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Jüdische Schulzeitung · 1938-09-01 · 9 (1.9.1938) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
9 (1.9.1938)
Date
1938-09-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Wiedersehen mit Schülern Von .Studienrat;a. D. Dr. Willy Cohn-Breslau ' Wenn ein alter Lehrer nach Erez Israel fährt, da bewegt ihn neben manchem anderen auch die Frage, was aus den , vielen Schülern geworden ist,, die diesen Weg gegangen sind. Und mancherlei Bilder steigen aus der Vergangenheit wieder auf von all-den jungen Menschen, die einstmals zu. seinen Füßen 'gesessen, und die sich über ihre Zukunft die verschiedensten Gedanken gemacht haben. Eines ist einmal sicher: es ist für sie alle wohil alles gänzlich anders.gekommen, als wie sie es sich erträumten. Aber haben sie sich, auch unter -gänzlich veränderten Verhärtnissen bewährt? Einschränkend ist zu sagen, es ist nicht für alle anders gekommen, denn ich habe viele Schüler gehabt, denen das zionistische, das chaluzische Idleal auch in den Zeiten etwas Selbstverständliches gewesen ist, wo andere sich mit dem-Gedanken trugen, die Zahl der jüdischen Akademiker noch zu vermehren. Um alle diese kreisen meine Gedanken, während das Schiff allmählich •im Hafen von Haifa festmacht. Der erste, der mir das „baruch haba" des Landes entgegenbringt, ist einer von ihnen. Ich sehe es als eine besondere Schickung an, daß gerade dieser im Augenblick Dienst hat als Lastträger im Hafen, und gerade seine Orangenkiste auf ein abgehendes Schiff getragen hat. Es ist keine Möglichkeit, mit ihm viel zu sprechen; es ist auch garnicht nötig; aber man sieht es, er ist zufrieden mit seinem Schicksal, er hat das gefunden, was er sich träumte: Dienst am Lande, kibusch awodia. Ein anderes Bild: Eine Autolinie, eine der wichtigsten geht in kürzesten Abständen vom Hafen von Haifa nach Hadar Hakarmel. Es ist bekannt, daß die Autolinien in Erez Israel genossenschaftlich organisiert sind und daß die Fahrer und Kontrolleure Anteilseigner darstellen. Die" eine Linie wird zu einem nicht unerheblichen Teile von Schülern der Anstalt betrieben, an der ich jahrelang wirkte. Drollige Situationen ergaben sich. Der Kontrolleur besteigt mit wichtiger Amtsmiene, wie sich das so gehört, den Wagen. Als er sich meinen Fahrschein ausreichend betrachtet hatte, sagte ich ihm so ganz unvermittelt: schauen Sie auch einmal in die Höhe, das ist Ihr alter Lehrer. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie ihn das packte. Nachher konnte ich ihn noch ein paar Straßen weit begleiten, bis ihn seine Amtspflicht zwang, wieder einen anderen Wagen mit seinem Besuche zu beglücken. Da erzählte er mir einiges von seinem Leibien. Natürlich war er schon eine ganze Zeit verheiratet und durchaus zufrieden mit seinem Schicksal. Gewiß, früher hatte er wohl sich das alles nicht so gedacht; aber in der frischen Art, die ihm eigen war, merkte man ihm auch jetzt an, daß das, was er sagte, auch durchaus stimmte. Er war übrigens seiner Zeit ein berühmter, beinahe möchte man sagen berüchtigter, Imitator seiner Lehrer gewesen, und er war bereit, sein Programm, das sich inzwischen noch um einige Nummern erweitert hatte, sofort zu wiederholen. Immerhin glaubte ich, darauf verzichten zu sollen. Ich stehe in Haifa in einem der größten Hotels am Strande, um mich nach Bekannten zu erkundigen, die mit mir gemeinsam die Ueberfahrt gemacht hatten. Und als mir der Hotelportier die notwendige Auskunft erteilt hatte, da entpuppte auch er sich als ehemaliger Schüler. Ihn hätte ich nicht erkannt, da lange Jahre vergangen waren, seitdem er zu meinen Füßen gesessen hat. Auch er war froh und glücklich mit der Gestaltung seiner Zukunft. Und zu all diesen Fällen möchte ich bemerken, daß diese jungen Leute trotz oft' schwerer körperlicher Arbeit niemals •die Beziehung zu Geistigem verloren haben, und daß sie mir alle erzählten, wie sie nach Kräften, abgesehen von der selbstverständlichen Heblraisierung, um ihre Fortbildung rangen. ..Es war nicht so, daß die Entscheidung zu körperlicher Arbeit ein Abschied vom Geiste-bedeutete. Am interessantesten war in dieser Hinsicht eine Unterhaltung, die