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Jüdische Schulzeitung · 1938-10-01 · 10 (1.10.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
10 (1.10.1938)
Date
1938-10-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nummer 10 Jüdische Schulzeitung Seite 5 Glauben zu machen. Das Judentum wurde endgültig verlassen. Baeck sucht, die Schichten dieser Entwicklung, welche die verschiedenen Generationen wiederspiegeln, an bezeichnenden Beispielen von einander zu sondern, an ihrer Ueber- . Lagerung aufzuweisen, wie das ursprünglich Jüdische immer hindurch schimmert, ja durchbricht, daß also das Evangelium eine Urkunde jüdischer Glaubensentwicklung bleibt. „Das Judentum darf an ihm nicht vorübergehen, es nicht verkennen, noch hier verzichten wollen. Auch hier soll das Judentum sein Eigenes begreifen, um sein Eigenes wissen." Das Kapitel „Die Begebenheiten" will die UrÜberlieferung aus den kanonischen Evangelien herausstellen, wobei in den Anmerkungen die Erweiterungen als Niederschläge späterer Entwicklung gelehrt werden. Davon gesondert werden „die Sprüche und die Gleichnisse", die der Urtext den Geschehnissen eingliedert, in ihrem Zusammenhang mit der rabbinischen Literatur behandelt. Max Wiener. Lehrerfortbildungstagung in Düsseldorf Vom 19. bis 30. August fand in den Räumen der Privaten Jüdischen Schule in Düsseldorf eine Fortbildungstagung für Lehrer des Bezirks Rheinland und Westfalen statt. Veranstalter des Lehrganges waren: die Reichsvertretung der Juden in Deutschland (Schulabteilung und Mittelstelle für Erwachsenenbildung), 4er Preußische Landesverband wuLder Verein israelitischer Lehrer in Rheinland und Westfalen. Der Studienplan umfaßte: , pädagogische Fortbildung (Pädagogische Probleme der Erziehung des jüdischen Kindes, Professor Dr. Curt Bondy, Groß-Breesen. . Tag der Schulpraxis mit Einschluß schulpraktischer Fragen an weniggegliederten Schulen, Dr. Siegfried Braun, Köln und Max Heymann, Rheydt), methodische und didaktische Fortbildung (Methodik und Didaktik des palästinakundlichen Unterrichts, Hans Gärtner, Berlin. Methodik und Didaktik des Tnachunterrichts, Josef Jakob^ söhn, Berlin. Methodik und Didaktik des Singens, Direktor Karl Adler. Stuttgart), stoffliche Fortbildung - (Materialien zur geschichtlichen Bildung, Professor Dr. Ernst Kantorowicz, Frankfurt a. M. und Dr. Kurt Herz. Düsseldorf. Briefe und Memoiren als jüdische Geschichtsquellen, Dr. Fritz Bamberger, Berlin). An der Tagung nahmen nur etwa 20 Lehrer teil. Absicht des Lehrganges war eine sachliche und pädagogische Weiterbildung der jüdischen Lehrerschaft. So brachten die Kurse eine Fülle von Anregungen und von neuem Wissensstoff. Dr.' Fritz Bamberger zeigte an verschiedenen Beispielen, wie die Kenntnis der Brief- und Memoirenliteratur den Lehrer befähigt, in arbeitsunterrichtlicher Weise z. B. einen Brief zur Charakterisierung einer Geschichtsepoche auszuwerten, statt an Hand von Geschichtsbüchern eine blasse Darstellung zwar umfassenderer aber oberflächlicherer Art zu geben. . . " . '■ ".: In ähnlicher Weise wies Dr. Kurt Herz darauf hin, wie man, ausgehend von kleinen, alltäglichen Beobachtungen, ini Unterricht große wirtschaftspolitische Zusammenhänge aufzeigen und, entwickeln kann. Als Beispiel gab er das Thema: Erdöl. Von der einfachen Frage: „Wie kommt ihr morgens zur Schule" gelangte er (unter Mitteilung einer Fülle interessanten Wissensstoffes) über die Bedeutung des Erdöls