Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1938-05-01 · 5 (1.5.1938) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
5 (1.5.1938)
Date
1938-05-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2825247-2825394-2825399--1305-2826991
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nummer 5 Jüdische Schulz ei tiing Seite? reichert fühlte. Zuweilen mochte, es-.scheinen, als sei eine a\U ÄUgroße Ferne gelegt zwischen die Erörterungen rein wissenschaftlicher Art'und die Erfordernisse der Schulstube. Indes wuchs im Ablauf der Tage die Ueberzeügung, es sei zweckmäßig gewesen, um mit Martin Buber zu reden, die Geister einmal wieder aufzulockern, auf daß sie die Fähigkeit nicht verlören, in großen wissensmäßigen Zusammenhängen zu denken und:von da aus die Arbeit in der Schule auszurichten. Der mit Bedacht ans Ende gelegte „Tag der Schulpraxis" (Schulleiter Lichtenstein-Offenbach) brachte es überdies zu Wege, daß auch des Handwerklichen im Unterricht nicht vergessen wurde. Was aber diesem Lehrgang sein einzigartiges Gepräge gab, das war die Form, in der die an ihm beteiligten Menschen sich zü .einer lebendigen Gemeinschaft zusammenfügten. Zum ersten Male war wohl hier der Versuch gewagt worden, Lehrer verschiedenster Altersstufen für zwei volle Wochen zu emer kameradschaftlich eng beieinanderwohnendeh Menschengruppe, zu einer Art „Lager" zusammenzufassen. Es hat sich in kurzer Frist so etwas wie ein besonderer Lebensstil herausgebildet, der sowohl vom Jüdisch-Religiösen als auch vom rein Aesthetischen her bestimmt wurde, und dessen eignem Zauber sich niemand zu entziehen vermochte. Der Tageslauf war eingeordnet in das strenggefügte Gesetz altjüdischer Frömmigkeit mit seinen Gottesdiensten und seinen rituellen Ansprüchen. Indem aber diese Einordnung sich vollzog im Gewände und im Rahmen ansprechender Formen, behielt das Oanze der Tagung, trotz mancher Beschwernisse vom Sachlichen und Menschlichen her, seine edle. Linie. . Daß sie von allen Menschen, sowohl von denen, die den in sich geschlossenen Lernkreis bildeten, als auch von den vielen Gästen, die sich beinahe an jedem Tage einfanden, aufs Peinlichste gewahrt wurde, war nur möglich unter der waltendien Hand einer starken Persönlichkeit. Professor Kantörowicz:hatte mit Sorgfalt den Lehrgang vorbereitet; er wußte mit' ^lugheit,. .-[Fakt und feinsinnigem Humor ^dem Gemein- Ächäwa Die Achawa ist ini Jahre 1864 als Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger Lehrer gegründet und später zu einer Art Pensipnskasse. ausgebaut worden. Sie hat sich nunmehr aus versicherungsrechtlichen Gründen veranlaßt gesehen, zu ihrer ursprünglichen Wirkungsweise zurückzukehren. Der Charakter als Pensionskasse war nicht aufrechtzuerhalten. Der Verein hat in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ein neues Statut angenommen, das. im Wortlaut mit dem Entwurf übereinstimmt, der im Herbst vorigen Jahres allen Mitgliedern zügegangen ist. Die heue, Bezeichnung des Vereins^ lautet: Achawa (Brüderlichkeit), Hilfsverein für israelitische* Lehrer in Deutschland. Er ist unter, diesem Namen neu in das Vereinsregister eingetragen. Nähere Mitteilungen werden den Mitgliedern durch ein Rundschreiben noch zugehen. Die Achawa hat im Jahre 1937 rund 3 000 RM verteilt Zum 1. Vorsitzenden wurde Oberlehrer i. R. E. Gut, Frankfurt a. M., Mendelssohhstraße 63, wiedergewählt. Dem Vorstand gehören weiter an: Die Herren Lehrer und Kantor I. B. Levy (stellvertr. Vorsitzender), Bankier Herbert Frohmann (Kassenführer), Studienrat Walther Rothschild (Schriftführer), Öberstüdiendirektör i. R. .Dr. ö. Driesen, Konrektor Jakob fiofmarin,Direktor Levy tteilbrunn (Beisitzer). Die Käs'sehprüfüng^ w^ von den Herren Kollegen W. Lotheim und M. Hälberstadt durchgeführt und ergab keinerlei . Beanstandung. Bibliothekare .',:.:-V'Üm "einen. UeÜerblick über die vorhandenen,Kräfte zu gewinnen; bittet die Mittelstelle für judische Erwachsenenbildung in Frankiurt a. M.