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Jüdische Schulzeitung · 1938-09-01 · 9 (1.9.1938) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
9 (1.9.1938)
Date
1938-09-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jüdische Schulzeitun g Nummer 9 Dabei ist besonders schmerzlich, daß in letzter Zeit auch gewisse jüdische Kreise glauben, daß Terror mit Terror beant« wortet werden müsse, eine im tiefsten Sinne unjüdische Antwort Als Ermutigung gegenüber all dem Schweren empfand Dr. Hirsch die Fortführung der Konferenz von Evian durch einen Ausschuß der beteiligten Regierungen und die Schaffung eines ständigen Büros. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß hier ein Organ geschaffen wird für unmittelbare praktische Arbeit. Die Tagung klang aus in folgender, einstimmig angenommenen Entschließung: In dankbarer Würdigung der Tatsache, daß die Einigung der Kräfte des Judentums in Deutschland wie die Zusammenfassung seiner Mittel nun weiter zum Ziele hingeführt worden ist, sind Präsidialausschuß und Rat über folgende Grundlage und Richtung der gemeinsamen Arbeit einig: Die für die Juden in Deutschland und ihre Gemeinden beschlossene neue Satzung hat die Autorität der Reicnsvertretung und die darin gegebene einheitliche Führung von neuem bestätigt. Die ernstesten Aufgaben liegen vor uns. In einer Lage, die seit Jahren auch in der an Prüfungen reichen Geschichte unseres Volkes kaum ihresgleichen hat, haben wir uns, nicht ohne Erfolg darum bemüht, das drohende Gespenst des Chaos zu bannen. Allem, was auf uns eindrang, haben wir unser Gottvertrauen und unsere Selbstachtung entgegengesetzt. Die Aushöhlung unserer Existenz haben wir mit der planmäßigen Erziehung und Schulung, mit der Vorbereitung zur Wanderung nach einer Stätte aufbauender Arbeit beantwortet. Wir haben eine innere Ordnung aufgerichtet und neue Formen der seelischen und materiellen Selbsthilfe erschlossen. Der Reichsverband wird alles daran zu setzen haben, diesen Weg fortzuführen und weitere Möglichkeiten zu finden. -Aber es kann auch kein Zweifel darüber bestehen, daß dieser anhaltenden außerordentlichen Anspannung aller Kräfte ihre Grenzen gesetzt sind. Immer enger ist der Bereich unseres Daseins geworden. Die Ausschaltung aus Beruf und Wirtschaft gibt den größten Teil der Juden in Deutschland einer dauernden Arbeitslosigkeit preis. Unsere Kräfte drohen zu versagen. Wir dürfen darum nach dem Beistand ausschauen. Wir vergessen keinen Augenblick, daß eine um Frieden und Sicherheit bangende Welt nicht ihre ganze und stete Aufmerksamkeit uns. zuwenden kann. Wir vergessen nicht, daß auch in anderen Ländern unsere Brüder ihre schwere Sorge und ihre Not kennen. Aber wir dürfen für uns doch das, was uns gewährt zu werden vermag, erwarten: die Oeffnung von Grenzen für Reihen von Menschen in geregelter Einwanderung, einen baldigen Plan der Erstellung von vorübergehenden Notsiedlungen für arbeitskräftige Gruppen. In uns lebt die Sehnsucht nach einem opferbereiten Leben in der freien Luft der Welt. In uns ist der Wille, unser Dasein mit Werken eines friedlichen Aufbaus zu verbinden. Mögen diese Worte in vorgerückter Stunde weithin gehört werden! Die „Unsterblichkeit" in den Psalmen 16, 49, 73 von Dr. Meier Spanier Der Unsterblichkeitsgedanke, wie er im späteren Judentum (etwa des 2. vorchristlichen Jahrhunderts) vorherrschend war, wird mit solcher Klarheit und Deutlichkeit wie in der Danielstelle 12, 2: „Und viele von denen, die schlafen im Erdenstaube, werden erwachen, diese zum ewigen Leben .und jene zur Schande, zu ewigem Abscheu." (Zunz) in den Psalmen nicht geäußert. Ich halbe in meinem Psalmenbuche die Anschauung vertreten, daß jeder einzelne Psalm als individuelle Aeußerung seines Dichters nach Entstehungszeit und -anlaß erfaßt werden müsse. Im folgenden werde ich im Hinblick auf unser Thema .Psalm'16,'49.