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Jüdische Schulzeitung · 1938-07-01 · 7 (1.7.1938) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
7 (1.7.1938)
Date
1938-07-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nummer-. 7 Jü d i s c h e Sehn 1 z e i t u n g Seite 7 fordert, sondern auch bewegt und betroffen wird, daß er alles, was in -der Geschichte vorgeht, innerlich erlebt und empfindend aufnimmt, daß Gott nicht nur Verstand und Wille ist, sondern auch persönlich - subjektiv reagiert. Sympathie aber bedeutet-die prophetische Antwort auf die Eingebung Gottes, das menschliche I^orrelat der göttlichen Offenbarung. Die Form der Eingebung zeigt sich als Ereignis, das die Zwangsläufigkeit unterbricht. Das Ereignis drückt der Erkenntnis das Siegel des Prophetischen auf. Das Korrelat der Eingebung ist das Erlebnis. Für die Erlebnisform ist.der Anthropotropismus bezeichnend, d. h. der Verkehr mit dem Menschen geht nicht nur von Gott aus, sondern ist auch auf den Menschen gerichtet. Der Prophet weiß sich als das Ziel der auf ihn gerichteten Eingebung. Er erlebt das auf ihn Gerichtetsein des göttlichen Willens als eine Nötigung zum Erleben und Erfüllen. Im Erlebnisinhalt ist der Prophet frei, im Erlebnisformalen bedingt. Das Pathos Gottes und die Sympathie des Propheten stehen also im Mittelpunkt der Ausführungen fieschels. Demgemäß wendet er sich besonders der pathetischen Theologie zu; er vergleicht die pathetischen Gottesvorstellungen mit den theologischen Lehren der einzelnen Religionssysteme. Er setzt sich dabei auch mit der jüdischen, christlichen und islamitischen Religionsphilosophie auseinander, die das Pathos als eine Trübung der geistigen Gottesauffassung ansieht, ferner mit der Mystik, die Gott an sich in seiner letzten unmittelbaren Gegebenheit zu'erfassen sucht, während der Prophet nicht beabsichtigt, Gottes an sich inne zu werden. Es gilt für den Propheten nur, Gottes Ausdruck zu erfahren, der sich in mannigfachen Abstufungen als Erscheinung in der Vision, als Wort in der Eingebung und als Wirkung in der Geschichte kund tut. Der Prophet weiß von Gott nur das Pathos, das er aber nicht als Wesenhaftes denkt, sondern als Aeußerung des göttlichen Willens empfindet. Die prophetische Offenbarung gibt keine Enthüllung des göttlichen Wesens. Das Letzte am göttlichen Pathos ist die auf den Menschen gerichtete transzendente Aufmerksamkeit; sie bedeutet Auflösung des Fatums, Ueberwindung des starren Schicksalgedankens. Schließlich beschreibt der Verfasser die Grundzüge der dem prophetischen Fühlen und Denken gegebenen objektiven Wirklichkeit. Er spricht von der prophetischen Religiosität, der von ihnen selbst erlebten Religion. Die Propheten waren nicht nur Patrioten, sie sprachen stets als Gesandte Gottes, als Vollzieher seines Auftrages. Wie das Verhältnis zwischen Gott und Mensch sich nicht restlos auf den Wert der Sittlichkeit zurückführen läßt, so war das Ethische nietfit der Ausgangspunkt, sondern die Richtung der prophetischen Gedankengänge. Das entscheidende Motiv der Propheten haben wir in einer auf das göttliche Pathos gerichteten Sympathie zu suchen. Verfasser grenzt Pathos und Sympathie gegen Gegenstand und Erlebnis der Passion ab und zeigt am Schluß,, daß Pathos und der Anthropotropismus nicht aus einem bloß als Gegenstand gegebenen Göttlichen abzuleiten sind, sondern daß im Erlebnis der Propheten die transzendente Aufmerksamkeit Gottes erfahren wird. Soweit der Verfasser. Gerade in der Beschränkung der Themastellung zeigt sich der Meister, so daß in Wirklichkeit das Buch uns tief hineinführt in das Wesen der Prophetie. Es sind meistens christliche Forscher, die sich bisher mit diesen Problemen befaßt haben. Um so begrüßenswerter ist es, daß der Verfasser als Jude an das Thema herantritt; besonders charakteristisch für sein Buch ist, daß er sich dem Untersuchungsobjekt unterordnet. Er kommt daher zu neuen Ergebnissen. Für die Form der Offenbarung in Israels Schriftprophetentum gibt es auch nicht den Schatten einer Analogie aus der altorientalischen Religionsgeschichte. Der Monotheismus in seiner universalen und ethischen Gestalt ist nicht die eigentliche Leistung der klassischen Propheten. Diese fundamentale Erkenntnis haben sie schon vorgefunden und. übernommen. Die