Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 11 (1.11.1938)
- Date
- 1938-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 11 - > J üdische- Schu 1 zeitung Seite 3 ^V. .;' Die vorstehenden Ausführungen sind im wesentlichen auf die" Fortbildung der'Lehrer an jüdischen Volksschulen abgestellt/Wie weit sie für d'ie Fortbildung der Lehrer an jüdischen Höheren Schulen Geltung haben können, würde noch einer näheren Untersuchung bedürfen. Die Fortbildungsbedürfnisse werden hier teilweise etwas andere sein, was mit dem andersartigen Aufbau der Höheren Schule, dem Fachlehrerwesen an der Höheren Schule und der entsprechenden Fachlehrerausbildung zusammenhängt. Ebenso wäre noch näher zu untersuchen, welche Besonderheiten die Fortbildungsbedürfnisse der Lehrer an den jüdischen Berufs- und Fachschulen gegenüber den Fortbildungsbedürfnissen der Lehrer an jüdischen Volksschulen aufweisen. Einer besonderen Pflege bedarf die Fortbildung der Persönlichkeiten, die außerhalb der regelrechten Berufs- und Fachschulen an Ausbildungsstätten verschiedener Art wie Grundlehren, Vorlehren, Hachscharazentren und sonstigen Kollektiväusbildungsstätten als Lehrkräfte im nichtf ach technischen Unterricht tätig sind. Teilweise handelt es sich dabei um Gelegenheitsunterricht und Gelegenheitslehrer, deren Fortbildung Aufgaben einer Ausbildung mit nachzuholen hat. Die zweckmäßige Gestaltung des allgemeinen Unterrichts in diesen Ausbildungsstätten und die Ausbildung und Fortbildung der dafür zur Verfügung stehenden Kräfte ist eine sehr dringende Aufgabe. Didaktik der Jüdischen Schule*) Eine Besprechung von Kurt Herz-Düsseldorf I. Die von Heinemann Stern herausgegebene und jetzt erschienene Didaktik verdient gerade in diesen Blättern eine besondere Beachtung. Denn sie ist das erste und wahrscheinlich auch einzige umfangreiche Werk jüdischer Pädagogen in Deutschland seit dem Jahre 1933. Und es ist sehr zu bedauern, daß dieses Buch aus äußeren Gründen erst so spät gedruckt werden konnte. Es ist beinahe ein Symbol für den Willen und das Ethos der jüdischen Lehrerschaft, daß dieses Werk in dem -Augenblick erscheint, in dem der Auflösungsprozeß des deutschen Judentums auch in der Schule recht sichtbar wird. Denn die wahre Aufgabe des Lehrers besteht darin, daß er immer zwischen den Zeiten steht, daß er die Tradition von Generation zu Generation vermittelt, und daß er auch in einer Zeit der Unsicherheit und Richtungslosigkeit sicher und zielbewußt erzieht. Dieses Buch will-dazu verhelfen, und schon allein dieser Absicht wegen sind wir dem Herausgeber und seinen Mitarbeitern für ihre Arbeit dankbar. Nicht weniger aber auch deswegen, weil sie die neuen Probleme, vor denen die jüdische Schule seit 1933 steht, behandeln und zu ihrer -Lösung beitragen wollen. Deshalb ist diesem Buch nicht nur weiteste Verbreitung zu wünschen, sondern wir halten es für selbstverständlich, daß es mindestens in jeder Schulbibliothek steht. Das Buch behandelt in einem I. Teil „Allgemeine Didaktik", in einem II. „Spezielle Didaktik". Es stellt sich zur Aufgabe, die Unterrichtslehre in ihrem Bezug auf das „Jüdische" zu betrachten, und zwar so, daß es „zu einer umfassenderen Darstellung von bildungstheoretischen, stofflichen und methodischen Problemen in jüdischer Schau" wird. Die theoretische Grundlegung, nämlich die Behandlung des allgemeinen und des jüdischen Bildungsproblems, stammt voni Herausgeber, der; auch die methodischen Grundsätze, die Stundentafel und Stun-; denplangestaltung dargelegt und die Behandlung der wichtigen. Stoffgebiete des Deutsch- und Geschichtsunterrichtes über-/ nommen, sowie die Problematik des Religionsunterrichtes beschrieben hat. . •■ ■ Die theoretische Grundlegung soll einer weiteren Bespre-*' churig vorbehalten bleiben;, so daß wir hier auf .ihre Behand-. hing verzichten wollen. *--. ■■ . i- . v> *) Didaktik de,r Jüdischen Schule.' In Gemeinschaft1 mit Fachlehrern bearbeitet von Dr. Heihemann Stern . Rektor der Mittelschule der Jüdischen Gemeinde in Berlin. Vortrupp./fJüdischer- Buchverlag / Berlin SW. 29 o. J. 250 S. geb.