Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 4 (1.4.1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 4 J ü d i s cheSchuilzeitung Seite 5 einem Fund etwa aus dem Jahre 1, daß schon 2 Buchstaben der aramäischen Schrift dazu benutzt waren. Der Zwiespalt oder der Widerstreit der beiden Schriften zeigt sich ganz deutlich in Jesajah K 8, V 1. Jesajah erhält den Befehl, etwas in der bürgerlichen Schrift (bechered enosch) niederzuschreiben. Jedenfalls, weil das Volk diese Schrift besser lesen konnte, oder auch-an ihr als nationalem Gut festhielt. Die heilige Schrift der Samaritaner ist noch in dieser althebräischen Schrift geschrieben, allerdings sind Buchstabenformen auch schon etwas verziert und verändert Auch bei den Juden stellte sich die Notwendigkeit heraus, die Zeichen zu kürzen oder handgerecht umzuformen; wo das schlecht zu machen war, übernahm man einfach einzelne Buchstaben der Aschurit. Ganz deutlich aber erkennt man noch die Form der althebräisclien Buchstaben in den Zeichen für Alef, Bet, Dalet, He, Tet, Lamed, Mem, Ajin. Resh. Schin, Tav. Aus der Aschurit übernommen sind wahrscheinlich: Gimel, Chet, Jod, Kaf, Samech Pe. Genau läßt sich das deshalb nicht feststellen, weil ja die Quadratschrift auch von der althebräisehen Schrift abgeleitet ist, wie alle\Alphabete der Welt überhaupt, und weil viele Buchstaben der Aschurit nicht viel von den althebräischen abweichen, wie z. B. Tet, Kof, Resch. Noch auf einer Hand'shrift des Kommentars zur Mischnah von Maimonides und anderen, noch jüngeren Handschriften in der Bibliothek in Oxford sind deutlich die Buchstaben Alef, Lamed, Mem und Tav als Rudimente der althebräischen Schrift zu erkennen; ja sogar das Wav, von dem man annehmen sollte, daß es aus der Quadratschrift entnommen sei, hat vollständig die althebräische Form beibehalten. Au's dem Gesagten ergibt sich, daß die hebräische Schreibschrift im allgemeinen eine handgerecht umgeformte Fortsetzung der althebräischen ist. Otto Geismar, Berlin-Dahlem. Vom Theater der jüdischen Schule Nicht mit Unrecht ist mitunter davon die Rede, daß die jüdische Jugend in Berlin, betreut von der größten jüdischen Gemeinde in Deutschland, vielfach besser gestellt sei als ihre Altersgenossen in den Mittel- und Kleingemeinden. Wenn nun hier etwas vom Theater der Jüdischen Schulen erzählt wird, so wird manchen Kollegen, der im Reich unter weniger günstigen Bedingungen arbeitet, ein leises Gefühl des Neides beschleichen: ist doch die jüdisch-kulturelle Betreuung selbst der erwachsenen Mitglieder seiner Gemeinde oft recht dürftig. Muß ein Theater für die jüdische Jugend nicht geradezu als Luxus, als ein unverantwortliches Experiment anmuten? In der Tat war das vor zwei Jahren auch die Meinung verantwortlicher Persönlichkeiten und Instanzen. Die Aktivität der Leiter unserer jungen Bühne (Werner Hinzelmann und Ernst Rosenbaum) überrannte alle Hindernisse, und seit zwei Spielzeiten überzeugt die Leistung des Ensembles Schüler, Lehrer und Eltern vom Sinn und Wert eines eigenen jüdischen Jugendtheaters. Etwa 2500 feste Abonnenten zählt die Spielgemeinschaft aus den Reihen unserer Schüler. An zwei Tagen monatlich bietet das Brüdervereinshaus ein besonderes, herzerfreuendes Bild: die jüdische Jugend hat ihr „gesellschaftliches Ereignis". Die Oberstufe unserer Volksschulen, Jungen und Mädchen unserer höheren Schulen, Vorlehre, Haushaltüngs- und Handelsschule erleben gemeinsam Theater. Dichtungen werden lebendig, Sprache läßt ihren magischen Zauber wirken. Mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln wird ernstzunehmende Kunst geboten. Ließ die erste Spielzeit oft noch ein gewisses Tasten und Suchen erkennen, so