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Jüdische Schulzeitung · 1938-04-01 · 4 (1.4.1938) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
4 (1.4.1938)
Date
1938-04-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 J ü d i s c h e S c h u 1 z e i t u n g Nummer;4; aktivieren, sie selbständig handeln zu lassen, anzuwenden. Dabei dürfen die den Kindern anvertrauten Aufgaben ihre Kräfte nicht übersteigen. Leicht auszuführen ist der Vortrag des Kiddusch rabba, die Verrichtung des Tischgebetes und gegebenenfalls das Vorlesen von Geschichten. Diese Aufgaben müssen in jeder Hinsicht vorbereitet sein. Die Behandlung des Themas erfolgt in der-Regel durch den Rabbiner oder den Lehrer. Es ist eine ausgesprochen pädagogische Frage, die in erster Linie vom unterrichtlichen Geschick desjenigen abhängt, der den Oneg leitet, inwieweit die Behandlung der Wochensidra oder des sonst gestellten Themas mehr dozierend oder durch gemeinsame Herausarbeitung erfolgt. Darüber lassen sich keine Normen aufstellen. * Die Art der Durchführung hängt auch ganz vom gestellten Thema ab. Ich denke z. B. an einen Oneg am Schabbat Mischpatim. Hier werden mit Hilfe der Kinder zuerst an Fällen des praktischen Lebens die Begriffe des Zivil- und des Straf rechtes herausgearbeitet, um anschließend auf einzelne Vorschriften der -Sidra angewandt zu werden. Am Schabbat Mattot-massej kann das Thema der jüdischen Wanderung im Vordergrund stehen. Dann hat der Leiter des Onegs Gelegenheit, zusammenhängend über Wanderungen der Juden zu sprechen. Eingangs habe ich schon'gesagt, daß der Oneg möglichst im kleinen Kreise durchzuführen ist.. In diesem Falle wird die Bearbeitung des Themas durch gemeinsame Aussprache vorzuziehen sein. Wenn auch in der Regel der Leiter des Onegs immer Lenker;der Besprechung bleibt, so schließt das nicht aus, daß man ihn durch reifere Schüler zeitweise ganz selbständig veranstalten läßt. Die Versuche, die vom Schülermaterial abhängen, haben nicht immer den erhofften Erfolg. Lehrer und Schüler sollen beide ihre besten Kräfte für denv Oneg einsetzen. 5. Das Thema des Oneg Schabbat: Bei der Sseudah schelischit sitzen die Chassidim im Osten um den Raw geschart, um gespannt seinem Vortrag über die Wochensidra zu folgen. So schließt sich auch in der Regel das Thema eines Oneg Schabbat an die Wochensidra an. Der Sabbat ist der Tag der Vertiefung in die Lehre. Ein Oneg hat schon dann seine Aufgabe erfüllt, wenn auch nur e i n wesentlicher Satz der Sidra durch Besprechung, durch eine weitergehende Erklärung unter Heranziehung der Kommentare und des Midrasch im Bewußtsein verankert wurde. Das alles muß auf schlichte, einfache Weise geschehen. Die Behandlung von Teilen oder Sätzen der Sidra soll die Geschehnisse und Vorschriften der Thora verlebendigen, soll sie im zeitnahen Lichte erscheinen lassen, soll versuchen, möglichst an das Erleben des jüdischen Kindes anzuknüpfen. Und wenn wir es verstehen, die Worte der Thora zu wenden und wieder zu wenden, so dürfte es nicht schwer sein, dieser Forderung zu entsprechen. Es ist z. B. naheliegend, bei der Sidra „Lech lecha" davon zu sprechen, daß Abraham der erste Oleh war, der nach Erez hinaufzog. Anschließend werden die verschiedenen Alijot behandelt. Auch die Bedeutung des Wortes „Alijah" als Aufgang zur Thora ist heranzuziehen, wobei 'einmal die Reihenfolge derjenigen festgestellt wird, die verpflichtet sind, aufzugehen. Aus den 54 Sidrot greife ich willkürlich „Mattot" heraus. Hier kommt das Wort „Chaluzim" vor, r das den Kindern geläufig ist und Grundlage einer Aussprache werden kann. Die zufällige Auswahl der Begriffe „Alijah" und „Chahir zur" zeigt nur eine Seite der Ausdeutung und soll nicht etwa die überzeitlichen religiösen Forderungen und Fragen der Thora in den Hintergrund drängen. Es kann und soll nicht Zweck dieser Ausführungen sein, im besonderen Anregungen und Vorschläge zur Behandlung von Themen für einzelne Sid* rot zu geben. Diese spezielle Aufgabe hat in vorbildlicher Weise die „Jüdische Rundschau" in ihrer.Rubrik „Wie gestalte ich den Schabbat?" während dreier Jahre