Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 11 (1.11.1938)
- Date
- 1938-11-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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$eite 2 n , : : Jüdis c k e vSc Seelsorger für lebensunsicher gewordene jüdische Menschen der jüdische Volksscbullehrer, der selbst nicht weiß,'wo und wie lange seines Bleibens ist, und der sich nur zu oft selbst lebensunsicher fühlt!, ■* * -~ ' S" ■ .-. ' >. II. - In dieser Lage hat die Fortbildung der jüdischen Lehrer im Interesse der jüdischen Schularbeit folgende Aufgaben zu erfüllen: 1. Orientierung über die Strömungen in der Psychologie und Pädagogik, soweit sie für die Schule von Bedeutung sind. 2. Hilfeleistung bei der Ueberwindung besonderer pädagor gischer Schwierigkeiten,. die die Arbeit in der jüdischen Schule heute in vielfacher Weise bietet: Allgemeine Charaktererziehung, Pädagogik des jüdischen Kindes in der Reifezeit, Verhältnis zwischen Schule, Elternhaus und Jugendbund, Klassengemeinschaft von Jungen und Mädchen, Klassengemeinschaft verschiedener Altersstufen, Klassengemeinschaft normaler und nichtnormaler Kinder, Schularbeit angesichts der Auswanderungsvorbereitung usw. 3. Persönliche Fortbildung des Lehrers auf Stoffgebieten, a) die unmittelbar Gegenstand des planmäßigen Schulunterrichts sind (z. B. Hebräisch oder Biologie usw.) . oder b) die, ohne unmittelbar Gegenstand des planmäßigen Schulunterrichts zu sein, mit Gegenständen des Schulunterrichts im Zusammenhang stehen und für die persönliche Bildung des. Lehrers von Bedeutung sind, so daß eine diesbezügliche Fortbildung sich auch auf den Schulunterricht auswirkt (z. B. Fragen der Gegenwartskunde), c) die mit den sozialfürsorgerischen Aufgaben des Lehrers neben der Schularbeit i. e. S. zusammenhängen. Bei der zu Buchstabe a) und b) aufgeführten stofflichen Fortbildung wird es sich je nach der Vorbildung des einzelnen Lehrers teils um eine Ergänzung der jüdischen Bildung, teils um eine Ergänzung der allgemeinen Bildung handeln. 4. Handreichungen für didaktische und methodische Fragen der einzelnen Unterrichtsfächer, wie sie sich aus allgemeinen Aenderungen der Lehrpläne, aus dem organisatorischen Aufbau der einzelnen jüdischen Schule und aus der praktischen Schularbeit des einzelnen Lehrers ergeben. III. Als Mittel dieser Lehrerfortbildung kommen, abgesehen von Veranstaltungen im Rahmen der einzelnen Schule (Lehrerkonferenzen, gegenseitige Unterrichtsbesuche usw.) in Betracht: 1. Zeitschriften und Rundbrief e wie die Jüdische Schulzeitung, die Blätter „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik", Rundschreiben der Schulabteilung der Reichsvertretung, Rundbriefe der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung. Diese literarischen Veranstaltungen könnten z. T. wohl noch stärker als bisher in den Dienst der Lehrerfortbildung gestellt werden. Es wäre zweckmäßig, daß eine Stelle planmäßig die Erscheinungen auf dem Gebiet der Psychologie, der Pädagogik und des Schulunterrichts ^beobachtet und über sie fortlaufend berichtet, soweit sie für den jüdischen Lehrer und seine Arbeit von Bedeutung sind. 2. Die Organisierung eines Bücher- und Zeitschriftenleihverkehrs für Lehrer, die keine Möglichkeit zur unmittelbaren Benutzung öffentlicher Büchereien haben. 3. Eine bezirksweise einzurichtende Schul-und Lehre r b e r at u n g durch Vertrauensleute aus der Lehrerschaft, die mit Unterrichtsbesuchen und Konferenzen in den einzelnen Schulen zu verbinden sein würde. 