Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 5 (1.5.1938)
- Date
- 1938-05-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 5 Jüdische Schulzeitung Seit© 5 später-im=£inwandeFiKigslandsich ja doch einer anderen Umgangssprache bedienen müsse, wenig mehr angehe. Aber das Kind bedarf auf jeden Fall einer Bildung des sprachlichen Ausdruckvermögens, des Sprachgefühls und der logischen Denkfähigkeit. Diese Bildung kann das Kind nur am Material seiner Muttersprache im Sinne der täglichen Umgangssprache erwerben. Wenn es sich ermöglichen ließe, die Kinder, deren künftiges Einwanderungsland feststeht, schon jetzt und hier auf die künftige Landessprache als gegenwärtige Umgangssprache umzustellen, dann könnte man den Deutschunterricht vernachlässigen. Tatsächlich aber ist diese Umstellung' nicht möglich und aus den Kreisen der Mittleren-Hachscharah und der Jugend-Alijah wird beispielsweise darüber geklagt, daß der hebräische Sprachunterricht unter einer mangelhaften deutschen Spracherziehung leidet, so daß sich hier Nachbesserungen als notwendig erwiesen. Es muß also auch angesichts des künftigen Auswande- Tungsschicksals der Kinder beim Deutschunterricht bleiben. Im Dienste der Bildung des sprachlichen Ausdrucksvermögens, der Bildung des Sprachgefühls und der Bildung der logischen Denkfähigkeit ist der Deutschunterricht mit unerbittlicher Sachlichkeit, mit unerbittlichem Verantwortungsbewußtsein gegenüber der Sprache und mit unerbittlichem Qualitätsgefühl gegenüber den Sprachwerken durchzuführen. Kein Ressentiment darf ihn beeinträchtigen, keine auf bestimmte Gedankeninhalte gerichtete Tendenz darf ihn von den eigentümlichen Aufgaben abziehen, die nun einmal die Spralch- und Denkerziehung in der Müttersprache hat. .* ■ Ein weiterer Aufsatz folgt Die Red. Fragen der Berufswahl Unsere Jungens und Mädchen sind zwar schon vor Wochen aus der Schule entlassen worden und haben sich, soweit es ihnen möglich gemacht worden ist, irgendwo in die Lehre begeben. Dennoch gibt es eine große Anzahl von Unentschiedenen und von jungen Menschen, die noch keine Lehrstätte haben finden kömnen. Sie suchen häufig mit ihren Eltern Rat beim Lehrer, und namentlich in den mittleren und kleineren Gemeinden ist ihm die Aufgabe zuerteüt, in Gemeinschaft mit den Vertretern unserer großen jüdischen Organisationen der Jugend den Weg zum Beruf und zum Lande zu weisen, in dem der Beruf ausgeübt werden soll. Die Reichsvertretuing der Juden in Deutschland* die Jüdische Gemeinde Berlin und der Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands e. V. haben jüngst eine Broschüre herausgegeben, in der alle Fragen aufs gründlichste behandelt werden, über die in den Beratungsstunden Auskunft zu geben ist. Sie trägt den Titel „V o r der Berufswahl, ein Wegweiser für jüdische Eltern und Kinder". Es hätte» hinzugefügt werden dürfen „für Lehrer"; denn gerade die Lehrerschaft wird die Schrift aiufs eingehendste durcharbeiten. Sie wird es tun nicht nur zum Zweck der Beratung, sondern zugleich auch zur Verwendung im Unterricht. Denn schon während der Schulzeit, namentlich in den letzten Monaten vor der Entlassung der Kinder, muß die. Beratung einsetzen in Form von Belehrungen aller Art. Es ist ein Stück wichtiger Auswanderungskunde, das aus dem Büchlein zu uns spricht, und deshalb sei sein Inhalt hier eingehend betrachtet. Dr. Georg L u b i n s k i leitet die Schrift ein mit einem Beitrag über „Grundsätzliches zur Berufswahl". Er führt etwa folgendes aus: Die individuelle Berufsentscheidung wirkt auf das Schicksal der Gemeinschaft zurück, und umgekehrt beeinflußt dieses die Berufsentscheidung des Einzelneri. Neigung und Eignung bestimmen die Berufswahl vom Individuum her, die Verwertbarkeit des Berufes vom Ziellande her: Es ist notwendüg, das hierin beschlossene Subjektive und Objektive in Einklang zu bringen. Wegen der Ungewißheit hinsichtlich der Wandermöglichkeiten geht das Kalkül kaum auf; es bleibt ein Wagnis. Bei der Berufswahl spielen religiöse, politische, psychologische- und gesellschaftliche Rücksichten eine Rolle. Hier werden nur die zuletztgenannten