Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 4 (1.4.1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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14. lahrgang Yerlagsort: Mannheim 2 Nummer 4 jüdische Schulzeitung Monatssdirift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik ■. Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaiserstraße 29) Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats. Postbezugspreis: 0.75 pro Quartal. Mannheim, den i. April 1938 Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Redakteur: Dr.SiegfriedBraun K ö 1 n-S ü I z, UnkelerstraBe 17 Reichsverband der jüd, Lehrervereirie Josef Feiner. Im 75. Lebensjahre verschied in Hamburg unser Vorstandsmitglied Herr Rektor i. R. Josef Feiner. Nahezu 40 Jahre gehörte er dem Verbands vor stände an, zuerst als Schriftführer und Kassierer, von 1908—1923 als Vorsitzender und seitdem als Ehrenvorsitzender. Stets stand er in vorderster Reihe, wenn es galt, die Ehre des Standes zu wahren und seine Belange zu vertreten. In seinem rastlosen Bildungsstreben war er der gesamten jüdischen Lehrerschaft ein leuchtendes Vorbild; Sie wird ihm in steter Dankbarkeit ein treues Gedenken bewahren. Rosenfeld-München. Steinhardt-Dresden. Reschke-Berlin. Als Joseph Feiner im Oktober 33 sein 70. Lebensjahr vollendete, da schrieb Steinhardt als der Mann, der viele Jahre hindurch die jüdische Lehrerschaft an Feiners Seite mitgeführt hat, in diesen Blättern eine Würdigung der Lebensarbeit des Freundes und Weggenossen. Wer heute, da dieser Mann von uns gegangen ist, jenen Gebtirtstagsaufsatz noch einmal liest, dem wird, auch wenn er Feiner nicht kannte, doch offenbar werden, was sein Heimgang bedeutet. Solch aufrechte, kämpferische, geistig bewegliche Menschen sind seltene Erscheinungen. Es ist nicht nur ein Einbruch in zwischenmenschliche Beziehungen, wenn ein bedeutender Mann von uns geht, sondern zugleich immer auch ein Verlust an Gemeinschaftssubstanz. Joseph Feiner hat bis ins hohe Alter hinein stetig gearbeitet. Die letzte Frucht seines Schaffens ist der Gedichtband „Not und Hoffnung" gewesen, den er mit ein paar Freunden herausgab. Am Ende hat sich wohl die Düsternis der Zeit und des eigenen Ungemachs um die .Seele des Heimgegangenen gelegt; sein Leben ist nur noch eine schwere Last gewesen, und so kam ihm der Tod als Freund zur rechten Stunde. Wir wollen Joseph Feiners nicht vergessen! Zur Gestaltung des Oneg- Schabbat in "der. jüdischen Schule von Erich Mendel-Bochum (Schluß) 3. Aufbau des Oneg Schabbat: Die in vielen jüdischen Gemeinden und Schulen bisher -durchgeführten Onegim haben in ihrer Formung sehr abweichende Ergebnisse, gezeitigt. Wer nicht auf orthodoxem Standpunkt steht, wird eine Neuerung jüdischer Feiergestaltung, die von .echtem, jüdischen Geist getragen ist, gern begrüßen, so weit sie wirklich neue religiöse Impulse zu geben vermag. Ebenso jedoch, wie sich im religiösen Liberalismus heute eine Hinwendung zu . den altjüdischen Bräuchen zeigt, so muß auch für den Oneg im Grundaufbau eine möglichst.an jüdische üeberlieferungen anknüpfende Form gefordert werden. Diese ist am Sabbatmorgen durch den Kiddusch rabba gegeben. (Vergl. Zobel, Der Sabbat, S. 69, 160, 175, Bücherei des Schokkenverlages.) Der Kiddusch leschacharit beschabbat, auch Kiddusch rabba, der große Weihesegen genannt, zu finden im Siddur Sefat Emet S. 136, beginnt mit „Weschomru". Diese Verse aus dem 31. Kapitel des II. Buches Moses singt man z. B. gemeinschaftlich nach der bekannten Melodie von LewandowskL... aus „Kol rinnah utefillah", Nr. 24. Ebenso kann „Weschomru" als Einzel- oder Chorgesang im Steiger vorgetragen werden. (Vergl. über Steiger „Jüdische Schulzeitung" 1937, Nr. 3, S. 3.) In der stilvollen musikalischen Ausgestaltung der Texte des Oneg Schabbat bieten sich den jüdischen Komponisten noch manche Möglichkeiten. Anschließend folgt das vierte Gebot in den Neginot der Thoravorlesung oder wieder im Steiger. Nun sagt man die Segenssprüche über Wein und Brot. Mit der Verteilung der Mauzi ist das vorgeschriebene Ritual des Kiddusch rabba beendet. Im „Siddur Tefillat Jisrael" von Dr. Michael Sachs, dem speziellen Kenner der religiösen Poesie, ist auf S. 220 dem Kiddusch für den Sabbatmorgen ein Gedicht von Chajjim Jizchak „Chaj haschem uwaruch zuri" vorangestellt. Auch dieser schöne, inhaltsreiche Text harrt einer schlichten Vertonung, um so einen wirkungsvollen Eingangsgesang zu bilden. Arno Nadel teilt dazu in seinem Buch „Semirot schabbatJt S. 30 eine süddeutsche und eine chassidische Weise mit. Nach dem Kiddusch rabba wird das vorgesehene Thema behandelt. Anschließend singt man Semirot und andere hebräische Lieder. Bekanntlich gibt es für die „Schalosch sseudot" drei Gruppen von Semirot Da die Lieder der Gruppe für Freitagabend die größte Verbreitung gefunden haben, während die anderen Semirot im Westen wenig bekannt sind, so werden gerade die Freitagabendlieder auch am Sabbatvormittag gesungen. Durch Arno Nadeis „Semirot schabbat" wird es den Musiklehrern erleichtert, auch diese Gesänge zu pflegen. Wenn zu beginn Mauzi verteilt wird, spricht man am Schluß das Tischgebet, eingeleitet durch „Schir hamaalot". Mit der Verrichtung des Tischgebetes kann der Oneg beendet werden. Ich darf hier noch einmal wiederholen, daß sich die vorstehenden Ausführungen selbstverständlich nur auf den Oneg am Sabbatmorgen beziehen. Während ein Oneg am Freitagabend, der wie schon gesägt, im Winter im Anschluß an den Gottesdienst liegen kann, mit „Schälom alechem" und dem Kiddusch eingeleitet wird, fehlt für den Oneg am Sabbatnachmittag ein religiöser Brauch, abgesehen vom Singen der Semirot. Ist es jedoch Winter, so findet dieser Oneg praktischer Weise etwa eine Stunde vor Sabbatausgang statt, um ihn dann mit der Hawdala und den Gesängen „Hamaawdir und „Elijahu hannawi" zu schließen. 4. Die Träger des Oneg Schabbat: Die unter 3 gegebene äußere Form bedarf einer lebendigen Ausfüllung. Und gerade von ihr hängt im wesentlichen das Gelingen des Oneg Schabbat ab. Auch im Oneg ist das in der modernen Pädagogik angewandte Prinzip, die Kinder zu