Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 8 (1.8.1938)
- Date
- 1938-08-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite-6 man *lpK als Leitwort feststellen, das aufgesammelte, das auch der Stamm des Wortes losoxn ist. Das Volk weinte nach seinen Sippen und Mose hörte es. Aber auch der Zorn Gottes entbrannte, und in Moses Augen war das böse, was Gott androhte. In Vers 11 nun wechselt Mose die Klage. Er klagt nicht das Volk an, er klagt nicht weiter gegen Gottes Zorn: Mose klagt sich an. Er fragt, warum habe er nicht Gunst gefunden in den Augen Gottes, das heißt, warum sei Gott nicht bereit, mit Mose das Volk zu führen. Mose will unbedingt erreichen, daß Gott das Volk führt. Lieber will er sterben, als auf diesen Wunsch verzichten. In diesen Sätzen ist besonders Gewicht zu legen auf den Ausdruck: 'rwXB DK spa*?? ]n Aus dem Vergleich mit anderen Stellen geht liervor, daß dies nur bedeuten kann, wenn Gott mit Mose das Volk führen will. Moses Wunsch wird nicht ganz erfüllt. Menschen werden ihm zugesellt; 70 von den Aeltesten zwar aber auch püfr" die schon in der Opposition zu Mose gestanden haben. (Vgl. 2. B. Mose, Kap. 5, 19.) Mit Vers 17 des 11. Kapitels geht die Bibel-Arbeitsgemeinschaft ihrem Ende zu. Wunderbar wie in den zwei Wortpaaren die Großartigkeit der Prophetie im Jüdischen gezeigt wird. "'TOp" Gott ist es, der aus seiner Sphäre heraus sich nach unten zum Menschen wendet, '''JV^nV' Gott redet Mose an, Gott nimmt die Richtung zum Propheten. "»rfrSKT Gott nimmt von dem Geist, den er Mose gegeben, "•wafrl" Gott legt von dem Geist den Aeltesten auf; die.Prophetie bleibt im Objektiven. Im Kapitel 11 sind nn und Ifta einander gegenübergestellt: Geist und Fleisch; bewegen diese Begriffe die Menschheit nicht bis auf den heutigen Tag! Für die jüdische Lehrerschaft aus Frankfurt a. M. und den umliegenden jüdischen Gemeinden bedeutete die Tagung ein großes Erlebnis und eine weitere Intensivierung ihrer hebräischen Schularbeit. Für die Teilnehmer sprach Dr. Esc hw e g e, für den Vorstand des Lehrervereins Lehrer Speyer den Dank aus. Recha Friedmann. Aus dem Lehrerverband Vom Verein jüdischer Lehrer in Schlesien Wieder hielt der Verein jüdischer Lehrer in Schlesien im Februar zwei Versammlungen ab: In Oberschlesien sprach in Beuthen Frl. Lotte Daniel über den Geschichts- und Deutschunterricht der Oberstufe der jüdischen Volksschule. Auf Wunsch der Kolilegen war das Thema ganz auf die Praxis der Schularbeit zugeschnitten. Die Referentin berichtete auch von den Erfahrungen, die sie und ihre Kollegen an der Breslauer jüdischen Volksschule gemacht haben. Im Gegensatz zu dem kürzlich von der Schulabteilung der Reichsvertretung herausgegebenen Lehrplan für Geschichte sind in Breslau drei Stunden für den Geschichtsunterricht, in dem die jüdische Geschichte organisch eingebaut ist, angesetzt. Und zwar wird der Stoff in folgender Weise verteilt: Unterstufe: Biblische Geschichte bis zum Untergang des Reiches Israel. Klasse IV: Zu Beginn des Schuljahres wird ein Vierteljahr nur jüdische Geschichte getrieben und zwar wird die biblische Geschichte abgeschlossen, dann wird die Zeit des zweiten Tempels und 4es Talmuds sowie die spanische Zeit kurz behandelt, dann setzt die deutsche Geschichte ein und liier wird bis zum Ende des Mittelalters die jüdische Geschichte parallel mit den Ereignissen der allgemeinen Geschichte behandelt. Klasse III: In gleicher Weise wird die Neuzeit bis zum Wiener Kongreß behandelt. . Klasse II: In gleicher Weise wird die neueste Zeit bis zur Gegenwart behandelt. Klasse I: Wiederholung der jüdischen Geschichte von Abraham an; auch hier wird sie in die allgemeine Politik des Nummer "8 vorderen Orients eingebaut; zum tieferen Verständnis des jüdischen Altertums wurden auch die für die jüdische Ge;- schichte'wichtigen Epochen des Hellenismus