Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 6 (1.6.1938)
- Date
- 1938-06-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 J ü d-i s c.h e SjC-fa u 1 ge:rtn n g. Nummer 6 jüdische Jugendliche, wohin er auch auswandern wird, immer im Rahmen eines Staates und einer Volkswirtschaft 'leiben wird, dann wird es unerläßlich, den Jugendlichen eine staats- Mrgerliche Erziehung mitzugeben, die nach Lage der Sache* ipeine Erziehung zum Leben in einem ^bestimmten Lande und iihter einer "bestimmten Verfassung sein kann, wohl -aber eine; Erziehung zum Verständnis der Grundtatsachen und Grundkräfte des modernen Staates und der modernen Wirtschaft überhaupt sein muß. Die Jugendbüdung darf sich natürlich nicht auf solche Wissensübermittlung beschränken. Die" Erziehung zu sittlicher und religiöser Haltung muß das ihr zukommende Schwergewicht haben.- Aber auch die Anleitung zu innerer Sammlung j und Entspannung in der-Begegnung mit Werken der Kunst f gehört ebenso zur elementaren Bildung wie die Entfaltung Jder gestaltenden Kräfte des Einzelnen: Körperschulung,,musi- kaiisches, zeichnerisches oder plastisches Tun. Es ist eine unserer Aufgaben, die jungen Leute für ein inneres Standhalten im Leben auszurüsten. Die Bedeutung dieser Aufgabe, aber auch die Schwierigkeit ihrer Lösung ist um so größer, als die Jugendlichen später einem Leben in der Fremde standzuhalten haben. Die Jugendlichen bedürfen einer Orientierung in den Fragen ihres persönlichen Lebens sowie in den historischen und sozialen Zusammenhängen, in die sie gestellt werden. Wir müssen ihnen das Wissen der Grundrisse und Grundkräfte sowie Gradnetz und Kompaß überliefern. Im wesentlichen handelt es sieh um die Bildung zum Denken und zur gedanklichen Durchdringung der Lebenserscheinungen. Vieles davon —■ vielleicht alles — steht in den Lehrplänen der Schulen. Die Masse der jüdischen Jugend, von der wir hier sprechen, verläßt jedoch heute die Schule nach 8 oder auch nach 9 Schuljahren, d'. h. also in einem Zeitpunkt, in dem die Entwicklungsstufe der gedanklichen Durchdringung gerade betreten wird. Mit Beginn der Reifezeit hört das Leben in der Schule und hört die Führung durch die Schule auf. Der Jugendliche wechselt in ein Berufsausbildungs- und Arbeitsleben hinüber, das ihm verhältnismäßig wenig Zeit und Kraft für seine über das Berufliche hinausgehende Bildung läßt. Das nötigt zur Beschränkung auf Wesentliches und zum Verzicht auf Manches, was vielleicht sehr interessant sein mag, was aber bodenlose Halbbildung bleiben würde, wenn die hier geforderte Grundbildung fehlt. Die geringe Zeit, die zur Verfügung steht, nötigt zu äußerster Stoffbeschränkung und damit auch zu einer Beschränkung auf die wesentlichen Grundlagen. Andererseits wird dadurch wohl auch die Chance vergrößert, mit Wissensübermittlung Charakterbildung zu verbinden. Um die Bildung der schulentlassenen jüdischen Jugend bemühen sich Jugendbünde, Ausbildungsstätten der verschiedensten Art, Lehrhäuser, Gemeinden usw. Viele Kräfte sind mit bestem Willen und mit vollem Einsatz am Werk. Aber die Arbeit leidet am Fehlen einheitlicher Lehrpläne und' taim Mangel geschulter Lehrkräfte, sowie daran, daß sie einen mehr oder weniger zufälligen und unverbindlichen Charakter hat. Per Einzelne bleibt, wenn er will, sich selbst überlassen. In diesen Mangeln-liegen große Gefahren: Gefahren für den einzelnen Jugendlichen, aber auch für die jüdische Gemeinschaft und jedes ihrer Glieder; sittliche und kulturelle, wirtschaftliche und soziale Gefahren. Neben der technischen Berufsausbildung müssen wir darum auf eine planmäßige Grundbildung der schulentlassenen jüdischen Jugend bedacht sein, die sie in die Lage setzt, sich im Leben zurechtzufinden und in ihm standzuhalten. Es tut not, Lehrpläne auszuarbeiten, wobei die Lehrpläne und Erfahrungen des allgemeinen Berufsschulunterrichts gute Dienste leisten werden; es tut not, Lehrkräfte zur Verfügung zu stellen und anzuleiten; und es tut not, der elementaren Bildung der schulentlassenen jüdischen Jugend einen verbindlichen Charakter zu verleihen. Ein 3. Aufsatz folgt. Die Red. : ■ ■■■ •, " " ■ t,V- . . -.;. . . ■. V' i- ----wi...... '- .....' , . .v-v •■ ~r.