Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 10 (1.10.1938)
- Date
- 1938-10-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 ser Richtung hin den Kollegen weit draußen in den kleineren Gemeinden an die Hand zu gehen, so wäre ein nicht unwichtig Stück förderlicher Hilfe geleistet., Versuchen wir, hier einige Anregungen zu geben zu einer Besserung der Verhältnisse. Sie zielen hin sowohl auf die Lehrer selber, die eine Notlage verspüren, als auch auf die Instanzen, denen die Aufgabe obliegt, das jüdische Schulwesen zu betreuen. Es handelt sich im Wesentlichen um die Frage, wie der Lehrer im Sachlichen und im Technischen seines Berufes auf der Höhe gehalten werden könne. Mit einem ganz bestimmten Quantum von Wissen aus der Welt der einzelnen Gebiete und insbesondere aus den pädagogischen Fächern — das Wort pädagogisch hier im umfassendsten Sinne genommen — tritt der Lehrer in sein Amt ein. Er verfügt über eine mehr oder weniger umfangreiche Fachliteratur und über Aufzeichnungen von weiteren Werken. Er soll auch verfügen über die Fähigkeit, sich die notwendigen Bücher auszuwählen. Was ihm im allgemeinen fehlt, das ist ein weitgreifender Ueberblick über das Gesamt an wissenschaftlichen Materialien, aber auch über die laufenden Neuerscheinungen. Der älteren Lehrergeneratiön stand eine Unzahl pädagogischer Zeitschriften zur Verfügung, und jeder konnte nach Lust und Neigung eine Auswahl treffen. Heute mag es scheinen, als sei das nicht mehr möglich, weil das pädagogische Schaffen der Umwelt aus anderer Grundlegung heraus erfolgt als das der jüdischen Gemeinschaft. Bedenken wir aber, daß es unendlich viele Aufgaben gibt, die in gleicher Weise von allen möglichen Konstellationen her angepackt werden müssen, daß in der pädagogischen Provinz das Gesetz der Variierungsmöglichkeiten gilt, so wird man sich nicht auf den Standpunkt zurückziehen dürfen, es gäbe keine auch für uns jüdische Lehrer in Betracht kommende allgemeine pädagogische Literatur mehr. Man wird im Gegenteil sich von den allbekannten pädagogischen Verlagen Probenummern der Zeitschriften schicken lassen und sich für die eine oder die andere entscheiden. Man wird in den Buchhandlungen sich die in den Zeitschriften angezeigten Werke zur Ansicht vorlegen lassen, und es kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß manch sehr wohl geeignetes Buch gefunden werden wird. Soweit es sich um die für jüdische Schulen geltende P u h 1 i z i s t i k handelt, darf auf diese B1 ä t*t e r hingewiesen werden, die es sich seit Jahr und Tag angelegen sein lassen, nicht nur selber das pädagogische Gedankengut zu verfolgen und zu mehren, jsondern auch die Leser durch sachliche Kritik mit Neuerscheinungen auf dem Gebiet der jüdischen Schule bekanntzumachen. Es darf ferner auf die Rundbriefe der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung hingewiesen werden, die außerordentlich wertvolle Materialien für den jüdischen Unterricht enthalten, und von denen man nur bedauern mag, daß sie so sporadisch erscheinen. Bei dieser Gelegenheit darf wohl auch einmal zu überprüfen empfohlen werden, ob nicht durch ein noch engeres Zusammengehen zwischen Lehrerverband und Mittelstelle auch im Publizistischen dieser Uebelstand behoben werden könnte. Mit besonderm Nachdruck sei die Lehrerschaft aufmerksam gemacht auf das zu einem respektabeln Umfang angewachsene pädagogische Werk der Schulabteilung der Reichs Vertretung, das allmählich den ganzen weiten Bereich einer jüdisch gerichteten Materialiensammlung umfaßt. Wie man sieht, ergeben sich gerade von Seiten des Schrifttums her, dessen Reichweite ja unabhängig von Lage und Größe einer Gemeinde ist, wertvollste Impulse zur Förderung der jüdischen Lehrerschaft*). Und wir möchten hier empfehlen, e i h - mal das gesamte in Frage kommende Material *) Soeben 'st ein Werk erschienen, das für die Gesamtlehrerschaft von großer Bedeutung sein wird, und dessen Anschaffung jedem Kollegen ans Herz gelegt sei. Es ist die .Didaktik der jüdischen Schule* von Dr. Heinemann-Stern (Vortrupp — Jüdischer