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Jüdische Schulzeitung · 1938-08-01 · 8 (1.8.1938) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
8 (1.8.1938)
Date
1938-08-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nummer. 8 Jüdische Schulzeitung Seite 5 klären, worauf diese starke Erhöhung zurückzuführen ist. Wahrscheinlich wurde bei der letzten Reihenuntersuchung besonders auf die Zähne geachtet. Die Verteilung der zahnkranken Kinder zeigt Tabelle 6. Tabelle 6.- Jahr Anzahl Kn. M. t ~ - 1937 57 36 21 1938 96 52 44 Es sei noch erwähnt, daß chronisch vergrößerte Gaumen — aber auch Rachenmandel verhältnismäßig oft angetroffen wurden. Auffallend oft mußte die Diagnose Dystrophia adiposo-genitalis gestellt werden und zwar in 6 Fällen, ausschließlich bei Knaben. Andere chronische Erkrankungen gelangten nicht zur Beobachtung, mit Ausnahme von einigen Astlimafällen und zwei leichten Herzerkrankungen, davon ein angeborener Herzfehler. Wenn auf der einen Seite chronische Erkrankungen bei den Schülern nur in geringer Zahl festgestellt werden konnten, so fanden wir auf der anderen Seite zahlreiche Pflegeschäden. Davon zeugt auch die recht große Zahl der zahnbehandlungsbedürftigen Kinder; denn die Zahnkaries der Kinder ist sicherlich nicht zum geringsten Teil auf mangelhafte Zahnpflege zurückzuführen. Auch für manche Hauterkrankungen, Nasen- und Ohrekzeme möchte ich ungenügende Pflege und mangelnde Reinlichkeit verantwortlich machen. Hier bleibt der Lehrerschaft ein weites Arbeitsfeld an Aufklärung und "Unterricht; denn Sauberkeit ist auch bei schlechten häuslichen und sozialen Verhältnissen möglich und muß verlangt werden. Die Reihenuntersuchungen wurden gleichzeitig dazu benutzt, die Erholungsbedürftigkeit der Schüler festzustellen. Als erholungsbedürftig wurden diejenigen Kinder bezeichnet, die sich in einem gewissen Schwebezustand zwischen Gesundheit und Krankheit befanden und wo angenommen werden konnte; daß ein Aufenthalt in geeigneter ländlicher Umgebung die volle Schulleistungsfähigkeit des Kindes wiederherstellen würde. Unter diesen Voraussetzungen wurden im Jahre 1937 51 Kinder als erholungsbedürftig bezeichnet, davon 26 als dringend. Im Jahre 1938 lagen die Dinge so, daß 62 Kinder erholungsbedürftig waren, davon 12 dringend. Im Jahre 1937 gelangten 35 Kinder (20 Knaben und' 15 Mädchen) zur Verschickung. Diese Kinder stammten fast alle aus sozialen Verhaltnissen, die als schlecht bezeichnet werden müssen. Sehr häufig ist die Ernährung der Kinder qualitativ, leider manchmal auch quantitativ unzureichend. Diese Kinder erholen sich auf den Stellen, die alle hinsichtlich ihrer Eignung geprüft sind, im allgemeinen gut und kehren auch fast immer mit ausreichender Gewichtszunahme zurück, natürlich wieder in ihre alten häuslichen Verhältnisse, und nach wenigen Wochen ist von der guten Wirkung des Erholungsaufenthaltes fast nichts mehr zu merken. So wiesen von 33 Kindern, die 1937 verschickt wurden, bei der Reihenuntersuchung 1938 17 ein Gewicht auf, das unter dem Körpergewicht nach dem Erholungsaufenthalt lag oder nur 0,5 kg darüber. Im allgemeinen kann man sagen, daß stärkere Gewichtsanstiege nach dem Erholungsaufenthalt in verhältnismäßig kurzer Zeit wieder ausgeglichen waren. In einigen Fällen lag das Körpergewicht bei der Untersuchung 1938 sogar wesentlich unter dem Körpergewicht nach dem Erholungsaufenthalt. Besondere körperliche Fortschritte konnten fast in keinem! Falle erzielt werden. Daß das häusliche Milieu und die sozialen Verhältnisse bei unseren Kindern eine sehr große Rolle spielen, wurde im Laufe der Untersuchung schon mehrfach erwähnt und ist auch als Hauptfaktor der schlechten Erfolge der Erholungsfürsorge anzuführen. So erklärt es sich, daß die gleichen Kinder Jahr für Jahr als erholungsbedürftig bezeichnet werden und auch verschickt werden. Eine andere Frage ist die der „geistigen Erholung" der Kinder. Man hat gar nicht so selten den