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Jüdische Schulzeitung · 1938-10-01 · 10 (1.10.1938) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
10 (1.10.1938)
Date
1938-10-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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14. lahrgang Verlagsort: Mannheim 2 Nummer 10 Jüdische Schulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Untern Organ des Reichs Verbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaiserstraße 19) Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats. Postbezugspreis: 0.75 pro Quartal. Mannheim, den i. Oktpber 1938 Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Redakteur: Dr. Siegfried Braun Köln- Sülz, Unkelerstraße 17 Der Lehrer in der Enge S. B. Jüngst schilderte ein jüdischer Junglehrer aus einer kleinen Gemeinde auf einer Lerntagung die Nöte, gegen die er in seiner Schularbeit tagtäglich anzukämpfen habe. Seine Darlegungen, denen man anmerkte, daß-sie aus ehrlicher Sorge herrührten und in aller Offenheit erfolgten, hinterließen einen tiefen Eindruck auf den Kreis von Menschen, der sich da zur Fortbildungsarbeit zusammengefunden hatte, und die folgende Aussprache in ihrer Lebhaftigkeit ließ klar erkennen, wie . stark auch anderwärts die Notlage empfunden wird, in der sich der jüdische Lehrer, sofern er in sachlicher und räumlicher Isoliertheit zu wirken hat, befindet. Wohlgemerkt, es handelt sich da nicht um Klagen über materielle Bedrängnis, sondern um solche 'über den Mangel an Möglichkeiten einer stetigen pädagogischen Weiterbildung im Bereiche der Schulpraxis und der Theorie. Geht man der Sachlage auf den Grund, so ergibt sich das Folgende: Der jüdische. Lehrer, nicht nur der sogenannte Junglehrer, sondern auch der ältere, ist, soweit es sich um Schulen außerhalb der größeren Gemeinden handelt, in eine Enge hineingestellt, in der das geistige und pädagogische Leben rasch dem Ersterben nahe kommt. Wo in früheren Zeiten vielfältige Beziehungen zur Umwelt bestanden, die es dem jüdischen Lehrer ermöglichten, auf dem Laufenden zu bleiben, da herrscht heute die Starrheit des Aufsichalleingestelltseins, und nur wenigen mag es gegeben sein, aus eigener Initiative und Kraft für das Fehlende Ersatz zu schaffen. Ein reger regelmäßig erfolgender Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit andern Kollegen ist aus vielerlei Gründen erschwert, wenn nicht ganz unterbunden; pädagogische und wissenschaftliche Literatur — ob sie gleich vorhanden ist — gelangt nicht in den Gesichtskreis der Lehrer; die Anliegen der notreichen Tage/beschäftigen in weitem Ausmaß ihr Denken und Tun. So tritt der vielgeplagte Lehrer mit geminderter Kraft in die Schulstube, einer Schülerschaft gegenüber, die mit ganz besonders schwer zu erfüllenden Ansprüchen seiner Führung anheimgegeben ist. Schon in ihrer Zusammensetzung unterscheidet sie sieh stark von den Klassen früherer Zeiten. Es fehlt weithin die Ortsgebundenheit, die sonst wohl eine Homogenität verbürgte, die eine der Voraussetzungen zum Erfolg bildete. Die Bezirkss.c h 11 -1 e ist an die Stelle, der in sich geschlossenen Gemeinde-; schule hingerückt.-In ihr sitzen heute zusammen alle jüdischen Knaben und Mädchen, also auch die, die sonst wohl zur höheren Schule überzugehen pflegten. Wenn hier auch nicht immer die Begabung als. Auswahlprinzip vorherrschte, so ergab sich dennoch eine Differenzierung des Schülermaterials, . die eine gewisse "Homogenität auch im Geistigen der Volksschüler herstellte. .Indem der Lehrer seine Ansprüche einer bestimmten Höhenlage der Begabung seiner Schüler anpassen konnte, war seiner Arbeit die Stetigkeit gewahrt. Heute .-siehtver sich vor eine .Schulgemeinschaft hingestellt, in der Hochbegabte, Begabte- und Minderbegabtezusammensitzen, dazu häufig noch in Form der einklassigen Schule, und nun ist es doppelt schwierig, das rechte Mittelmaß dessen zu finden, was den Kindern zuträglich ist. (Wobei hier abgesehen sei von den Fällen, da auch hilfsschulreife Schüler zu erziehen und zu unterrichten sind.) Infolge der völligen Verarmung vieler Eltern und Gemeinden läßt sich heute das unentbehrlichste »Handwerkszeug nicht mehr beschaffen, dessen jedes Kind bedarf, um die von ihm zu fordernde Leistung zu vollbringen: es fehlen Lehrmittel aller Art, Bücher, Hefte, Zeichensachen und all die kleinen Dinge, die sonst leicht zu kaufen gewesen sind, und deren Besorgung, auch wenn es sich nur um Pfennigsware handeln mag — den Eltern schwer fällt. Es fehlen weiterhin Möglichkeiten, die Schularbeit zu unterbauen und zu ergänzen durch die Gemeinschaftserleb'. nisse außerhalb der Schulstube, soweit der nichtjüdische Raum in Frage kommt. Hätte ein gütiges Geschick nicht unsern Kindern ein unbeschwertes Herz und einen aufgeschlossenen Sinn belassen, so wäre nicht abzusehen, wie der Lehrer seine Aufgabe solle bewältigen können. Sie sind in der Tat die Lichtquellen, von denen her das Dunkel der Schulstube erheilt wird, und wenn es etwas geben mag, was den Lehrer innerlich stark machen kann und zuversichtlich trotz aller Mißhelligkeiteh, so ist es der ungebrochene, unverwüstliche Lebenstrieb der jungen Menschen. Mag immer der Kampf mit den Miseren der Zeit an der Kraft des Lehrers zehren: wenn er in die Klasse eingetreten ist und die Schulstube hinter sich geschlossen hat, muß ihm die Welt da draußen versinken und im hingegebenen Zwiegespräch mit seinen Kindern eine andere erstehen, aus der ihm und seinen Schutzbefohlenen neue Kraft zuströmt. Da wird sich's fügen, daß manche Schwierigkeit wie von selber weicht und manches Hindernis überwunden wird. Wer so ganz aufzugehen vermag in der Arbeit mit der Jugend und an ihr, dem öffnen sich bald die Wege zum Erfolg, und der wird aller Hemmnisse Herr, der geistigen und der technischen, so daß der Grund zum Pessimismus rasch dahinschwindet. * Freilich , enthebt eine Aufmunterung zur- Zuversicht keineswegs von der Verpflichtung, darüber nachzudenken, in welcher Weise den Lehrern geholfen werden könne, die auf einsamem Posten stehen. Es ist nun nicht so, als s@j der Lehrer in den Zentren jüdischen Lebens völlig verschont~von Mißhelligkeiten in seiner Arbeit; denn auch in der großen Gemeinde gibt es deren in nicht geringem Maße. Ja, bei Licht besehen, sind sie von der gleichen Beschaffenheit wie die auf dem Lande, und in einem bestimmten Bereiche noch um eine Nuance ausgeprägter. Worüber aber der Lehrer in der großen Stadt nicht zu klagen hat, das ist einmal die Möglichkeit zu ständigem regem Gedankenaustausch mit seinen Berufsgenossen, und dann die Möglichkeit im allgemein Geistigen und im besondern Pädagogischen auf der . Höhe zu bleiben. Gel länge es auch nur in einem bescheidenen Umfang, nach die-

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