betrachtet Es sind die „Lebensumstände", die von den Auswanderern beachtet werden' müssen. Das gilt insbesondere für diejenigen, die P a \ ä s ti n a als Zielland ins Auge fassen. Hier kann menschlich und in der Arbeit Wurzel geschlagen werden. „Hier allein hofft er auch seine nationale Frage als Jude territorial zu lösen, braucht er sich nicht fremdem Volkstum anzupassen, sondern kann zu seinem eignen Volk zurückkehren. Hier wartet auf ihn eine Gemeinschaft von gleichem historischem und religiösem Schicksal, hier ist er kein Fremder, sondern ein heimkehrender Sohn des Volkes. Es empfängt ihn eine Gemeinschaft, in deren Mitte er leben kann, schnell eingeordnet in engere Kreise, die ihm das Gefühl nehmen, allein zu sein. Sein persönlicher Einsatz dient nicht allein der Lösung seiner Existenzfrage, sondern, am richtigen Ort, zusi^h. der Schaffung neuer Lebensmöglichkeiten für sein Volk." Freüich geht der junge Mensch auch schweren Entbehrungen entgegen, und das Gefühl, materiell und politisch gesichert zu sein, wird sich nicht einstellen. Weniger vom Weltanschaulichen bestimmt ist die Auswanderung nach Uebersee. Auch hier bedarf es gründlichster Ueberlegungen bezüglich der Berufswahl. Im Gegensatz zu Palästina sind die meisten Ueberseel ander den landwirtschaftlichen Siedlern fast ganz verschlossen. Dagegen sind die Aussichten für Handwerker und bei Mädchen für Hauswirtschaftlerinnen günstiger. Die Ausbildung muß wegen des zu erwartenden schweren Konkurrenzkampfes besonders sorgfältig sein. Sie hat sich im wesentlichen auf die sogenannte Handarbeit zu erstrecken, nicht nur deswegen, weil in Deutschland für die intellektuellen Berufe nur noch sehr beschränkte Möglichkeiten bestehen, sondern auch weil Einreise- und arbeitsrechtliche Bestimmungen in den meisten Ländern die Handarbeiter bevorzugen. Der eigentlichen Berufsausbildung kann in wertvoller Weise vorgearbeitet werden schon während der Schulzeit. Namentlich dann, wenn ein neuntes Schuljahr mit einer Fremdsprache und mit einem großen Quantum Judentumskunde eingerichtet ist, oder wenn die sogenannte Vorlehre die jungen Menschen betreut. Vierzehnjährige sollen tunlichst erst dann in die Lehre kommen, wenn diese vier Jahre dauert und die Möglichkeit einer Gesellentätigkeit im Inland voraussichtlich noch besteht. In jedem Falle muß der fremdsprachlichen Ausbildung das größte Augenmerk zugewandt werden. Die Ausbildung kann in verschiedenen Weisen erfolgen: Einzelausbäldung in traditioneller Form, Kollektivausbildung auf Gütern, in Lehrwerkstätten, desgleichen verbunden mit Internat, in Ausnahmefällen Ausbildung in Fachschiiten und schließlich Ausbildung im Zielland selber. Die Kosten sollen grundsätzlich von den Eltern getragen werden. Im Falle des Unvermögens treten ein andere Angehörige, Verwandte, jüdische Gemeinden und die Bezirksstellen. Soweit das Grundsätzliche zur Berufswahl. Es folgen eine Reihe von Beiträgen unter der Ueberschrift: „Berufsbild e r", die dem Leser in ihrem Gesamt ein ungemein anschauliches Bild geben von der Mannigfaltigkeit der Arbeit, die innerhalb der aufs äußerste durchorganisierten menschlichen Gesellschaft zu leisten ist In mehr als sechzig knapp aber anschaulich gehaltenen Monographien ziehen die vielen Handwerker an unserm Auge vorüber, die Kopf und Hand zur Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse anstrengen müssen. Die Lektüre gewährt nicht nur eine wertvolle sachliche Bereicherung, sie gibt uns Lehrern viel wichtiges Material zur Behandlung im Unterricht an die Hand und setzt uns in den Stand, den jungen Menschen behilflich zu sein, wenn es gilt, Entscheidungen fürs Leben zu treffen. Einen dieser Aufsätze aus der Feder des Bonner Mathematikprofessors Otto T o e p - litz finden die Leser an anderer Stelle vollständig abgedruckt, weil er sich mit einer Frage befaßt, die weit in den Hintergrund unseres Nachdenkens gerückt ist, mit der des akademischen Studiums. Die Bearbeiter der Berufsbilder sind Hans. Deutsch krön, Erich Salinger, Lotte Ländau, Martin Oerson. Die beiden zuerst genannten Herren haben weiterhin die Frage beantwortet „Wie