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Jüdische Schulzeitung · 1938-03-01 · 3 (1.3.1938) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
3 (1.3.1938)
Date
1938-03-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nummer^... ihre Schrecken' verlieren, wenn man mit' einem bißchen' Lehrgeschick die Kulturgeschichte als Rüstzeug benutzt. Der 'Bedeutungswandel, das ^große Gebiet der Namenkunde, besonders der Geschichte der jüdischen Vor- und Familiennamen (vergl. Keßler, Die Familiennamen der Juden in Deutschland. Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte E. V., Leipzig 1935) können im achten Schuljahr, im Aufsatz Verwehdung finden: „Was mein Name schon alles erlebt hat." „Ein Wort erzählt seine Geschichte." Nicht uneben wurde das von einem Schüler des siebenten Schuljahres vorgeschlagene Thema behandelt: „Was ich aus der letzten Aufsatzbesprechung gelernt habe." Weiter kann die Schülerbibliothek wichtige Hilfen geben, indem die sozusagen „außerdienstliche" Lektüre der Kinder in die Schularbeit eingespannt wird. Inhaltsbeschreibungen sind verpönt, wohl aber kann man z. B. im achten oder neunten Schuljahr aus den Aussprüchen und Taten der handelnden Personen eines Romans oder dergl. Charakteristiken entwickeln lassen. Gerade im letzten Schuljahr könnte so etwas angestrebt werden, da es das Kind zur Klarheit vor sich selbst erzieht. Auf den Wert der Darstellung als eigenes Erlebnis oder in Briefform braucht wohl nicht mehr hingewiesen zu werden. Erdkunde, Palästinakunde überschütten uns mit einer Fülle von Themen: „Eine Weltreise in meinem Briefmarkenalbum." „Europa im Schaufenster unseres Feinkostwarengeschäftes." „Im Reisebüro." „Kann ich das Klima in Erez aushalten?" „Ein Tag im iKibbuz." „Wenn ich Präsident von Erez Israel wäre . . ." „Portier im King David Hotel in Jerusalem." : Bietet schon der Unterrichtsstoff an sich einen großen Spielraum für die Auswahl von Aufsatzthemen, so ist das außerschulische Leben des Kindes eine unerschöpfliche Quelle, die die Arbeit an der Lösung der Bildungsaufgabe unserer jüdischen Schule befruchten kann. Hiermit ist dem Lehrer ein weiteres wichtiges Mittel zur Entwicklung des Sprachgefühls und des Stils seiner. Kinder in die Hand gegeben. Wie ist doch das arme Thema „Mein schönster Ferientag" zu Tode gehetzt worden. Man versuche aber einmal im sechsten und siebenten Schuljahr vorzuschlagen: „Als ich mir die Hose zerriß." „Wir sind patschnaß geworden." „Was würde ich machen, wenn .es keine Schule gäbe." „Wenn ich 100 Reichsmark hätte ..." Im ächten und neunten Schuljahre wurde gern über Kinoerlebnisse berichtet: „Warum ich gern ins Kino gehe." „Müsseh Kriminalfilme kitschig sein?" „Buch oder Kino?" Die Phantasie anregend, wenn auch drastisch in der Form war das von Schülern des achten Schuljahres selbstgewählte Thema: „Jesaja und Trumpeidor treffen sich im Himmel." Auf anderer Ebene liegen: „Warum ich Jörn hakipurim faste." „Mazzoth und Barches erzählen sich eins." „Kidduschbecher und B'ssomimbüchse haben ein Geheimnis." Mit dem Stellen des Themas ist es allein nicht getan. Lebensvolle Uebungen-zur Bereicherung des kindlichen Wortschatzes sind auch auf der Oberstufe vorzunehmen. (Siehe hierzu: Schneider, Deutscher Stil- und Aufsatzunterricht. Diesterweg, Frankfurt a. M 1929;, Schoke, Der Deutschunterricht in der Arbeitsschule. Hirt, Breslau 1927:, Müller, Detitsche Sprachkunde in der Arbeitsschule. Klinkhardt, Leipzig ~1927). Hier kann vor allen Dingen der Sachunterricht beitragen, die Sprache der Kinder genau, anschaulich und knapp zu gestalten. (Vergl. Deutsch und Deutschkunde im Rahmen des Sachunterrichts, Alschner. Dürr, Leipzig 1928.) In den Grammatikstiinden muß dem Kinde gezeigt werden,'welchen Einfluß die Sprache unserer Bibel gehabt hat. Für uns müssen die Fremdwörter hebräischer Abstammung Wegzeichen jüdischer Wanderurig und Denksteine jüdischen Verwellens sein. Der pädagogische Wandel nämlich, unter dein die Volksschule noch immer einer Neugestaltung entgegengeht, ist kein Methodehwechsel in dem Sinne, neue