4. Hospitationen. Wenn heute unter Umständen Junglehrer unmittelbar von der Lehrerbildungsanstalt in eine Stelle als einziger Lehrer an einer einklassigen Volksschule einrücken, so dürfte das wenig zweckmäßig sein, , weil hulzeitung"_. - . , "Nummer 1\ solche Junglehrer aufrdiebesonderen Schwierigkeiten^der - einklassigen Volksschule nicht genügend vorbereitet sind und sich ihnen nicht' gewachsen;fühlen:; Es wäre z\?eckmäßig, daß Lehrer, die ohne entsprechende Erfahrung'eine Stelle an "einer einklassigen Volksschule übernehmen'sollen, zunächst eine Zeitlang bei einem erfahrenen und bewährten Schulmeister an einer einklassigen Volksschule in die Lehre gehen und während dieser Zeit von einem änderen Kollegen "vertreten werden: Die Organisierung solcher Hospitationen müßte ebenso wie die Organisierung eines gelegentlichen Lehreraustausches von einer Stelle in die Hand genommen werden. 5. For tbildungskonf erenzen und Fortbildung s I e h r g ä n g e. a) *Ein- oder zweitägige Fortbildungskonferenzen können zweckmäßig sein, wenn sie eine nicht zu große Zahl von Lehrern eines Bezirks umfassen, die als Nachbarn miteinander in Fühlung stehen, wenn sie periodisch in nicht zu großen Zeitabständen aufeinander folgen, und wenn die einzelne Konferenz sich auf die Behandlung eines oder weniger Gegenstände beschränkt, so daß der einzelne Gegenstand gründlich behandelt werden kann. b) Längere. Fortbildungslehrgänge von 10 bis 14 Tagen während der Ferien sind besonders erfolgversprechend: Die Teilnehmer erfahren eine gewisse Regeneration bereits dadurch, daß sie sich für eine Weile der Alltagsnot entziehen und sich wieder einmal ausschließlich dem eigenen Lernen widmen können. Die längere Dauer der Lehrgänge ermöglicht in ganz anderer Weise als bei einöder zweitägigen Tagungen ein sachgemäßes Stofflernen und eine gründliche Behandlung der einzelnen Probleme. Die einzelnen Teilnehmer können bei einem längeren Fortbildungslehrgang intensiver erfaßt und ihren Nöten kann besser auf den Grund gegangen werden. Die täglichen größeren Pausen bieten Gelegenheit zu eingehendem persönlichem Erfahrüngs- und Gedankenaustausch im zwanglosen Gespräch. Die Zusammenfassung der Teilnehmer zu einer Arbeits- und Lebensgemeinschaft während eines längeren Fortbild'ungslehrganges bringt Werte zur Entfaltung, die für die persönliche und berufliche Bildung des einzelnen Lehrers höchst wichtig sind. Immer wieder ist die Erfahrung gemacht worden, daß die Teilnehmer an längeren Fortbildungslehrgängen eben durch die Arbeits- und Lebensgemeinschaft, die dem Stil des längeren Fortbildungslehrganges entspricht, in besonderer Weise eine innere Stützung erfahren und einigermaßen gestärkt wieder zu ihrer Arbeit zurückkehren, in der sie ja nur zu oft auf einem einsamen Außenposten stehen. IV. Im Interesse einer planmäßigen, intensiven und damit auch wirtschaftlichen Fortbildung der jüdischen Lehrer für die Schularbeit wäre zu wünschen, 1. daß eine Stelle die literarischen Erscheinungen auf den einschlägigen Gebieten beobachtet und über Erscheinungen, die für die Fortbildung der Lehrer wesentlich sind, die Lehrerschaft auf dem laufenden hält, 2. daß eine Stelle die Versorgung der Lehrerschaft mit Büchern durch Einrichtung eines Bücher- und Zeitschriftenleihverkehrs in die Hand nimmt, 3. daß eine bezirksweise Schul- und Lehrerberatung mit Hilfe von Vertrauensleuten, aus der Lehrerschaft eingerichtet wird, 4. daß Hospitationen von Junglehrern bei erfahrenen Lehrern an einklassigen Volksschulen planmäßig eingerichtet werden, -? 5. daß die Einrichtung von Fortbildungskonferenzen und Fortbildungslehrgängen in planmäßiger-Weise erfolgt, und daß der Besuch dieser Fortbildungseinrichtungen gewissen Lehrerkategorien von Fall zu -Fall zur Pflicht gemacht wird. Üeber die Teilnahme sind Bescheinigungen auszustellen. ' - ... r -