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Jüdische Schulzeitung · 1938-10-01 · 10 (1.10.1938) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
10 (1.10.1938)
Date
1938-10-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer 10 J fidis che Sch u 1 z e i t u n g Seite 3 i a u sch statthaben zwischen Stadt und Land. D. h. ein Lehrer vom Lande sollte für ein paar Wochen an eine Schule in der Großstadt gehen und die Klasse des Kollegen führen, der seinerseits in die Landschule zu gehen hätte. Dies Verfahren käme beiden zugute. Wie gesagt, es ergeben sich schwerwiegende Bedenken gegen eine derartige Maßnahme. Aber außergewöhnliche Zeiten erfordern mutige Entschlüsse, und es ließe sich gewiß aus dieser Anregung etwas Fruchtbringendes machen. * Auch auf die Gefahr hin, nicht alle Möglichkeiten aufgewiesen zu haben, die sich den Lehrern überall darbieten oder darbieten müßten zur steten Eigenförderung, sei hiermit die Reihe der Anregungen abgeschlossen. Es gibt einen Bereich, innerhalb dessen der Lehrer auf sich allein gestellt -ist, wo ihm niemand und nichts weiterhelfen kann, wenn's nicht von innen her zur Tat drängt. Es gibt auch ein Minimalquantum geistigen Aufgehelltseins und seelischer Aufgeschlossenheit, ohne dessen Vorhandensein ein irgendwie ertragversprechendes Wirken in der Schule nicht möglich ist, wie immer es auch um die Förderung bestellt sein mag, die von außen her dem Lehrenden zuteil wird. Ist dies Minimalquantum aber vorhanden, so wachsen dem Pädagogen auch in seiner Isoliertheit die Kräfte zu, deren er bedarf, um seiner Aufgabe gerecht zu werden. Wenn Herz und Seele nur wach bleiben im Umgang mit den Kindern, und der Geist nicht rastet im Bemühen, das, was not tut, zu erkennen, wird der Lehrer die Mittel ausfindig zu machen wissen, deren Gebrauch den Erfolg sichert. Es sind wöhrkaum die Männer gewesen, die uv der Unruhe der Versammlungen sich zu erproben versuchten, die dort' zu Meistern herangereift sind. Die wahren Schulmeister haben ihre Kräfte geübt und zur Entfaltung gebracht in der Stille der Schulstube, Auge in Auge mit den jungen Menschen, die es zu bilden galt, von dort her die Impulse empfangend zur sachgerechten pädagogischen Tat. Und noch eins sei zum Beschluß all den Kollegen gesagt, die wähnen, die räumliche Enge und Abseitigkeit bringe notwendig eine Verkümmerung im Geistigen und eine Lähmung im Arbeitsmäßigen mit sich. Mögen sie sich dessen bewußt sein, daß im tiefsten Grunde die Schule eine Eigenwelt darstellt, innerhalb derer besondere .Gesetze walten, die unabhängig sind von der Umgebung und ihrer Unruhe. Mögen sie aber auch daran denken, daß sie nicht Handlanger sind an einem Bau, der abgetragen wird, sondern schöpferische Menschen, denen das Schicksal den Auftrag erteilt hat, in vorderster Linie mitzuhelfen an dem Neubau einer Welt, die in unbekannten Zonen Wirklichkeit werden wird. Da wird kein Ouäntchen Pessimismus und Unlust Raum gewinnen; da wird der Lehrer, indem er wacht und wirkt, einen starken Sinn behalten, und die Schaffensfreude wird seine stete Begleiterin sein. Der Lehrer im Kampf gegen Sprachstörungen, als Helfer an der Seite des Sprachheilarztes Von Johann Wolff-Berlin Der vorliegende kleine Aufsatz will das Interesse der Kollegen auf ein G r e n z gebiet lenken, in das sich Pädagogik und Medizinteilen. Wenn wir unsere Jugend heute entlassen, sei es nach abgeschlossenem Volksschulbesuch, aus einer Klasse des neunten oder zehnten Schuljahres oder selbst mit dem Abschlußexamen einer höheren Schule: was wir ihnen rein wissensmäßig zu geben vermochten, dürfte gewöhnlich gering zu werten sein, gemessen an dem, was sie in formaler Bildung im Laufe der Schulzeit in sich aufgenommen und an sich erfahren haben; die Erziehung zu Arbeitsamkeit ./und Sorgfalt, •zu Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit, zu einer gewissen Selbständigkeit im Denken und Tun, wird sich