Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 10 (1.10.1938)
- Date
- 1938-10-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdische Schülzeitung Nummer. 1Ö~ dischen Lehrer gestellt werden. Es ergab sich die dringende Notwendigkeit, die Schulen kleiner Gemeinden mit geeignetem Buchmaterial für die Hand des Lehrers und der Schüler zu beliefern. Es stellte sich vor allem heraus, wie notwendig unterrichtliche Zusammenarbeit größerer und kleinerer Schulsysteme ist (Lehreraustausch, Hospitieren), da die jungen Lehrer an weniggegliederten Schulen sich nur sehr selten Rat bei erfahrenen Kollegen holen1 können und keinerlei Anregung von außen bekommen. Daß aus dem gemeinsamen Arbeiten während der Fortbildungstagung eine wirkliche Arbeitsgemeinschaft der Teilnehmer wurde, ist der verständnisvollen, zielbewußten und geschickten Leitung von Professor Dr. Ernst Kantorowicz zu danken. Er wußte durch sinnvoll gewählte Literaturproben und Schallplatten auch den Stunden der Freizeit - gemeinschaftsbildenden Inhalt, ästhetische Form und nachhaltigen Wert zu geben. Die Kursteilnehmer konnten mit der Gewißheit zu ihrer. Arbeit zurückkehren, daß zu allen Zeiten Lehrende und Lernende aufbauende Arbeitleisten können, wenn sie sich der Verantwortung, die ihnen ihr Beruf und ihre Situation auferlegen, bewußt sind. * Mitgliederversammlung des jüd. Lehrervereins in Bayern Am 28. August fand die 55. JahresverSammlung in der Turnhalle der jüdischen Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg statt. Es nahm eine stattliche Anzahl der Mitglieder an ihr teil. Der .erste Vorsitzende der Kultusgemeinde Würzburg, Justizrat Dr. Haas, begrüßte, auch namens des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden, die Versammlung. Sodann erstattete der Vereinsvorsitzende, Kollege Rosenfeld- München, den Jahresbericht. Er gedachte der heimgegangenen Kollegen, insbesondere des Ehren- und Gründungsmitglieds Adler (zuletzt in Berlin wohnhaft) und des unvergeßlichen Verbands-Ehrenvorsitzenden Rektor Fein er¬ Hamburg. Er gedachte weiterhin der in Erez Jisrael Gefallenen und gab dem Wunsch Ausdruck, es möchte bald der Friede wieder hergestellt sein. Dann wandte er sich den gegenwärtig wichtigen Fragen zu. Die jüdische Lehrerschaft sei in den Strudel der Auswanderung hineingeraten. Bereits hätten auch 14 Kollegen in Bayern ihre Stellung verlassen, um in der Ferne nach neuen Arbeitsmöglichkeiten Ausschau zu halten. Wenn es auch unser Los sei, bis zuletzt in vorderster Linie auszuharren, um an der Durchführung einer geordneten Liquidation mitzuhelfen, so sei doch versucht worden, die maßgeblichen Organisationen zu einer sinnvollen Planung der Lehrer-Auswanderung zu gewinnen. Es habe sich indes ergeben* daß wenig Aussicht auf Erfolg bestehe, und daß deshalb die Frage individuell gelöst werden müsse. Wei- Bestellschein : unfrankiert i i In den Postj I kästen werfen Än das Postamt (Zeitungsstelle) Hier terhin befaßte sich Koll. Rosenfeld mit den wichtigen innerjüdischen Ereignissen des Jahres, insbesondere mit der Gründung des Reichs v e r b a n des der Juden in. Deutschland und den Folgen für die Stellung der jüdischen Gemeindebeamten, sowie mit den schwierigen Fragen des Vereinslebens, namentlich finanzieller Natur. Nach der Mittagspause hielt ,Koll. Dr. Siegfried Braun, Köln, seinen Vortrag über die jüdische Schule in1 dieser Zeit Er stellte im theoretischen Teil als das Charakteristische der seelischen Haltung unserer jüdischen Jugend heraus die E