Eindruck, daß bei diesem oder jenem Kind der Erholungsaufenthalt ganz besonders gut gewirkt hat. Das Kind hat nicht nur an Gewicht zugenommen, sieht frisi-her aus, sondern ist auch lebhafter, geistig reger, kurz, es ist ein ganz anderes Kind geworden. Das sind allerdings nur Eindrücke, die sich nicht exakt umgreifen lassen. Ich habe daher die Absicht, hier einmal ganz systematische Beobachtungen einsetzen zu lassen. — Wie steht es mit den Schulleistungen der Kinder vor und nach dem Erholungsaufenthalt, wie mit der Merkfähigkeit u. ä.? Hier wäre auch das Testverfahren heranzuziehen. Auf diese Weise würde man sicher ein genaueres und besseres Bild über den Erfolg der Erholung erhalten als es bisher möglich war. Eine objektive Methode ist aber nicht nur wichtig für die Beurteilung des Erfolges des Erholungsaufenthaltes, sondern in noch höherem Maße für die Auswahl der Kinder, die verschickt werden sollen. Hier müssen wir von allgemeinen Eindrücken wie Magerkeit, blasses Aussehen, „Blutarmut" u. ä. loskommen. Die ärztlich festgestellte — und zwar exakt festgestellte — körperliche und geistige Erholungsbedürftigkeit ist das einzige Kriterium, nach dem die Kinder ausgesucht werden dürfen. Läßt es sich nicht rechtfertigen — und das gilt besonders für wiederholte Verschickungen — ein Kind zu verschicken, so ist zu überlegen, ob nicht durch andere Maßnahmen mehr erreicht werden kann. Denn das Geld, das die Allgemeinheit aufbringt, muß so nutzbringend wie eben möglich angelegt werden. Faßt man das Ergebnis dieser Untersuchungen zusammen, so kann gesagt werden, daß die allgemeine Entwicklung der Schüler der israelitischen Volksschule zu Dortmund genau wie von Kindern der entsprechenden Altersklassen verläuft, mit Ausnähme der durchschnittlichen Gewichtszunahme, die wesentlich unter der Norm bleibt. Hier zeigt sich der Einfluß des schlechten sozialen Milieus, aus dem sehr viele Kinder stammen. Auch die häufige Feststellung von alten rachitischen Veränderungen und von Pflegeschäden ist zweifellos auf dieselbe Ursache zurückzuführen. Kommen diese Jugendlichen in andere Verhältnisse und unter günstige äußere Bedingungen, so entwickeln sie sich, wie das Beobachtungen an Ausgewanderten erwiesen haben, zu kräftigen, gesunden, voll leistungsfähigen Menschen. Hebräische Lehrerfortbildung in Frankfurt a. M. Am 8. und 9. Juni 1938 fand in Frankfurt a. M. in den Räumen des Philanthropins ein hebräischier Fortbildungslehrgang für jüdische Lehrer und Lehrerinnen statt. Veranstalter der Tagung waren: Der jüdische Lehrerverein Frankfurt a. M. und die Schulabteilung der Reichsvertretung sowie die Mittelstelle für Erwachsenenbildung. Herr Prof. Kantorowicz, Frankfurt, eröffnete die Tagung im Namen der veranstaltenden Organisationen und erteilte Herrn Dr. Heschel das Wort. Da Herr Dr. Ehr mann, Berlin, abgesagt hatte, führte Dr, Heschel den gesamten Lehrgang durch, der sich auf die folgenden Gebiete erstreckte: Bibel-Arbeitsgemeinschaft (Numeri, Kap. 11) und Einführung in verschiedene Werke der hebräischen Literatur. Dr. Heschel leitete den Lehrgang zunächst in hebräischer Sprache und legte in klassischem Hebräisch seine Ziele und Methoden dar. Er interessierte seine Zuhörer durch seine Art die Bibel zu lesen; ihm kommt es auf die Erkenntnis des einfachen Wortsinnes an. Darum verlangt er die Beachtung eines jeden Wortes: genaues Prüfen desselben auf seine Bedeutung, sein Vorkommen und seine Anwendung, auf seine Stellung im Satze und an anderen Stellen der Bibel; das ist Grundvoraussetzung für ein gründliches Bibellesen. Im Kapitel 11 finden sich verschiedene Bezeichnungen für „Volk" ^fc'. »:a,D»5 Der «IOBOK war unzufrieden, trug Gelüste nach Fleisch; nach anderen Dingen, die in Aegypten billig waren. Die Verse 6, 7, 8, 9, die eine Hymne auf *|ön darstellen, unterscheiden sich vollkommen von den anderen Versen dieses Kapitels. In den übrigen Versen kann

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