als wertvolles Gut erweisen, da sich diese Jugend draußen — meist unter völlig veränderten und darum wesentlich schwierigeren Lebensbedingungen — zur vollen Persönlichkeit entwickeln und den Lebenskampf bestehen soll. Alles, was diese Jugend "belasten oder hemmen könnte, was ihre geradlinige Entwicklung aufhalten oder verzögern könnte, wollen wir zu erkennen versuchen; und wo sich die Möglichkeit dazu bietet, Schäden vorzubeugen oder krankhafte Störungen im Keim schon zu ersticken, da wollen wir Lehrer an der Seite des Arztes auf der Hut sein! Schwerer Belastung aber unterliegt der Jugendliche, der mit einer nicht ausgeheilten Sprachstörung ins Leben tritt. Eine unserer Pflichten ist darum die: die Sprache der Kinder nicht nur nach der grammatischen und stilistischen Seite hin. sondern auch nach der physiologischen Seite hin, nach artikulatorischen und phonetischen Gesichtspunkten hin sorgfältig zu überwachen, um sich anbahnende Sprachstörungen frühzeitig zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen (Sprachheilkurse) ihre Verschlimmerung zu verhüten und eine im frühen Stadium fast immer aussichtsreiche Heilbehandlung einzuleiten. Welches sind nun die häufigsten Sprachstörungen? Was sollte jeder Lehrer von ihren Ursachen, ihrem Wesen und der Art ihre Therapie wissen? Wie und womit vermag die Schule die Heilbehandlung zu unterstützen? Auf diese Fragen sollen einige knappe Antworten gegeben werden. Wen das Gebiet (auch insbesondere hinsichtlich seiner Auswanderung und evtl. Tätigkeit in einem weniger reich gegliederten und durch Sonderschulen ausgestatteten Schulwesen) näher interessiert, der sei auf die Fachliteratur verwiesen. Die einschlägigen Werke, Abhandlungen und weitere Hinweise findet er etwa unter den Namen: Gutzmann (Vater und Sohn), Liebmann, Fröscheis, Höpfner, Drach. Völlig außerhalb einer Behandlung durch die Schule stehen motorische und sensorische Aphasien, Sprachstörungen im zentralen Nervensystem, wie sie häufig nach Schlaganfällen auftreten. Taubblinde können in aufopfernder Weise mit Hilfe «.von Fingeralphabet Gebärde und Blindenschrift geistig gefördert werden. Helen Keller, die im 2. Lebensjahr Gehörs- und Gesichtssinn einbüßte, hat in der „Geschichte meines Lebens" erschütternde Einblicke in das Leben der Dreisinnigen gewährt. Die Taubstummen, seit 1911 dem Schulzwang vom 7. Lebensjahre ab unterstellt, werden meist in Anstalten mit Heimbetrieb oder Tagesinternat betreut. Hier finden auch die sogenannten Hlölrstummen ihre Förderung. Der Unterricht in diesen Anstalten hat seine eigene Gesetzlichkeit. Viel Wertvolles an theoretischer Erkenntnis und praktischer Erfahrung hat das Sonderschulwesen dem Taubstummenunterricht zu danken. Die Schwerhör igen schulen (um die Jahrhundertwende ist die erste von einem Taubstummenlehrer in Jena gegründet worden) erfassen in den Großstädten die Mehrzahl der Gehörgeschädigten, die in Normalschulen wegen ihres Leidens nicht hätten Schritt halten können. Dennoch verbleibt den Normalschulen nach neueren Statistiken eine Anzahl (1—2 v. H. der Schülerzahl) von Schwerhörigen, auf die der Lehrer weitestgehende Rücksicht nehmen sollte. Wir wissen aus eigener Erfahrung, daß wir einen Redner besser verstehen, wenn wir ihn sehen. Für den Schwerhörigen ist es ein Bedürfnis, oft sogar eine Notwendigkeit, das zu unklare akustische Bild des Wortes durch das optische (visuelle) zu ergänzen. Der Lehrer sollte dem schwerhörigen Schüler einen Platz anweisen, der ihm dies mit Leichtigkeit gestattet. Er sollte stets so sprechen, daß sein Mund beleuchtet ist. Ein zu langsames Artikulieren, ein Zerhacken der Worte oder Sinnganzen und auch zu große Sprechbewegungen irritieren jedoch beim Ablesen und sind darum zu vermeiden. Der schwerhörige Schüler muß sich freizügig bewegen können, um auch bei seinen Klassenkameraden vom Munde ablesen zu

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