-und 73 betrachten, aber nur verwerten, was sich aus dem massoretischen Text ergibt. Um nicht (vielleicht unwillkürlich) meine persönliche Auffassung mitsprechen zu lassen, gebe ich nicht meine Uebersetzung, sondern zitiere nur Uebersetzungen, die den massoretischen Text zugrunde legen.*) Psalm 4 9. - Zunz äußert in seiner Kritik der Sachsseihen Psalmen, **) „daß der Autor sicher später selbst manches als gezwungen und unerwiesen aufgeben werde", z. B. seine Behauptung, daß im 49. Psalm die Unsterblichkeit „ d e u 11 i c h u n d offenkundig" ausgesprochen werde. Was erregt den Dichter des 49. Psalms? Das Bild des Reichen, der auf seinen Besitz pocht.^stellt , sich ihm dar. Nur er gilt in der Gemeinde, auf ihn hört man. Er mehrt prahlend seine Güter. Mag er sich gütlich tun und sich glücklich preisen, solang er lebt. Aber mit all seinem Geld1 kann er sich und seinesgleichen nicht vom Tode, von Scheol, der Unterwelt, loskaufen. Es kommt der Tag, da er all seine Güter andern überlassen muß, „seine Gewichtigkeit (käbod) sinkt ihm nicht nach." (B.) „Den Schafen gleich wandern sie in die Gruft, der Tod weidet sie." (Z.) „Seine Seele kommt zu dem Geschlecht seiner Väter, die nimmer das Licht werden schauen." (Z.) Welches ist nun die wichtige Lehre, die der Sänger mit solcher Eindringlichkeit allen Menschen künden will als eine Wahrheit, die ihm offenbart ist? Es ist der Kernsatz dieser Dichtung V. 16: Ach elohim jifde nafschi mijjad scheol ki jikkacheni, sela. Der Psalmist wird in seinem Vertrauen nicht getäuscht, ihn nimmt Gott zu sich. Das Wort lakach, das hier gebraucht wird, gilt den Erklärern als Bezeichnung des Entrücktwerdens zu Gott. (Gen. 5,24. II. Kön. 2,3 ff. auch Psalm 73,24.) Mit dem Tode, dem alle Kreatur verfällt, scheiden sich die Geister. Scheol ist die dauernde Herberge der stolzen Reichen, der Gottfernen. Die Gottvertrauenden hingegen werden von Tod und Scheol nicht festgehalten, sie sind-und bleiben bei Gott. Der Psalmist spricht nicht von dem Reichtum überhaupt, er beschuldigt hier auch nicht die Reichen, daß sie die Armen bedrücken. Sie nehmen sich nur auf Grund ihres Besitzes in der Gemeinde wichtiger, als sie sind. Es ist von Scheol nur ausgesagt, daß er der lichtlose Ort ist; von dem Glück des Jenseits wird nicht genauer gesprochen. Der Gedanke vom Ausgleich im ewigen Leben wird nicht geäußert. Ich habe hier nur die völlig gesichert erscheinenden. Stellen verwertet. Ich will aber nicht verschweigen, daß bedeutende Erklärer (unter ihnen Raschi und Kimchi) den V 15 eschatologisch verstehen wollen. Die Redlichen (j'scharim) ***) herrschen über die andern am Tage des Gerichts, der Auferstehung, des anbrechenden Heils. Die Unsicherheit des Bodens, auf dem diese Auffassung erwächst, erweise die Verschiedenheit der Uebersetzungen: Sachs : Wie Schaf in die Grube hat man sie gelegt, Der Tod weidet sie, Und niedertreten sie jiie Frommen jeden Morgen, Und ihr Gebild kommt, zu verwesen in der Gruft Fern von seiner Wohnung. — *) B. Buber, S. Sachs, T. Torcziner, Z. =.Zunz. **) Die Psalmen, übersetzt und erläutert von- Michael Sachs. 1835. - . ***) Wenn dieses Wort hier als Bezeichnung der gläubigen Frommen gelten darf, so wird jene bekannte Konjektur, (Grätz u. a.) Psalm 73,1: Ach tow lajaschar el, elohim l'ware lewaw noch mehr gestützt.

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