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Jüdische Schulzeitung · 1938-10-01 · 10 (1.10.1938) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
10 (1.10.1938)
Date
1938-10-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nummer 10 J ü d i s che S ch<u Iz e itung Seite 7 gäbe vorbereitete, bestand in Metz eine „Rabbinerklause", begründet von einer Tochter des berühmten Finanzmannes Elias Gompertz, der hier in Kleve auch eine solche Gelehrtenschule ins Leben gerufen hatte. — In Krefeld unterrichtete Bär Israel zwei Jahrzehnte hindurch wohl nur in einzelnen Familien. Nach der Bildung der Gemeinde wurde er „israelitischer Schullehrer" und Vorbeter. So besagt die Umschrift seines Bildnisses, das die Gemeinde anfertigen ließ und das sie dem Bilde des ersten Konsistorialrabbiners Löb Gariburg zur Gesellschaft gab. Bernhard Onderich lehrte die Kinder, „lernte" mit den Erwachsenen, hielt Lehrvorträge in der Chewra, die sein Werk war und übte wohl auch die Leistungen des Rabbiners in seiner und den umliegenden Gemeinden. Er erlebte den Wechsel der Regierungen, den Aufstieg der Krefelder jüdischen Gemeinde, die um 1808 mit 160 Zugehörigen die größte im weiten Umkreis war. .Da wurde. Krefeld der Sitz eines jüdischen Konsistoriums, dessen Befugnisse sich auf weite rheinische und niederländische Gebiete erstreckte. 1809 hielt Löb Gariburg als Grand Rabin seinen Einzug in Krefeld, 15 Jahre wirkten beide Männer noch zusammen. Im Alter von 108 Jahren, immer noch im Amt, starb Onderich am 5. September 1824. Sein Arbeitsgefährte Löb Carlbtorg würdigte seine Verdienste im Nachruf am Grabe. — Onderich hat zweifellos trotz seiner 80jährigen Tätigkeit in der Gemeinde kein leichtes Leben gehabt. Neun Zehntel der Gemeindemitglieder betrieb das Metzgergewerbe. Man kennt eine jüdische Legende ungewissen Ursprungs, in der einem anspruchsvollen Gelehrten als Nachbar im Gan Eden "ein schlichter Fleischermeister vorausbestimmt wird. Der Gelehrte gibt sich zufrieden, als er von den* geheim geübten Guttaten seines künftigen Paradiesgefährten Kenntnis erlangt. „Denn nicht die Wissenschaft ist die Hauptsache, sondern die Tat." Sicherlich gab es auch unter den Krefelder jüdischen Metzgern brave Leute. Doch satirische Worte Löb Carlburgs lassen erkennen, daß es eben nicht alle waren. . Aus dem erwähnten Bildnis Onderichs leuchtet ein gütiges, behagliches, verstehendes Antlitz. — ~" ' In den Sprüchen der Väter werden drei „Kronen" aufgeführt: Die Krone des Priesters, des Herrentums und des guten Namens. Die letztere hat Onderich sich erworben. Ob auch die erste ihm zukam, ist nicht mehr festzustellen. Doch zwei weitere Kronen sind ihm zuzuweisen; die des höchsten Alters und die des Ausharrens. Anderthalb Jahrzehnte nach seinem Scheiden entstand dann die jüdische Volksschule. Von unserem Emser Heim Während der Sommerferien fand sich wie alljährlich eine stattliche Anzähl von Kollegen und Kolleginnen aus allen Teilen des Reiches im Erholungsheim ein, um in Gottes freier Natur auszuruhen und aus dem Gesundbrunnen der Emser Heilquellen neue Kraft zu schöpfen. Zwanglose Geselligkeit verband Insassen und Gäste und verbreitete die Atmosphäre von Ruhe und Behaglichkeit. Unvergeßliche Stunden bereitete allen der Berliner Gemeinderabbiner Israel Nobel, der aus dem reichen Schatze seines Wissens die Worte der Schrift geistvoll zu deuten wußte. Der Genannte sprach aus dem Herzen aller, indem er zum Schluß seiner Ausführungen in anerkennender Weise das überaus fürsorgliche Walten der Oberin Frau Emma Hamburger hervorhob, die als starke Persönlichkeit in langjährigem unermüdlich aufopfernden Wirken das Erhölungs- und Altersheim in Bad Ems zu u n s e r m Heim gemacht hat. Dr. B. I. Berichtigung In dem Bericht über den englischen Intensivkursus für Lehrer in Stuttgart in Nr. 9 ds. BI. findet sich ein Fehler. Uejber das Wesen der englischen Baukunst hat nicht Herr Dr. Rothschild