ich in dem Büro eines ehemaligen Schülers hatte und in der er mich in vielen Dingen,die ihn bewegten, um Rat fragte, ganz so, als wäre zwischen der Zeit, wo er noch die Oberstufe des Gymnasiums besuchen durfte, und der Gegenwart überhaupt nichts geschehen. Für einen Lehrer sind solche Augenblicke Augenblicke der höchsten Beglückung, in denen er sich sagen darr, daß der Weg, auf dem er die Menschen zu leiten versuchte, sich für sie bewährt hat. Manchmal mögen jene jungen Menschen darunter leiden, daß sie frühzeitig in den Kampf ums Dasein gestellt, der Führung älterer Menschen entbehren. Manche und nicht die schlechtesten gehören ja auch zu denen, die siqh verhältnismäßig spät entwickeln und die in einem Alter erst das innere Verhältnis zu geistigen Dingen bekommen, wo sie schon niemanden mehr haben, mit dem sie sich beraten können. Und sie sagen einem dann in solcher Situation, daß es ihnen heute vielleicht leid tut, die Jahre des Lernens nicht so ausgenutzt zu haben, wie das möglich gewesen wäre. Aber bleiben wir bei den Schülern in Erez Israel. Frisch und vergnügt trat da einmal auf einem Tijul einer von meinen früheren Schülern in das Chadar-Ochel und freute sich, mich dort zu sehen. Ich hätte ihn sicherlich nicht erkannt, denn aus einem etwas schlacksigen noch wenig entwickelten jungen Burschen war ein richtiger Mann geworden, ein Bauerntyp, wie man ihn sich nur wünschen kann. Im Geiste dachte ich in diesem AugenWick, ob diesem jungen Menschen nicht viel wohler ist, nun, wo er die Erde von Erez Israel bearbeiten kann, als wenn er in einem kaufmännischen Büro Briefe ablegte oder ähnliches machte. Einen anderen beobachtete ich, wie er in einem sehr großen Kibbuz unter eigner tätiger Anteilnahme alle Anordnungen gab für die Einbringung der Heuernte. Es war ein Tag, wo die Gefahr bestand, daß der Malkosch. der Spätregen, in einem unangenehmen Augenblick niedergehen würde, und darum hieß es, mit*letzter Energie aus sich selbst und den Arbeitskameraden das letzte herausholen, was herauszuholen war. Es war eine Freude, ihn zu beobachten und die Entschlußkraft zu sehen, mit der er vorging. Auch er hatte in jungen Jahren schon geheiratet, und wie er selbst, so verstand auch seine Frau die Heugabel zu handhaben. Er gehörte zu denen, die aus innerster Entschlußkraft, auch wenn die Dinge anders gekommen wären, den Weg nach Erez Israel gefunden hätte. In der gleichen Siedlung arbeitet in der Landwirtschaft ein früherer Schüler, der kurz vor dem Abschluß seines medizinischen Studiums stand und dann auch Landarbeiter geworden ist. Auch er durchaus mit seinem Schicksal ausgesöhnt, ruhig und sicher auf diesem herrlichen Boden des südlichen Palästinas. Die Schüler, die ich sprach, sie alle habe ich, wenn man es so ausdrücken darf —« eigentlich schreibe ich das nicht gern — zufällig getroffen. Ich weiß, daß noch unzählige andere überall im Lande verstreut arbeiten. Der eine als Autoschlosser, einige wenige vielleicht auch in der Linie früherer Planung eines akademischen Berufes. Nicht immer haben sich die am besten bewährt, die auf der Schulbank die sogenannten erfreulichen Schüler gewesen sind; denn im Klassenunterricht einer großen Anstalt sah man wohl zwangsläufig den als den erfreulichsten an, dessen Leistungen abgerundet waren und der nach keiner Richtung hin Schwierigkeiten machte. Die Bewährung dies Lebens hat mitunter andere in die erste Linie gestellt. Hebräische Konferenz An dieser von der Schulabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland am 15. und 16. dies. Mon. in Berlin veranstalteten Tagung nahmen 100 bis 120 Hebräisch Lehrendeaus Berlin und dem ganzen Reiche teil. Geleitet wurde sie von Rabbiner Dr. Grünewald -Berlin. In seinem kurz gehaltenen einleitenden Referate über „Die Stellung des Hebräischen in der jüdischen Schule" wies Dr. Grüne wald auf die Unterschiede zwischen der Schule der Moschawa, die gewissermaßen das „Land" in ihren Unterricht hineintrage, und dem Betriebe bei uns hin, der sich mit ungleichem Erfolge bemühe, dem Unterricht jüdischen Charakter zu geben. Auch eine an sich wünschenswerte Vermehrung

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