Unterrichtsverfahren auszuprobieren, sondern er wird von der Notwendigkeit befohlen, den j ü d i s c h e n Raum für das Le- Seite , 3 ben unserer Kinder zu finden. Mittler und Wegbereiter hierfür scheint mir auch die Sprache, scheint mir auch geistige Bildung durch sprachliche Bildung zu sein. Zur Gestaltung des Oneg Schabbat in der jüdischen Schule von Erich Mendel-Bochum Mit dem Begriff des Oneg Schabbat verbindet sich der Name desjenigen, der diese neue jüdische Form der Sabbatfeier zuerst praktisch in die Tat umsetzte, der Name des großen hebräischen Dichters B i a 1 i k. Bialik war nicht nur der Rufer, der durch seine Dichtungen zum jüdischen Volke sprechen wollte, sein Wunsch war es, mit ihm zu leben. Deshalb wählte er seinen Wohnsitz in Tel-Awiw, mitten im pulsierenv den jüdischen Leben. Und hier wurde ihm auch die eine Erkenntnis: Die Idee des Sabbats war auch in dieser jüdischen Stadt, war überhaupt, im jüdischen Land bedroht, das Fundament jüdischer Lebensgestaltung schien durch die Nichtbeachtung des Sabbatgedankens erschüttert zu werden. Mit der weiteren Zurückdrängung des Sabbats fiel auch das Höchste, um das Bialik kämpfte, jüdische Kultur im Geiste der jüdischen Religion und im. Sinne echtenjüdischen Volkstums. Deshalb galt es ihm, eine lebensnahe Form der Sabbatgestaltung zu finden, eine Form, zu der nicht nur ein kleiner Kreis schon jüdisch interessierter Menschen kommen würde, sondern eine Form, zu der der einfache jüdische Mensch, der jüdische Arbeiter und die z. T. der Religion abgewandte jüdische Jugend sich einfinden sollten. Der Weg, den Bialik beschritt, ist bekannt; deshalb erübrigt es sich, hier über die ersten Oneg-Veranstaltungen und ihre spätere Gestaltung zu sprechen. (Darüber siehe: Ernst Simon, Chajjim Nachman Bialik, Bücherei des Schockenverlages, S. 143 ff.) Das mir wesentlich Erscheinende, das auch heute noch für die Formung des Oneg Schabbat gilt, soll jedoch gekennzeichnet werden. Zwei Momente sind hervorzuheben: das lebendige gesprochene und gesungene Wort. Im Aufbau bedarf der Oneg Schabbat einer festgelegten, allerdings nicht zu starren Gliederung, die die Voraussetzung des äußeren würdigen Verlaufes dieser Feierstunde ist. Der Oneg Schabbat soll die Zuhörenden, insbesondere, wenn der Kreis nicht zu groß ist, zu Mitgestaltern machen, soll die Teilnehmer zu einer Gemeinschaft zusammenführen. Er soll etwas von jener gehobenen Stimmung vermitteln, wie sie in ekstatischer Weise bei den Chassidim des Ostens während der Sseudah schelischit herrscht. Bialik, der übrigens nicht der Schöpfer der Oneg-Schabbat-Idee ist, sondern ihr Gestalter, die theoretische Darlegung dieses Problems stammt von Rabbi Benjamin, einem orthodoxen Schriftsteller, hat diese Eindrücke in seiner Jugendzeit tief in sich aufgenommen und ist in der Formung des Oneg insbesondere dadurch beeinflußt worden, daß er das Singen der Semirot zum wesentlichen Bestandteil der Feierstunde machte. Mittelpunkt war jedoch die Ansprache von Bialik selbst. Von Palästina ausgehend, nahm die Oneg-Schabbat-Bewegung ihren Weg zur bündischen jüdischen Jugend der Welt und hielt auch nach dem politischen Umbruch in Deutschland ihren Einzug in die jüdischen Schulen. Dr. Siegfried Braun, der Schriftleiter der „Jüdischen Schulzeitung", hat kürzlich in einem Aufsatz dargelegt, wie die jüdische Volksschule nach 1933 vor neue, grundlegende Probleme gestellt wurde. Dabei zitiert er den von Martin Buber als Ideal aufgestellten Begriff der „jüdischen Wesens schule'*. Zum Gesamtbild des Lebens einer jüdischen Schule gehören die Feiern im Ablauf des Jahres. (Hier sei einmal in parenthesi bemerkt, daß die Leistung einer jüdischen Schule ganz selbstverständlich in der unterrichtlichen Arbeit liegt und nicht in vielen Feiern und Aufführungen, die z. T. für Außenstehende aufgezogen werden.) Zu den neuen Fragen, die der Verwirklichung bedürfen, gehört auch die wöchentliche Durchführung des Oneg^ Schabbat die in vielen Fällen der Schule J üdische Schulzeitung

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