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Jüdische Schulzeitung · 1938-07-01 · 7 (1.7.1938) · page 6

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
7 (1.7.1938)
Date
1938-07-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Jüdische Schulzeitiing Nummer 7 Alles in allem ist die Schulverfassung ein charakteristisches Dokument des jüdischen Mittelalters. Sie legt nämlich den Torastudierenden eine Pflicht zur jahrelangen Absonderung von der übrigen Gemeinschaft auf; sie verpflichtet zu einem mönchischen Leben, wie es weder das klassisch-talmudische Judentum .kannte noch das der Gegenwart ganz fernliegt. Mittelalterlich ist auch die streng geistige Erziehung, die Menschen und Einrichtungen dem Dienst an der Tora unterordnet Gerade dieser Zug unterscheidet das Ssefer Chukke ha-Tora von einem Höhepunkt des pädagogischen Lebens der Gegenwart: Von den Richtlinien der Reichsvertretung zur Aufstellung von Lehrplänen für jüdische Schulen. Sie zeichnen sich im Unterschied zu der mittelalterlichen Schulverfassung durch ihre Weltlichkeit und ihre pädagogische Grundeinstellung aus. Dr. Hilde Ottenheimer. Persönliches In Magdeburg starb hochbetagt im Mai Koll. Dr. Moritz Spanier, nach einem reicherfüllten und gesegneten Leben. Viele Jahre hindurch hat dieser bedeutende Schulmann die jüdische Jugend Magdeburgs als Religionslehrer betreut. In einer'ausgedehnten publizistischen Tätigkeit entfaltete der Heimgegangene seine wissenschaftliche und namentlich seine pädagogische "Kraft. Noch in lebendiger Erinnerung ist der älteren Lehrergeneration vor allem Spaniers „Wegweiser zur Jugendliteratur", jene Zeitschrift, die von 1905 bis zum Ausbruch des Weltkrieges erschien. Die Gemeinde nahm in einer würdigen Feier von dem von ihr herzlich verehrten und geschätzten Manne Abschied. Yx'l Einer der Mitbegründer der ehemaligen „W. V." in Berlin, B. Traubenberg, begeht im Tamus seinen 75. Geburtstag. Der Jubilar, der zu aktuellen Problemen (jüd. Statistik und Wanderbewegung) schon um die Jahrhundertwende Beachtenswertes zu sagen hatte, ist — eine Vereinsarbeit ist ihm aus Gesundheitsrücksichten nicht möglich — manchem jüngeren Kollegen ein wertvoller Mahner und zugleich stiller Förderer wertvoller erziehlicher Bestrebungen. Dafür sei ihm gedankt! Ad mea w'eßrim sohana! ' J. W. Äron Huerbach zum Gedächtnis Unser Aron Auerbach ist nicht mehr. Im gesegneten Alter von 76 Jahren ward er aus einem arbeitsreichen, verdienstvollen Leben abberufen, das der Schule und der Sache des Judentums gewidmet war. Wie manch anderer charaktervoller Berliner Schulmann war Aron Auerbach ein Sohn der Provinz Posen, wo in vergangenen Zeiten ein blühendes jüdisches Gemeindeleben hei- Bestellschein 1 u,*^ I; In den Postj! kästen weifen j Rn das Postamt (Zeitungsstelle) Hier misch war. Mit der gründlichen Vorbildung eines Gymnasialabiturienten bezog er das Berliner jüdische Lehrerseminar, um dann nach erlangter Ausbildung bis zu seiner Pensionierung sein Wissen und Können an Gemeindeschulen der Stadt Berlin zu bewähren. Unermüdlich hat sein reger Geist an der Erweiterung und Vertiefung seiner Erkenntnis gearbeitet. Seine eigentliche Domäne war die Bibelwissenschaft. , Ein Ehrenzeugnis für unsern toten Freund und seine lebenstüchtige Gattin, daß er bei seinem doch nur mäßigen Einkommen "sich eine wissenschaftliche Bibliothek von