~: Bemerkungen zu dem Hebräischen LeKrz\ plan der Reichsverträtung; von Kurt BergetDüsseldorf, uhter-Mitarbeit von Grete Eichelberg- : '. * Düsseldorf" "; ~'- , Der-Verein israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und West- , falens beauftragte eine Kommission mit der Ausarbeitung; von Lehrplänen Jür. den Jiebräischen Unterricht. Während - dieser -Arbeit erschien J der Lehrplan der Reichsvertretung. Die Kommission ging nun von diesem Plan aus, kam aber in einigen Punkten zu anderen Vorschlägen. Den folgenden . Bemerkungen liegen<Erfahrungen an der Privaten Jüdischen Schule in Düsseldorf zugrunde 0. Sie sollen zu einer — wie wir glauben — notwendigen Aussprache Über den hebräischen Unterricht'anregen. Methodische Vorbemerkung. Wir stimmen den-methodischen Vorbemerkungen im Lehrplan . der. Reichsvertretung zu,, ergänzen -sie aber »in.-zwei. Punkten: ' ' " ' 1. Wie schon in früheren Rundschreiben der Reichsvertretung ausgeführt wurde, soll ~ der hebräische Sprachunterricht, eben weil er „nach den Prinzipien des modernen Sprachunterrichts" gegeben wird, in s e p h a r d i s c h e r Aussprache erteilt werden; liturgische Texte sind auch in aschkenäsischef Aussprache zu lesen. 2. Es soll. eine möglichst enge Verbindung zwischen Religions- und Hebräisch-Unter rieh t erstrebt werden. Beide Fächer soll grundsätzlich der gleiche* Lehrer unterrichten. Der Religionsunterricht nimmt seinen Ausgang von den im Hebräischen -erarbeiteten Texten. Die Durchnahme der Feiertage kann sich in der Unterstufe an entsprechende Lesestücke der Fibel, in der Oberstufe muß sie sich an Gebets- und Bibeltexte anschließen. In der Oberstufe soll grundsätzlich die Durchnahme jedes religiösen Sachgebietes an einen Text angeknüpft werden. Wir geben hierfür in unserer Stoffverteilung einige Hinweise. Stoffverteilung in der Unterstufe Erwähnt wird im folgenden nur, was von dem Lehrplan der Reichsvertretung abweicht. Die Einführung der Fibel Dan wa-Qad in der zweiten Hälfte des 1. Schuljahres erscheint uns verfrüht. Auch glauben wir, daß für eine systematische, auf Sprechübungen aufgebaute Erarbeitung des 2. Teiles der Fibel V/2 Jahre nicht ausreichen, zumal W. Neier selbst zwei Schuljahre für erforderlich hält. Wir teilen demnach den Stoff wie folgt ein: 1. Schuljahr: Im 2. Halbjahr Sprechübungen unter Benutzung des Wortschatzes der. Fibel. 2. Schuljahr: Fibel 1. Teil (Einführung der Kursivschrift ohne den Umweg über das Schreiben der. Druckbuchstaben). 3. Schuljahr: Fibel 2. Teil Seite 3—24, Seite 49—58t 4. Schuljahr: Fibel 2. Teil Seite 25—48, Seite 59—71. Stoffverteilung in der Oberstufe. Während sich so die Verteilung des Stoffes gegenüber dem Plan der Reichsvertretung um ein Jahr verschiebt, soll die Stoffauswahl der Gebete nur etwas ergänzt,; doch nicht zeitlich verschoben werden. Der grammatische Stoff des Lehrplans der Reichsvertretung sollte nur in besonders: weit geförderten Klassen ganz durchgenommen^ werden.- /Die Beherrschung des regelmäßigen Verbum in Kai,-Niphal, Piel, Hitpael und Hiphil muß jedoch erreicht werden. Die Auswahl, der Bibelstoffe nach dem Plan der Reichsvertretung vom 5. Schuljahr verteilt sich etwa zur Hälfte auf Chumasch und Newiim Rischonim. Wiraber, legen den Akzent auf Chumasch,- nicht aus weltanschaulichen Gründen, sondern . weil wir glauben,: daß die Schüler die historischen Bücher eher als den Pentateuch in einer Uebersetzung kennen lernen-und weil nach unserem-Plan ein Jahr weniger für-die-Bibellektüre *) Für Anregungen haben wir -den Kollegen Frank-- Duisburg, Frohsinn-Moers 1 und1 Weidling-Essen zu' danken, ■'■'•■■> -/•••