r lebnisverlagerung- und die Neigung zum R e s s e n - timent. Der Lehrer stehe vor der neuartigen Doppelauf-' gäbe, das Erlebni§quantum im jüdischen Bereich zu mehren und seine Qualität in behutsamer aber .nachhaltiger Weise zu stärken, vor allem aber die Kinder dazu zu erziehen, dem Ressentiment den Einlaß zu verwehren und in der menschlich und jüdisch gebotenen Weise auf die'Erlebnisse zu reagieren, auf daß deT Humanitas kein. Abbruch geschehe. Bedeute diese Seite der. Schülerarbeit der tiefste Inhalt der Erziehung, so sei es dem -Lehrer doch auch aufgegeben, dem Anspruch des Tachlit gerecht zu werden, d. h. dem Kinde ein ausreichendes Maß von nützlichen Kenntnissen und Fertigkeiten mitzugeben. Das sei heute mehr als früher notwendig, weil die jüdische Jugend sich in der Fremde nur dann durchkämpfen werde können, wenn sie aufs beste vorbereitet sei. — Im zweiten Teil seines Vortrages befaßte sich Koll. Braun mit den Fragen der Schulpraxis, sofern der Lehrer über die für alle Schulen geltenden Grundsätze und Anweisungen hinausgehen müsse, weil es notwendig sei, besondere Aufgaben zu bewältigen. Es kann hier davon abgesehen werden, ins Einzelne hinein zu gehen; denn die Auffassungen des Referenten sind der Kollegenschaft durch seine grundlegenden Aufsätze in diesen Blättern 'bekannt geworden. Zum Schluß des zweistündigen Vortrags rief der Referent dazu auf, sich nicht der irrigen Meinung zu verschreiben, die Arbeit des jüdischen Lehrers sei sinnlos, weil sie ein Abschnitt der Liquidation sei; die .Lehrerschaft stehe vielmehr vor der schwierigsten Aufgabe, die es zu lösen gebe: die Jugend nach jeder Richtung hin stark zu machen für ein neues glückverheißendes Leben, gemäß dem Dichterwort: „Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag!" — Eine rege Aussprache hielt die Zuhörer noch lange im Bann. Die anstrengende Tagung fand ihr Ende in einem Schlußwort des Vorsitzenden, das gleichermaßen zu unentwegter Arbeit und zur Zuversicht aufrief. Der Abend sah die meisten Kollegen in ein paar Stunden der Entspannung im Speisesaal des schönen Seminargebäudes beisammen. Der Gastgeber, Seminardirektor St oll, hatte in liebenswerter Weise für die Bewirtung zu Mittag und zu Abend , Sorge geträgen. d. n. Ein Religionslehrer, der 108 Jahre alt wurde Von S. Andorn, Krefeld In etlichen Monaten wird die jüdische Gemeinde in Krefeld das 175. Jahr ihres Bestehens erreicht haben. Allerdings hatten wenige jüdische Familien schon zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges Aufnahme in der kleinen Stadt gefunden. Doch ihre Zahl blieb beschränkt. Und es dauerte fast 150 Jahre, bis sie auf zehn mit etwa 70 Seelen gestiegen war. Dieser Bestand war 1764 erreicht. Und nun erfolgte die Begründung der Gemeinde, einer Betstube, eines Friedhofes und die der Chewra Kadisctia. An der Entstehung dieser Einrichtungen hatte ein Mann vermutlich seinen Anteil, der 20 Jahre vorher nach Krefeld gekommen war, der Religionslehrer Rabbi Bär Israel, auch Bär Isachar genannt, der viel später, in der französischen Zeit, als Bernhard Onderich in das Namensverzeichnis eingetragen wurde. Das Wort „Onderich", gleich Unterricht, ist dem Holländischen enmommen. Es gewahrt wohl einen Hinweis auf die Herkunft des späteren Namensträgers. Wie bei Rabbinern und Lehrern der Folgezeit, die am Niederrhein gewirkt haben, mag auch Onderichs Wiege in den Niederlanden zu suchen sein. — Sein Lebensweg führte über Metz nach Krefeld. Zur Zeit, als er sich für seine Lebensauf-