Auffassung der Offenbarung an die Propheten als Pathos und Sympathie ist originell und wird sicherlich nicht mehr aus der wissenschaftlichen Diskussion schwinden. Verfasser islrein* guter Analytiker, Er-, weißtreffend zu formulieren und "schärf abzugrenzen; Wohl stören die vielen Fremdwörter und machen dem Laien die-Lektüre nicht'leicht; aber das mindert den Wert des Buches, das auf umfassender wissenschaftlicher Grundlage ruht, nicht herab. In der Aufnahme der Abhandlung in die Schriftenreihe der orientalischen Kommission der polnischen Akademie der Wissenschaften hat Heschel schon die verdiente Anerkennung gefunden. Rabbiner Dr. Kober, Köln. Leo Baeck: Das Evangelium als Urkunde der jüdischen Glaubensgeschichte. (Bücherei des Schocken Verlags, Nr. 87.) In Pappe gebunden 1.25 RM. Die Evangelien sind in einer besonderen und untrennbaren Weise mit dem Judentum und der jüdischen Geschichte verknüpft. Sie sind im Schoß des Judentums entstanden, haben dann die große, vom Judentum ausgehende Glaubensbewegung in der alten Welt entfacht, die im Ergebnis zur Isolierung des Judentums in der ausgehenden Antike geführt hat, und sie haben dann die Stellung der Judenheit innerhalb der christlichen Welt mitbestimmt. So erhält für die Juden die viel umstrittene Frage eine besondere Bedeutung, wie aus der ursprünglichen alten Botschaft von Jesus, dem Messias, die Evangelien, die im Neuen Testamente stehen, geworden sind und welcher der anfängliche Sinn der Verkündigung war. Baeck unternimmt es, die Frage von dem Ursprungsbereich her zu beantworten. Er untersucht Wesen und Stil der in der Bibel wurzelnden mündlichen Ueberlieferung, wie sie im Judentum Palästinas damals lebte, und erhellt damit die Traditionsweise, in der auöh die Evangelien entstanden sind. Den Furchen der Ueberlieferung in den Evangelien selber folgend versucht er zu dem Ursprünglichen, zu der alten Botschaft hinzugelangen. Auf dieser Erörterung fußend, gibt er im zweiten Teil seiner Schrift den Versuch einer Rekonstruktion des alten Evangeliums, der durch Einzelanmerkungen begründet wird. In dieser alten Gestalt tritt das Evangelium dann ungezwungen als ein Stück jüdischer Geschichte, als ein Zeugnis jüdischen Glaubens hervor. * Lord Byron: Kain. Ein Mysterium. Uebertragen von Ernst Blaß. (Bücherei des Schocken Verlags, Nr. 89.) In Pappe gebunden 1.25 RM. Lord Byron (1788—1824), den großen englischen Dichter der romantischen Epoche, haben das Judentum und die Bibel zutiefst beschäftigt. Seine „Hebräischen Melodien" und das hier in neuer Uebersetzung vorgelegte Mysterium „Kain" sind ein Zeugnis dafür. Mit der Kennzeichnung als Mysterium wollte Byron seine biblische Dichtung in den Zusammenhang der alten frommen Spiele von Sünde, Tod und Erlösung gestellt wissen. Adam und Evas erstgeborener Sohn, durch dessen Brudermord der Tod zuerst in die Menschenwelt gekommen ist, und der als Gezeichneter und Unsteter doch Gottes besonderen Schutz genießt, wird hier zum Urbild der an der Welt Verzweifelnden, mit Gott Hadernden, gegen ihn Aufbegehrenden. In antwortloser Frage klingt das Drama aus, das bei aller Freiheit in der Behandlung des biblischen Stoffes, bei aller Zerrissenheit und Dämonie, doch Geist vom biblischen Geist gestaltet und darum den großen, an die Bibel anknüpfenden Dichtungen der Weltliteratur zuzuzählen ist. Die neue Uebersetzung des Dichters Ernst Blaß gibt die Klangfülle, den Rhythmus und das hohe Pathos des Originals mit großer dichterischer Kraft im Deutschen wieder. Die „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik" veröffentlicht in ihrem soeben erschienenen Juni-Heft an leitender Stelle einen Aufsatz von Dr. A r t h u r L i l i e n t h a 1, der das Verhältnis von „Gemeinden und Reichsvertretung" charakterisiert, wie es sich auf Grund des Gemeinde-Gesetzes vom 28. März 1938 zu gestalten haben wird. Dr. Lilienthal geht davon aus, daß das Gesetz ein bewahrendes Element enthalte — denn „die organisatorischen Grundlagen für die Weiterarbeit der Gemeinden bestehen fort" —, und ein entwickelndes Element, aus dem ein durchorganisierter Aufbau der jüdischen Körperschaften in einer Reichsorgänisation notwendig folgen muß^ Für deren Gestaltung zeichnet er die Richtlinien. — Ma-

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