in der modernen Technik, sowie über die wichtigsten Produktionsländer usw., zu der weltpolitischen Bedeutung: des Erdöls überhaupt. Einen geschlossenen, klaren Ueberblick über die Faktoren geschichtlicher Bildung (Grundbegriffe der Staatsbürgerkunde) und die damit verbundenen Erziehungsforderungen gab der Kurs von Professor Dr. Ernst Kantorowicz. Dieser Kurs zeigte, wie notwendig es ist, daß der Lehrer einen Ueberblick über die Grundlagen. geschichtlicher Entwicklung hat, damit er in der Lage ist, einen der heutigen. Situation angemessenen und für die Schüler wertvollen Unterricht zu geben. Hans Gärtner erweiterte die Möglichkeiten des oft oberflächlich aufgefaßten Palästinakunde-Unterrichts durch die Forderungen an die Lehrer, ihre geographischen, geschichtlichen und sprachgeschichtlichen Kenntnisse zu vervollständigen und geschickt zu verwerten. Er unterschied Palästinakunde-Unterricht als Unterrichtsprinzip, d. h. Durchdringung aller Unterrichtsfächer mit palästinakundlichem. Wissen und als gesondertes Unterrichtsfach, das er mit einer Stunde wöchentlich im 8. Schuljahr angesetzt wissen möchte. Josef Jakobsohn unterstrich die Notwendigkeit, den Tnach aus der bisherigen lebensfremden Behandlung zu lösen und den Kindern die Persönlichkeiten des Tnach durch eine dem heutigen Leben entsprechende Darstellung interessant zu machen und sie die an keine Zeit gebundene Gleichheit menschlicher Natur empfinden zu lassen. Voll suggestiver Eindringlichkeit waren die Ausführungen von Direktor Karl Adler. Er legte unter Einflechtung zahlreicher Uebungen mit den Kursteilnehmern dar, wie die chorische Stimm- und Sprachpflege, die Gehörbildung, die Improvisation und die Liedkunde und -gestaltung das Kind zu ^intensivster und gestrafftestier Mitarbeit bringen und' seinen Ausdurcks- und Gestaltungswillen, sowie seine Verständnisfähigkeit schulen und in die richtigen Bahnen leisten können. Mit der Fülle pädagogischer Probleme der Erziehung des jüdischen Kindes in heutiger Situation beschäftigten sich: der Kurs von Professor Dr. Curt Bondy und der Tag d'er Schulpraxis unter Leitung von Dr. Siegfried Braun und Max Hey mann. Professor Bondy zeigte, daß neben den allgemein-gültigen sittlichen Forderungen jeder Erziehung (Wahrhaftigkeit, Selbstbeherrschung, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit usw.) dem jüdischen Lehrer in der Gegenwart noch besondere Aufgaben erwachsen. Den Kindern fehlt die Sicherheit der Familie, ein positives Erleben der Umwelt und eine verständnisvolle Führung im Bund. Auf Grund konkreter Beispiele erfolgte eine lebhafte Aussprache über diese wichtigen Fragen mit der Forderung, nicht für irgendeine Situation zu erziehen, sondern eine ethische Grundhaltung zu erzielen. Auch die Diskussionen am Tag der Schulpraxis gaben ein Bild von der Schwierigkeit und Fülle der Anforderungen, die an einen jü- Ausfüllen und Ihrem BrieltrUger mitgeben odet unfrankiert in den Briefkasten werfen POStbeStellSCheill für Neuabonnenten . . *"das Postamt (Zeifungsstelle) Hier* Ich — Wir — bestelle— hiermit zur regelmäßigen Zustellung die monatlich lmal erscheinende Jüdische Schulzeitung Verlagsort Mannheim. 2 zum Preise von RM.—.75 pro; Vierteljahr, zuzüglich 6 Rpf. Postzustcll« gebühren. Genaue Adresse des Absenders: Vor-u.Zuname: ................................................................................................... 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