ungewöhnlichem Wert und Umfang beschaffte. Und von der Gründlichkeit seiner Studien zeugen die vielen Bände voller Auszüge und Belege^ die aus zahllosen durchgearbeiteten Schriften allmählich - erwuchsen. Und dabei unterstützte ihn sein ausgezeichnetes Gedächtnis, das einer verkalkten Zisterne glich, die keinen Tropfen verliert. Kein Wunder deshalb, daß die jüdische Gemeinde einen solchen Mann zur Leitung einer Religionsschule berief,, die unter ihm in kurzer Zeit zu hoher -Blüte gelangte. Und er war unser. In der Berliner jüdischen Lehrerschaft war der kenntnisreiche, beredte und gesellige Mann, dessen kraftvolle, gedrungene Gestalt Selbstsicherheit und Kampffreudigkeit verriet, wohl die bekannteste und beliebteste Erscheinung. Wo immer die Angelegenheiten der Schule — und im besonderen der jüdischen Schule — zur Sprache kamen, da pflegte Aron Auerbach nicht zu fehlen. Und war -ihm das Lehramt ein heiliger Beruf, so war auch die Kollegialität ihm eine Herzenssache. Er war nicht nur einer der Begründer der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Lehrer in Berlin, er war auch nach dem Weggang unseres unvergeßlichen Dr. Adler eine Zeitlang deren Leiter und neben dem ebenfalls schon verstorbenen verdienstvollen Robert Hirschfeld deren treuestes Mitglied. Selten — und auch dann nur in Fällen dringendster Verhinderung — hat er in einer Sitzung gefehlt, und es war selbstverständlich, daß er, so oft er anwesend war, das Wort ergriff. Auch bei unserem Freunde weilten Leid und Gebresten für kurze oder längere Dauer zu Gaste. Aber seine treue Lebensgefährtin, die sich seinem Wesen verständnisvoll anzupassen verstand, hat wacker ihn in seinem Streben unterstützt und Ungemach ihm nach Möglichkeit ferngehalten und gemildert. Die Zeit, in die Aron Auerbachs Wirksamkeit fiel, ist von einer anderen abgelöst worden, die von schweren Aufgäben und Sorgen erfüllt ist. Aber wir wollen darüber einen Mann nicht vergessen, der als einer unserer Besten während eines langen Lebens seine ganze Kraft für die Verwirklichung jüdischer Ideale eingesetzt hat. Dr. L. Literarisches Abraham Heschel: Die Prophetie. Verlag der polnischen Akademie der Wissenschaften, Krakau 1936. In seinem Buche beschreibt Heschel die letzten die Eigenart des prophetischen bestimmenden Bewußtseinstatsachen und sucht darüber Klarheit und Aufschluß zu gewinnen. Er beschränkt steh dabei lediglich auf die vorexilischen Schriftpropheten. Den Reden der Propheten verleiht die transzendente Herkunft Ansehen und Wert; Heschel lehnt die Ekstase ab, die ein absolutes Znstandserlebnis darstellt, während; die prophetische Eingebung ein- Beziehungserlebnis ist. Auch die dichterische Konzeption wird als Analogie für die Erklärung des prophetischen Aktes herangezogen. Aber auch hier wird der nicht zu überbrückende Unterschied zwischen dem psychischen Vorgang bei dem Dichter und der transzendenten Aktion, die der Prophet erlebt, aufgewiesen. Heschel scheidet zwischen Inhalt und Form der Prophetie und zerlegt den Inhalt in Eingebung und Erlebnis und die Form in Ereignis und Erlebnis. Der Erlebnisgegenstand ist das göttliche Pathos. Das Erlebnisgefühl ist die prophetische S y m p a th i e. Das göttliche Pathos aber ist das Grundmotiv der Eingebung und bedeutet, daß Gott nicht nur gebietet und Gehorsam

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