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Jüdische Schulzeitung · 1938-05-01 · 5 (1.5.1938) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
5 (1.5.1938)
Date
1938-05-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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, Seite 6 Jüdische Schulzeiturig Nummer .5 komme ich zu einer Ausbildungs stelle?" -Der Aufsatz beiaßt sich mit der Frage' der Kollektivausbildungsstätten, der Einzellehrstelle, sowie mit den wichtigsten Bestimmungen für die Lehrlingsausbildung im Handwerk. — Soweit eine Entscheidung für die Berufsausbildung im Ausland in Frage kommt, gibt es im wesentlichen als Massenform die Jugendalijah und die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Australien. Dr. Georg Flatow zeigt uns den Weg, der vom Vorbereitungsilager in Deutschland über die Jüdische Jugendhilfe, die Ahawah und das Kinderdorf Ben Schemen zum Lebensberuf in Palästina führt. „Bis Ende September 1937 sind 105 Kinder durch die Ahawah, 241 durch Ben Schemen und 1418 durch die Jüdische Jugendhilfe mit der Jugendalijah nach Palästina gekommen. 34 Siedelungen und Heime dienen diesen Jugendlichen als Unterbringungs¬ und Ausbil'dungsort. 736 Jugendliche haben bis heute ihre zweijährige Vorbereitungszeit beendet; der größte Teil von ihnen ist nach Abschluß der Hachscharah in Gruppen auf dem Lande zusammengeblieben, einige haben eigene Siedelungen aufgebaut. Nach dem Urteil berufener palästinensischer Persönlichkeiten hat sich die Jugendalijah aus Deutschland durchaus bewährt; sie bildet für den Aufbau des Landes einen wichtigen Faktor, und die Jugendlichen selbst sind — wie die Erfolge beweisen — durch das neue Leben und die neue Arbeit voll befriedigt Die Jugendalijah stellt sicherlich die glücklichste Forin der geschlossenen Jugendlichen-Auswanderung dar." — Dr. Frieda H e i 1 b e r g informiert uns über die Auslandsunterbringung von jüdischen Kindern und Jugendlichen. Es können-Schulpflichtige vom 10. Lebensjahre an in Amerika untergebracht werden. Da bis zum 16. Lebensjahre Schulpflicht besteht, so gewährleistet die frühzeitige Ueberführung nach Amerika ein Heimischwerden im Lande. Die Kinder können je nach Neigung und Eignung grundsätzlich" alle Berufe ergreifen. Das Hilfskomitee arbeitet mit den Pflegeeltern, dem Kinde und der Berufsberatungsstelle zusammen. Es entspricht amerikanischer Gepflogenheit, die Ausbildungskosten vielfach durch Arbeitsleistung der Kinder selber aufbringen zu lassen. Unter Umständen leistet jedoch auch das Hilfskomitee Zuschüsse. Im Gegensatz zu Amerika gestattet Australien lediglich die Hinwendung zu praktischen Berufen. Die Jugendlichen kommen erst im Alter von 15 bis 17 Jahren, ausnahmsweise Mädchen auch ibis zum 18..oder 19. Lebensjahre, nach Australien. Besonders bevorzugt wird für Knaben die landwirtschaftliche, für Mädchen die hauswirtschaftliche Ausbildung. Auch hier wird der persönlichen Initiative der Jugendlichen vieles Entscheidende überlassen. In allen Fällen wird es erforderlich sein, sich gute englische Sprachkenntnisse anzueignen. Werner Rosenthal und Friedrich Perlstein fassen alle Fragen der handwerklichen und landwirtschaftlichen Ausbildung in zwei das Buch abschließenden Aufsätzen noch einmal zusammen. Was vorher in den Einzeldarstellungen an theoretischen Sachverhalten dargelegt wurde, das erfährt; hier seine Ergänzung vom Standort der Praxis her. Werner R o s e n t h a 1 behandelt „Grundsätzliches zur handwerklichen Ausbildung in Lehrwerkstätten" und zwar zur Ausbildung im Metall- und im Holzgewerbe. Die beiden Substanzen, um deren zu bewältigende Formung es geht, sind sozusagen zwei eigeniebige Wesen, die der angreifenden Menschenhand Widerstände entgegensetzen. Wie sie überwunden werden, das zeigt uns R o - senthal in feiner Kennerschaft auf. Das Gleiche gilt von Friedrich P e r 1 s t e i n und seinem Aufsatz „Aus derPraxis des landwirtschaftlichen Ausbildungsbetriebes. „Hier treten uns die Eigenarten der Subjekte und der Objekte gleichermaßen plastisch entgegen. Hier wird nicht nur Handgriffliches gelehrt, sondern auch der Charakter der jungen Menschen in Form gebracht." — .Dem Heft lose