Buchverlag — Berlin, SW. 29). Das Buch wird in der Novemberausgabe ds. Bl. eingehend gewürdigt werden. Die Red. . Nummer 10 übersichtlich geordnet und durch ein paar sachlichen Anmerkungen gekennzeichnet, zusammenzustellen und in Form eines Katalogs der Lehrerschaft zugänglich zu mache n. - - So wertvoll indes auch die Bekanntschaft mit der Fachliteratur ist, so wenig genügt sie den Bedürfnissen, um die es hier geht. Der Lehrer, und. namentlich der junge, bedarf der Förderung durch das lebendige Wort und durch das faktische Beispiel. Das war der Sinn der Konferenzen, Arbeitsgemeinschaften und Lehrerversammlungen, das auch der Sinn der „Schulinspektion", daß hier Belehrung und Lenkung unmittelbar von Mensch zu Mensch erfolgte in einer Eindringlichkeit, wie sie eben nur durch die vox humana hindurch erzielt werden konnte. Heute untersteht zwar noch jeder Lehrer der Aufsicht der behördlich eingesetzten Inspekr toren. So wertvoll ihr Wirken auch sein mag, so fehlt doch auf einem fest umrissenen Gebiet der Schularbeit die: Ansatzmöglichkeit einer kritischen Beeinflussung des Lehrenden: nämlich im Bezirk des vom Jüdischen her auszurichtenden Unterrichtstoffes. Hier könnte nur Hilfe erwachsen durch die Zuordnung eines jüdischen Schulmeisters, der sowohl im Sachlichen als auch im Methodischen ein Meister sein müßte. Dieser Gedanke ist keineswegs neu. Schon vor Jahrzehnten ist er in Kreisen der jüdischen Lehrerschaft und auch innerhalb zentraler jüdischer Verbände aus-' gesprochen und erwogen worden. Den altern Kollegen sind die Termini „Bezirke", „Schulpflegschaften", „kollegiale Schulbesuche" u. a. m. noch sehr wohl vertraut, und auch die Kämpfe, die damals die jüdische Lehrerschaft ausfocht, sind aus ihrer Erinnerung nicht geschwunden. Heute hat dies alles ein völlig anderes Gesicht, und auch ein ungleich stärkeres Gewicht. Und es sollte nicht allzuschwierig sein, das Fruchtbare des Gedankens in irgendeiner Form zu verwirklichen. Es sollte schon deshalb nicht schwierig sein, weil die Judenheit in Deutschland heute straff organisiert ist, und noch — wir sagen mit'vollem Bedacht noch — über eine hinreichend große Zahl tüchtiger Schulmänner verfügt, die mit der Aufgabe betraut werden könnten, das private jüdische Schulwerk in seinem jüdischen Abschnitt'zu betreuen. Es müßte möglich sein, von einer Zentralstelle her das ganze Gebiet in Bezirke sinnvoll aufzuteilen, innerhalb derer jeweils ein „Schulrat" zu bestallen wäre. Ihm läge es ob, in bestimmten Abständen die einzelnen Schulen zu besuchen, nicht nur, um sich -einen Einbüick in die Arbeit des Lehrers zu verschaffen, sondern auch um ihm mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Es wäre aber auch seine Aufgabe, die Lehrenden seines Bezirks zu regelmäßig aufeinanderfolgenden Zeitpunkten zu Arbeitskonferenzen zusammen zu berufen, auf denen wissenschaftliche und methodische Themen gründlich zu behandeln wären, aber auch mit ad hoc zusammenzustellenden Schulklassen die ..Unterrichtsfertigkeit zu erproben und zu fördern wäre. In diesem Zusammenhang sei auf die zahlreichen Lehrgänge, I/erntagungen und Fortbildungskurse hingewiesen, die in den letzten Jahren von unserm Lehrerverband und seinen Gliederungen, sowie in Verbindung mit ihnen von der Reichsvertretung und ihrer Mittelstelle und von den Landesverbänden durchgeführt worden sind.. Der Anklang, den diese Tagung bei den Teilnehmern gefunden, der Reichtum an Eindrücken, den sie hinterlassen ha'ben, sollte die maßgeblichen Instanzen dazu ermuntern, sich zusammenzusetzen und Beschlüsse zu einem weiteren Ausbau dieser Einrichtungen zu fassen. So ließe sich ein vollwertiger Ersatz schaffen für aU die Fortbildungsmöglichkeiten einer vergangenen Zeit, untereren Einwirkung die ältern Lehrer gewachsen sind. Ein bemerkenswerter Vorschlag, ist jüngst von einem ausgezeichneten Schulmann gemacht worden, der hier angeführt sei, auch wenn die Schwierigkeiten mahnend an der Seite stehen. Darnach sollte zuweilen auf eine tragbare Zeitspanne hin ein Stellenaus J ü d i s che Schulz ei tu hg