gesprochen, sondern Herr Dr. Gundersheimer, der am Museum jüdischer Altertümer-Rothschild-Museum in Frankfurt a. M. tätig ist. Die Schulabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Wie vor einiger Zeit mitgeteilt, wurde durch Erlaß des Herrn Reichserziehungsministers vom 15. Dezember 1937 — E VII a, Nr. 324, E II e, E III c (b) — die Möglichkeit geschaffen, daß jüdische Kandidaten zur Ablegung sowohl der wissenschaftlichen als auch der pädagogischen Prüfung für das Lehramt an jüdischen höheren Schulen von Fall zu Fall zugelassen werden können. Soeben hat auf Grund der erwähnten Regelung erstmalig eine pädagogische Prüfung stattgefunden. Ihr unterzogen sich 1 Kandidat und 3 Kandidatinnen, die sämtlich das Examen bestanden haben. Ächawa Einige aktive Mitglieder sind mit der Entrichtung ihres Jahresbeitrages von 4 RM noch im Rückstände. Sie werden gebeten, den Betrag an die Achawa, Hilfsverein für israelitische Lehrer in Deutschland, Frankfurt a, M., Postscheckkonto 47 452 einzuzahlen. Zugleich wollen die Mitglieder davon Kenntnis nehmen, daß infolge Straßenumbenennung die Adresse des Vorstandes jetzt Josef-Haydn-Straße 63 lautet Dorthin sind auch alle Gesuche zu richten. Literarisches Jüdisches Blindenjahrbuch 5699 (1938/39). Herausgegeben von der Selbsthilfevereinigung der jüdischen Blinden in Deutschland, e. V. — Jüdischer Buchverlag Leo Alterthum, Berlin-Charlottenburg 9. Die Selbsthilfevereinigung der jüdischen Blinden in Deutschland, e. V., bemüht sich seit 1934, durch Arbeits- und Erholungsfürsorge sowie durch zusätzliche Wohlfahrt die wirtschaftliche Lage der jüdischen "Blinden zu verbessern, sowie ihre geistigen Interessen durch Veranstaltungen aller Art zu heben. Sie bedarf hierbei und zur Erlangung der dafür notwendigen Mittel der tätigen Mitarbeit der jüdischen Sehenden, einer Mitarbeit, die nur dann zweckmäßig und erfolgreich sein kann, wenn der Sehende mit den besonderen Bedürfnissen des Blinden und der Eigenart seiner Lebensgestaltung vertraut ist. Deshalb wendet sich die Selbsthilfevereinigung alljährlich mit einem Jahrbuch an die jüdische Oeffentlichkeit. Die Bedeutung dieses Jahrbuchs wird von den zahlreichen Beiträgen in Vers und Prosa über die Blinden und ihr Leben bestimmt; das Jahrbuch ist überdies mit einem ausführlichen Kalendärium versehen. Soeben ist der vierte Jahrgang des Jüdischen Blifldercbuchs erschienen, wieder ausgestattet mit Zeichntingen von Horst Moratz sowie mit Fotografien. Nachdem in einem einleitenden Aufsatz die Persönlichkeit des vor etwa Jahresfrist verstorbenen ersten Vorsitzenden der Vereinigung, Robert Hirschfeld, in seiner Eigenart als Blinder dargestellt ist, folgt der Hauptteil, der unter dem Motto „Der Blinde in Bibel und Schrifttum" steht. Es sei hier vor allem die Arbeit des Gemeinderabbiners Gustav Cohn in Leipzig „Der Blinde im biblischen und nachbiblischen Schrifttum" und Karl Eschers Aufsatz „Glanz aus Hellas", der die Darstellung des Blinden im altgriechischen Schrifttum behandelt, genannt. Sehende und blinde Dichter aus alter und neuer Zeit kommen dann zu Wort, so zum Beispiel John Milton, Hieronymus Lorm, Friedrich Gundolf, Arthur Silbergleit, Gertrud Chodziesner, Nelly Sachs, Oskar Baum, Emst Blaß, Elly Groß, Max Zodykow. Der Schlußteil des Jahrbuchs ist der modernen Blindenfürsorge gewidmet. Hier sei besonders auf den Abdruck einiger Abschnitte aus Dr. Ludwig Cohns neuestem Werk „Der Weg Ins Leben", auf die ausführliche Darstellung der Jüdischen Blindenanstalt in Berlin-Steglitz und auf die instruktive Arbeit der blinden Blindenlehrerin Betty Hirsch in London über „Die Blindenpflege in USA" hingewiesen. Wenn in dem Buch auch nur vom Blinden die Rede ist, so bietet der reiche Inhalt, der hier nur in ganz wenigen Worten angedeutet werden kann, doch in Form und Darstellung Abwechslung genug. Es ist ein zeitgemäßes Buch, dessen Lektüre

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