durchgeführt. Die nunmehr abgeschlossene Reihe gab den Onegleitern viele Anregungen und wäre wert, in Büchform zu erscheinen. Die Veröffentlichungen der Rundschau haben, auch in methodischer Hinsicht, wesentliche Beiträge für die Stoffäuswahl und die Stoffbehandlung geliefert. Neben die Besprechung der Wochensidra tritt in gegebenen Fällen die Beschäftigung mit der Haftara. Ich weise nur auf den festen Zyklus vom 17. Tammus-bis zum Ende des religiösen Jahres hin. Oft können die Beziehungen zwischen Sidra und Haftara leicht festgestellt werden. An wichtige Prophetenabschnitte schließt sich ein Lebensbild und eine Charakterisierung des jeweiligen Verfassers an. Ueber die verschiedenen Stoffgebiete, die außer Sidra und Haftara in Betracht kommen, schreibt die „Jüdische Rundschau" bei der Abschlußbesprechung der Vorschläge zur Schabbatgestaltung am 17. September 1937: „Außer den Stoffen, die direkt mit dem geistigen Gehalt des betreffenden Schabbat und der an ihm gelesenen Stücke der Bibel in Zusammenhang stehen, wurden auch-sonstige jüdische Wissensgebiete behandelt. So wurden Fragen der jüdischen Geschichte, einzelne ihrer Abschnitte und Persönlichkeiten, jüdische Schriftsteller und Dichter, volkskundliche Fragen, Abschnitte der Liturgie, die Entwicklung der Halacha und Aggada und zum Schluß Fragen der Haskalah-Literatur erörtert." Hierzu muß ergänzt werden, daß die Onegim ständig in Beziehung zum Ablauf des jüdischen Jahres gebracht werden. Belehrungen über den jüdischen Kalender schließen sich an, auch eine gelegentliche Zusammenstellung der ausgezeichneten Sabbate. Von aligemeinen Themen, die ein oesonderes Interesse fanden, seien hier genannt: Minhagim, Bau und Einrichtung einer Synagoge in alter und neuer Zeit, über jüdische Gerichtsbarkeit, die Entwicklung des Gottesdienstes, aus der Geschichte des Synagogengesanges, das Leben der Juden im Ghetto n. a. Diese Themen wurden nicht willkürlich ausgewählt, sondern standen irnmej: in £iner Beziehung zur Sidra der Woche: Bau und Einrichtung einer Synagoge Sidrot Terumah oder Wajakhel. Von jüdischer Gerichtsbarkeit Schoftim. Synagogengesang — Beschallach (Meereslied). In den Onegim der bündischen Jugend erfolgt oft die- Besprechung der gestellten Aufgabe auf Grund einer Vorlesung oder einer gemeinsamen Lektüre aus Bibel, jüdischem Schrifttum oder jüdischer Literatur. Dieser Weg kann auch zeitweilig in" den Onegim der Schulen beschritten werden, obwohl bei einer Vorlesung, insbesondere/wenn sie länger dauert, nicht immer die erwünschte Aufmerksamkeit zu erzielen ist. Die Behandlung des Wochenabschnittes kann gelegentlich durch Hinweise auf Werke der bildenden Kunst und durch ihre Besprechung vertieft werden. Bei der Sidra Ki sissa denke ich z. B. an die .verschiedenen Darstellungen der Bundeslade und an die Bilder und Plastiken von Moses von Michel Angelo bis zu Lesser Ury. 6. Das Singen yon Semirot und Niggunim: Zu den Semirot macht der durch seine scharfe Polemik gegen die Anhänger von Sabbataj Zwi bekannte Rabbi Jacob Israel Emden in seinem Kommentar zum Gebetbuch „Beth Jaakow" einige interessante Bemerkungen: „Nach der-Meinung unserer Weisen ist esalter Brauch, am Sabbat während der Sseuda zu singen. Die Worte der Semirot leschabbat sind dem Tenach, dem Talmud, dem Sohar und den Midraschjm . entnommen: Sie deuten den Inhalt des Sabbats aus. Derjenige, der die Semirot singt, bringt Gutes in die Welt, Gott verbindet sich mit ihm, merkt auf seine Stimme, ist besänftigt und erhält die Welt, daß sie nicht zerstört werde. Gerade der Sabbat ist die Zeit des Gesanges zum Lobe des Ewigen". Nach den obigen Worten bedarf der Brauch des Semirot-. singens keiner weiteren Begründung. Von Bialik in seine Feiern aufgenommen, gehören diese Gesänge zu jedem Oneg.: In der Mainummer 1937 der „Blätter des Jüdischen Frauenbundes" schrieb ich einen einführenden Aufsatz Vom Semirot-r Singen'V Innerhalb der Pflege des hebräischen Liedes verlang gen die Semirot eine besondere Beachtung. Die oft inhaltreichen Texte haben in manchen Fällen eine mehr oder wef

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