwelt des Kindes ist der Unterrichtsstoff, und der Gesamtunterricht gibt dem Lehrer zählreiche Möglichkeiten, dem Kinde auch die jüdische Umwelt nahe zu bringen. Diese Umwelt ist die Gemeinde, deren Einrichtungen und deren Geschichte das Kind kennen lernen soll. Diese Umwelt wird aber zur weiten Welt, wenn die Kinder zu Hause und durch Briefe von Verwandten und früheren Mitschülern erfahren, wo und wie überall Juden leben. Im Jahreslauf heben sich die Feste aus dem Alltag heraus.Wenn der Unterricht gegenwartsnahe ist, bringt er auch an die Kinder der Grundschule schon Fragen unserer Zeit heran; im Rahmen ihrer Verständnisfähigkeit spüren sie dann ihre Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft. Auch die jüdische Zeitung und das Lichtbild können hier Helfer sein. Beispiele aus der Unterrichtspraxis zeigen, wie dieser Unterricht durchgeführt werden kann. Die wichtigen Stoffgebiete des Deutsch- und Geschichtsunterrichtes behandelt der Herausgeber selbst. Für die Auswahl jüdischen Bildungsgutes im Deutschunterricht stellt er folgende Forderungen auf: 1. das Jüdische muß natürlich gewachsen sein; 2. Welt und Mensch müssen unseren Kindern verständlich sein; 3. es muß literarisch wertvoll imd 4. pädagogisch bedeutsam sein. Das „nur-jüdische Gepräge" rechtfertigt die Einordnung in den Stoffplan nicht, denn entscheidend ist die erzieherische Wirkung und deshalb die Haltung, mit der das jüdische Schicksal in der jüdischen Literatur gestaltet wird. Deshalb bietet die ostjüdische Literatur nur wenig pädagogisch wertvolles Material; aber auch sonst findet sich nicht viel wirklich brauchbares jüdisches Schriftgut für die Schule. Dagegen bietet der Deutschunterricht als „Lebenskunde" die Möglichkeit wirklicher „jüdischer Durchdringung" des gesamten Unterrichtes. Fragen, die den Einzelnen und die Gemeinschaft bedrängen, zeigen die jüdische Situation in der nichtjüdischen Umwelt auf; hierher gehören auch die „Aussprachestunden" über aktuelle Fragen, über Bücher, Zeitungsartikel, Einrichtungen von allgemeinem Interesse usw. Die mündliche und schriftliche Beherrschung der deutschen Sprache als Grundlage für die Erlernung jeder Fremdsprache ist für unsere Schüler heute von besonderer Wichtigkeit. Im Zusammenhang mit dem Deutschunterricht sei auf die Arbeit von Alfred Loewy (Berlin) über das jüdische Lied hingewiesen, die nicht nur eine Zusammenstellung jüdischer Lieder für die einzelnen Klassen bietet, sondern auch eine Methodik des Musikunterrichtes gibt. Außerdem auf den Beitrag von OttoGeismar (Berlin) über dasjüdische Motiv im Kunstunterricht. Hier scheinen mir besonders bemerkenswert die zahlreichen Hinweise auf die einzelnen Techniken. Mit seinen künstlerischen Vorschlägen kann ich mich häufig nicht einverstanden erklären. Für eine eingehendere Beurteilung beider Arbeiten halte ich mich nicht für zuständig. Sehr eingehend setzt sich Stern mit der Gestaltung des Geschieh t.s Unterrichtes auseinander. In die allgemeine Geschichte ist die Geschichte der Juden einzugliedern, sie kann nicht mehr nur als Religions- und Leidensgeschichte betrachtet, sondern, muß als politische, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte gelehrt werden. Ihr Ziel muß Erziehung unseres Nachwuchses zu „realpolitischem Denken" sein. Aber gerade für den Geschichtsunterricht ist die Frage der Verständnisfähigkeit der Schüler von besonderer Bedeutung. Geschichtliche Entwicklung und geschichtliche Zusammenhänge können Volksschüler m. E. kaum verstehen. Es ist hier leider nicht möglich, idieses Problem zu erörtern und Vorschläge für eine radikale Umgestaltung des Geschichtsunterrichtes zu, machen. Stern fördert ebenfalls eine Begrenzung des Stoffes auf ein Minimum. Der geschichtliche Stoff kann nur in Form Jüdische.Schulzeitung.

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