darf man mit ..Befriedigung feststellen, daß in der Spielzeit 1937/38 das Theater seinen eigenen Stil gefunden hat. Unsere Schüler haben 'viele schöne Bühnenwerke der Weltliteratur gesehen. Sie haben jüdisches Leben mit all seiner Problematik von der Bühne her auf sich wirken lassen. Fast jede Aufführung gab Gelegenheit, das Gesehene und Erlebte in einem Lehrgdsprach! nach der inhaltlichen Seite hin zu erweitern und zu vertieföri sowie künstlerische Gesichtspunkte herauszuarbeiten. Allein seit Oktober v. J. haben wir folgende Stücke gesehen: Von Shakespeare: „Komödie der Irrungen", Hirschfelds dramatische Bearbeitung des „Pojaz" von Franzos, Scribes routiniertes „Glas Wasser", Gutzkows „Uriel Acosta" in neuer jüdischer Fassung (Friedenthal), den „Geizigen" von Moliere. Von den Darstellern sollen außer den Leitern (Hinzelmann ist ein vielseitiger Künstler, Rosenbaum führt mit sicherer Hand Regie) besonders genannt sein: Steffi Rosenbaum, Alfred Lichtenstein und Bert Baer. Unter Verzicht auf alles Starwesen wird gute Ensemblekunst geboten. Anläßlich des zweijährigen Bestehens des Theaters der Jüdischen Schulen waren Schauspieler, Vertrauensleute der Schulen und Pressevertreter im Anschluß an eine Vorstellung gemütlich beisammen. Hinzelmann sprach von den Zukünfisaufgaben seiner Bühne, entwarf kühne Pläne einer Bespielung der jüdischen Provinz und bat die Lehrerschaft um ihre Mitarbeit und Unterstützung wie bisher. Intendant Dr. Singer sprach freundliche und ermunternde Worte zum kleinen Bruder des großen Kulturbundes. Für die Schulen nahm Prof. Dr. Levinstein das Wort. Er erwiderte den Dank; die Schule empfängt durch die Arbeit dieses Theaters so viele fruchtbare Anregungen, daß man nie mehr auf unser Theater der Jüdischen Schaden verzichten möchte. Wenn das Theater unserer Jugend an Sie, meine Kollegen und Kolleginnen, mit der Bitte herantritt, ihm zu helfen: dann bin ich sicher, daß diese Bitte nicht ungehört verhallen wird; Sie helfen damit Künstlern, die durch Leistung bewiesen haben, daß sie unsere Hilfe verdienen und dienen damit zugleich der notwendigen musischen Erziehung unserer Schuljugend. Johannes Wolff, Berlin. Zur jüdischen Auswanderung Seit fünf Jahren kämpfen Juden ihren Kampf ums Dasein. In tiefster Not hat der Hilfsverein der Juden in Deutschland gemeinsam mit der Reichsvertretung der Juden das verantwortungsvolle Amt des Sachwalters für alle die übernommen, die den Gedanken der Auswanderung nach Uebersee erwägen. Zehntausende haben in diesen Jahren Rat und Betreuung für ihre Auswanderungspläne gefunden, Hunderte suchen täglich die Beratungsstellen des Hilfsvereins auf, um sich die Kenntnisse zunutze zu machen, über die er durch seine Erkundigungen, Informationen und Erfahrungen verfügt.! Zahlen sprechen am besten für seinen Erfolg: Von 1933 bis jetzt hat der Hilfsverein rund 26 000 unterstützte Auswanderer betreut. Darüber hinaus aber hat er den Unzähligen, die einer solchen Unterstützung nicht bedürfen, seinen Rat zuteil werden lassen. Er hat während des Jahres 1937 insgesamt in über 100 000 Fällen Auskunft erteilt die Aus- Ausfallen und Ihrem Briefträger mitgeben oder unfrankiert in den Briefkasten werfen POStheStellSCheill für Neuabonnenten ***** Postamt (Zeitungsstelle) Hier* Ich — Wir — bestelle— hiermit zur regelmäßigen Zustellung die monatlich lmal erscheinende Jüdische Schulzeitung Verlagsort Mannheim 2 zum Preise von RM. —.75 pro Vierteljahr, zuzüglich 6 Rpf. Postzustellgebühren. Genaue Adresse des Absenders: Vor-u.Zuname: ............................................................................................................... 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