beigefugt ist ein Verzeichnis der wichtigsten Ausbildungs statten, die der jüdischen Jugend außerhalb der Einzellehre zur Verfügung stehen. — So stellt sich diese Schrift, deren innrer Aufbau von Georg Flatow überwacht wurde und 'die inrV erlag der Z e n f trälwoh'lfahrtsstelle' de r ' J ü de n' i n Deutscht, land erschienen ist, im Hinblick auf die'Zukunftsgestaltung der auswandernden Juden als eine derwichtigsten -Publikationen dar, die in den letzten Jahren erschienen sind. Sie wird nicht nach einer flüchtigen Durchsicht beiseite gelegt "werden, sondern als eine gediegene Beraterin'„handsam"'— um mit Martin Buber zu reden — auf dem Tisch liegen und oft gebraucht werden, wenn unsere jungen Menschen Rat suchen für die entscheidende Lebensfrage, für die/Frage der Berufswahl und-ausbüdung/ "" 'S. Bräun. Die Lerntagimg jüd. Lehrer in Bad Nauheim*) Im Hause der Jüdischen Bezirksschule zu, Bad Nauheim fand unter der Leitung des Herrn Professors Dr. Kantorojvicz- Frankfurt a. M. ein 14tägiger FortbildungslehVgang p'r Lehrer an jüdischen Volksschulen statt. Förderer des Lehrganges waren die Schulabteilung der Reichsvertretung mit der Mittelstelle für jüdische: Erwachsenenbildung und'der Landesverband israelitischer Religionsgemeinden Hessens. Der Studienplan umfaßte folgende Gegenstände: I. Pädagogik:'..Gründfragen der Erziehung (Prof. Bondy-Groß-Breesen); Grundfragen des gesellschaftlichen Lebens und der Charakterbildung (Kanr torowicz); Sonderfragen der Internatserziehung (Schulleiter Bettmann-Bad Nauheim); II. Didaktik und Methodik: des "Hebräischen (Jakobsohn-Berlin); des Deutschunterrichts (Braun- Köln); der Körperschulung (Goß-Berlin); des Singens (Adler- Stuttgart); vom Mlidrasch in der Schule (Rabb. Dr. Merzbach- Darmstadt). III. Stoffliche Fortbildung: Behandlung eines: Mischnaabschnittes (Rabb. Dr. Merzbach); Pentateuchkurs (Dr. Heschel-Frankfurt a. M.); Jüdische Kulturkunde, Rabb. Dr. Levi-Mainz); Palästinakundliches und Fragen der Auswanderungs- und Berufspolitik (Dr. Pomeranz-Frankfurt a. M.); Materialien zum Geschichtsstudium und zum Geschichtsunterricht (Dozent Dr. Berney-Berlin); Jugend- und Berufsfürsorge-Aüswanderungsfragen (Hilde Meyerowitz-Frankfurt a.1" M.). Es ist nicht möglich, hier über den Inhalt der Kurse und Referate im Einzelnen zu berichten. Sie bewegten sich alle auf hohem Niveau und waren so gehalten, daß sie den Hörern eine Fülle von Handreichungen zu eigener wissenschaftlicher Weiterbildung gaben, daß aber immer auch die Beziehungen zu den pädagogischen' Fragen aufrechterhalten 'blieben, die gerade die jüdische Lehrerschaft in dieser zwiegesichtigen Zeit bewegen. Es war von grundlegender Bedeutung, daß einmal mit denkerischer Sorgfalt und unter energischer Abwehr ressentimentbeladener methodischer und <Üdaktischer Forderungen gerade die Gesinnungsfächer Hebräisch, Deutsch und Geschichte in den Mittelpunkt der Arbeit gestellt wurden. Indem .man ihrem Wesenhaften nachspürte, schwanden bald mancherlei unhaltbare Auffassungen" im Hinblick auf die Möglichkeit einer organischen Verknüpfung von Jüdischem "und Allgemeinem im Unterricht aus dem Gesprächsbereich, so daß sich eine Uebereinstimmung darüber ergab, daß die Eigenständigkeit, bestimmter Sachgebiete nicht durch unfruchtbare Vermengungsversuche angetastet werden dürfe, daß jedoch Verbindungsfäden zwischen Jüdischem- und ~ Allgemeinem' so oft und so eng wie nur immer gezogen werden sollten. An jegliches Wissensgebiet zunächst einmal so gelassen heranzugehen, als ob es ganz für sich selber dastehe, völlig sachgerecht und gewissenhaft seine Fülle zu umfassen und dann erst zu versuchen, das Eroberte für die jüdische Schule zu verwerten, zu dieser Haltung hinzuleiten, das war der tiefere Sinn der Gedankengänge aller an dem Lerngang Beteiligten. So rundete sich am Ende das Ganze der Tagung zu einem einheitlich strukturierten Gebilde, dessen Charakteristisches die strenge Sachlichkeit und Geradlinigkeit gewesen ist, unter deren Wirkung die Hörerschaft sich in vielerlei Betracht be- *) .Siehe auch "den Bericht von Herta Treuherz in der Februarausgabe dieses Blattes.

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