-Ginnheim, Fuchshöhl 67, die. für den Dienst an w^ an Volksbüchereien ausgeWideten: Bibliomekare,';ynä;;6ilifl^ffiel^ramen. um Meldung unter 'Beifügung eines Lebenslaufes bis zum > 10. Mai dieses Jahres. schaftsl,eben den hohen Schwung zu geben und zugleich eine Unsumme von Kleinarbeit zu leisten, die in ihrem Gesamt sich zu einem Meisterwerk - der „Lager"-Gestaltung vollendete. Vom Schcharithgebet am frühen Morgen über die gymnastischen Uebungen (Goss), die Mlahle und Kurse hin bis zur Schallplattenmusik am Abend und dem den Tag beschließenden Kanon „Adddr lo janum" lag's wie eine heilige Regel ausgegossen, daß sich alles zu edlem Rhythmus fügen müsse. Es entsprach diesem Zug zum Künstlerischen hin durchaus, wenn ein . wundervolles Konzert des Jüdischen Kulturbundes Rhein- Main in dem herrlichen Saalbau zu Frankfurt der Gemeinschaft mitten im Abfluß anstrengender Tätigkeit eine Entspannung erlesener Art brachte. Freilich ergab sich das leichtbeschwingte Hinziehen der Tage ganz wie von selbst, weil dank der rührenden Obsorge der Gastgeber, des Schulleiters Bettmann, der Schwester Oberin des Hauses, Frau Fröhlich, der Schwester Oberin des Frauenheims, Frau Katzenstein, mit ihren großen und kleinen Helfern und Helferinnen, jene Unzulänglichkeiten nicht vorhanden waren, die sonst wohl dem Leben im Internat zu eigen zu sein pflegen. — Dozenten und Hörer haben in diesen, zwei Wochen der Ferien ein hohes Maß von Selbstzucht und Hingabefähigkeit an-den Tag gelegt. Nach den Wintermonaten voller Sorgen und Mühen sind sie nach Nauheim gekommen, haben sie sich dort freiwillig in ein Konklave begeben, in dem ständig und hart gearbeitet werden mußte, in dem zuweilen auch ein aufkeimendes Unbehagen zu bekämpfen war, wenn der große Zug des Lehrgangs diese und jene Frage nicht duldete, mit der der Einzelne für sich nicht ins Reine zu kommen wußte. Am Ende hat sichs doch ergeben, daß niemand von Nauheim schied, der nicht einen reichen Schatz von wertvollen Eindrücken und Anregungen schlichtmenschlicher und bildungsmäßiger Natur mitgenommen hätte. So kam der Dank aller an den Leiter und an seine Mithelfer aus vollem Herzen und aus voller Seele. Siegfried Braun. Sportpädagogische Lehrgänge Die Schulabteilung der Reichsvertretung teilt mit: In der Zeit vom 21. bis 25. März dieses Jahres legten in Stuttgart 18 Kandidaten und Kandidatinnen die Abschlußprüfung des Sportlehrganges C ab, der von der Schulabteilung; der Reichsvertretuhg und dem Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs im Anschluß an das orthopädisch-gymnastische Institut von Frau Alice Bloch veranstaltet worden war. Die Aufnahmeprüfung für den neuen Lehrgang D wird voraussichtlich am 3. Mai dieses Jahres stattfinden, und zwar in Stuttgart. Alle Anmeldungen und Anfragen sind zu senden an die Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Berlih-Charlöttenburg 2, Kantstraße 158. Der Anmeldung sind beizufügen: polizeiliches Führungszeugnis, sportärztliches Zeugnis, Nachweis der Obersekunda-Reife (Mittlere Reife), Nachweis dec bisherigen sportlichen Betätigung mit Diplomen, Lebenslauf mit Angabe der Staatsangehörigkeit. Zugelassen werden männliche und weibliche Bewerber, die das 19. Lebensjahr vollendet haben. Kursgebühr monatlich 50 RM. Den zur Aufnahmeprüfung zugelassenen Bewerbern geht rechtzeitig eine Aufstellung der sportlichen Mindestleistungen für die Aufnahmeprüfung zu. Persönliches Bei der Beerdigung Joseph Feiners sprach. Oberrabbiner Dr. Italiener für die Familie und würdigte insbesondere des Heimgegangenen große Verdienste um die Hamburger jüdische Gemeinde. In zwei Wahlperioden gehörte Feiner als eifriger Vertreter von Schulfragen dem Repräsentantenkollegium und seit Jahrzehnten bis zuletzt dem Schulvorstand des jüdischen Mädchenschule an. Waisenhausdirektor Raphael

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.