und, der' römischen Geschichte behandelt. Aufbauklasse: Besprechung von Tagesfragen, Zeitungskunde, Geschichte der Juden in einzelnen Ländern. Nachdem noch die Frag© der Bücher erörtert wurde, giÄg die Referentin zur Behandlung des Deutschunterrichtes an einer jüdischen Schule über. Außer den für alle Schulen verbindlichen Stoff kann der Unterricht an einer jüdischen Schule noch jüdisches Kulturgut, das in deutscher Sprache vorliegt, den Schülern vermitteln. Ergänzende Lesehefte, die der Schocken Verlag und der Lehrerverband sowie andere jüdische^ Verleger herausgegeben haben, wurden genannt und' den einzelnen Klassen zugewiesen. Auch die jüdische Memoirenliteratur (Glückl von Hameln; sowie Band 52/53 der Schocken- Bücherei) sowie die Selbstbiographie Salomon Maimons und manche Geschichten von Scholem Aleschem können im Deutschunterricht mit Erfolg verwertet werden. Die Referentin machte die oberschlesischen Kollegen mit einer Fülle neuen Materials bekannt. Nach Schluß des Vortrages, der auch noch jüdische Aufsatzthemen, die gestellt werden können, nannte, wurden noch viele Fragen an die J^eferentin gestellt, die zeigten, wie wichtig die Behandlung dieses Themas War. Vor den Breslauer und mittelschlesischen Kollegen sprach in Breslau Herr Gemeinderabbiner Dr. Vogelstein über die Entstehung der Gemeinde im Judentum. Der Redner behandelte die Zeit des babylonischen Exils und der Rückkehr der Exulanten nach Erez Israel. Während Israels Propheten zur Zeit des 1. Tempels die Vernichtung des Volkes predigten (137, Psalm, sowie der 1. Teil des Buches Jecheskel), reden sie andauernd vom Wiederaufbau, als das Volk nach Eintritt der nationalen Katastrophe im babylonischen Exil weilt. (2. Teil des Buches Jesaja und Ezechiel). Als dann Kyrus den Juden die Erlaubnis zur Rückkehr gab, war ihre Freude übergroß (126. Psalm). Aber das Leben der Juden in Palästina war recht dürftig, und immer wieder bedurften die Juden dort der Hilfe der in Babylon zurückgebliebenen Juden. In Babylon fehlte den Juden die Möglichkeit G'tt durch Opfer zu verehren. So entstand dann dort allmählich die jüdische: Gemeinde, die sich in Synagogen versammelte, dort betete, aus der Thora vorlas, Belehrung vernahm und ihre gemeinsamen Sorgen dort besprachen. Hier also gab es zum erstenmal einen opferlosen' Gttesdienst. Durch die Rückkehr Esras nach Ere-z; Israel sowie durch die wieder durchgeführte Neuverpflichtung des Volkes auf die Thora wurde so Esra, der nach einem talmüdischen Wort die Thora hätte geben können, wenn sie nicht Mnschevor ihm gegeben hätte, der Gründer der jüdischen Gemeinde. Das auf Grund eigener genauer Quellenstudien und auf Grund der neuesten wissenschaftlichen Forschungen auf diesem Gebiete gehaltene Referat wurde mit großem Beifall aufgenommen. Wir entnehmen einem Rundschreiben der Verbandsleitung, daß wieder ein Provinzialverein den Zeitverhältnissen zum Opfer gefallen ist. Der Isr. Lehrerverein Emden-Oldenburg hat sich am 1. April aufgelöst. „Es ist uns", so heißt es in dem Rundschreiben, „ein Herzensbedürfnis, allen Kollegen, die bisher an der Spitze dieses Vereins mit uns gemeinsam gearbeitet haben, zu danken. Gleichzeitig spechen wir den Wunsch aus, daß die Kollegen des aufgelösten Vereins sich Nachbarvereinen anschließen mögen." * Vor einigen Wochen hat die Reichsvertretung der Juden in Deutschland einen Entwurf zu Mustersatzungen für Kultusvereinigungen (Gemeinden) herausgegeben. § 14 dieses Entr wurfs lautet: „Nicht wählbar ist (zur Vorstandschaft einer Gemeinde. Die Schriftig.) wer 1. von der Vereinigung-für eine andere Tätigkeit besoldet wird .... ." § 24 (Repräsentantenversammlung) lautet: „Die Vorschriften der § 14 und § 15 finden auf. die Repräsentantenversammlung entsprechende Anwendung." Nach diesem Entwurf ist also ein Beamter weder J ü d i s'cB e S ch ul z.e.i t ü n g.