-RM. 4.50. v; v ' .; II. Vor der Betrachtung der einzelnen Beiträge sei noch eine Vorbemerkung allgemeiner Art gestattet. Es ist selbstverständlich, daß eine Didaktik der jüdischen Schule von der Voraussetzung ausgehen muß, daß die jüdische Schule den normalen - Aufbau und die normale Entwicklung einer Schule habe. Ohne diese Voraussetzung ist eine Didaktik unmöglich und hebt sich selbst auf. Denn Didaktik als Lehre vom Unterricht ist die Theorie der Bildungsinhalte, somit die Lehre von den Bildungsstoffen als Bildungsgut und Bildungswert, und sie bedarf an und für sich nicht der Methodik, d. h. der Theorie des Bildungsweges zu ihrer Begründung, wenn auch zu ihrer notwendigen Ergänzung. Damit setzt sie die Schule als notwendige Uebermittlerin voraus, ohne sich eigentlich mit ihrer Gestaltung auseinandersetzen zu müssen. Sie setzt sich mit ihr immer nur dann auseinander, wenn sie ihr eigenes Gebiet überschreitet und zur Methodik wird. Dann zeigt sich aber auch in der Erziehungswirklichkeit ihre Problematik und Beschränkung, denn innerhalb dieser stellt sie nur einen Ausschnitt, wenn auch einen wichtigen dar. Auch die vorliegende Didaktik muß auf eine spezielle Berücksichtigung der heutigen jüdischen Schulen verzichten, wenn sie sinnvoll und folgerichtig aufgebaut wird, sie muß sich in ihrer Grundlegung auf eine Abstraktion beziehen, auf eine „allgemeine" jüdische Schule, und sie muß deshalb jedem einzelnen überlassen, die in ihr behandelten Probleme für seine eigene Situation umzudenken und umzugestalten. Was sie aber geben kann und gibt, das ist ein Gefüge der Bildungsgüter und, wenn sie ihren engeren Bezirk überschreitet und methodische Anleitungen gibt, deren Behandlung in „der" jüdischen Schule. Eine allgemein verpflichtende Didaktik und Methodik der jüdischen Schule wäre nur möglich als Teil einer Theorie der jüdischen Bildung, die aber selbst nür möglich ist, wenn sie ein jüdisches Volk oder eine autonome jüdische Gemeinschaft zur Grundlage hat. Diese Vorbemerkung scheint mir deshalb wichtig, weil ich mir denken kann, daß das „Allgemeine" dieses Werkes Anlaß zu Kritik geben wird, beispielsweise, daß seine Darstellung ausgeht von der Behandlung der Unterrichtsfächer in der vielgegliederten städtischen Schule, daß Besonderheiten bestimmter Schultypen nicht beachtet worden sind, und daß vor allem die Anormalität unseres heutigen jüdischen Schulwesens unberücksichtigt geblieben ist, Es ist nicht ein Mangel, sondern gerade der Wert dieses Buches, daß seine einzelnen Abhandlungen dazu anregen, das „Allgemeine" für den besonderen Fall umzugestalten und auf ihn anzuwenden. III. Bei unserer Besprechung der einzelnen Beiträge des Buches wollen wir ausgehen von dem methodischen Kernstück, den von Stern dargelegten Methodischen Grundsätzen. Drei Faktoren bestimmen die Unterrichtsmethode: der Unterrichtsstoff, der Schüler, der Lehrer. Und zwar gestaltet sie der Lehrer, indem er den Unterrichtsstoff nach Maßgabe der geistigen und psychischen Fähigkeiten des Schülers auf diesen überträgt oder diese Uebermittlung veranlaßt, je nach der sich für ihn aus der jeweiligen Situation ergebenden Aktivität. Eine „allgemeingültige, sogenannte .wissenschaftliche' Methode" kann es nicht geben, da es verschiedene „Lehrertypen" und „Schülertypen" und deshalb auch die Möglichkeit einer verschiedenartigen Unterrichtsgestaltung gibt. Jedoch lassen sich aus der Erfahrung bestimmte gültige methodische Grundsätze aufstellen. Es sei jedoch hier vermerkt, daß jede Unterrichtsmethode ihre letzte Berechtigung erfährt aus der Erziehungswirklichkeit einer Schule, die jeder Unte/richtstätigkeit und damit auch jeder Unterrichtsmethode erst ihren Sinn und ihre Stelle im jeweiligen1 pädagogischen Wertsystem gibt. So können an und für sich schon abstrakte methodische Grundsätze je nach dieser Verschiedenheit unter Umständen zu noch allgemeineren und letzten . Grundsätzen führen. Dabei muß man sich, wie es auch der Verfasser tut, bewußt sein, daß formale Grundsätze nur Stüt-