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Jüdische Schulzeitung · 1938-02-01 · 2 (1.2.1938) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
2 (1.2.1938)
Date
1938-02-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 J üdis ch e . S ch u1ze i t u.n g. Nummer. 2 . Außerdem wurde ein „Tag der Schulpraxis" eingelegt, der dem Erfahrungsaustausch zwischen jüngeren und älteren Kollegen, Schulleitern und Fachlehrkräften über Fragen der praktischen täglichen Unterrichtsarbeit dienen sollte; ' , Es sah anfangs nicht so aus, als ob aus dieser bunt zusammengewürfelten Lehrergesellschaft eine Gemeinschaft werden würde, der es am Ende des Lehrganges leid tun sollte, daß sie sich trennen mußte. Diesmal handelte es sich nicht um eine Tagung, die irgendwelche Entscheidungen treffen sollte, sondern die Lehrer setzten sich noch einmal auf die Schulbank, um zu lernen, um neuen Stoff zu gewinnen und ihr Wissen und ihren- Gesichtskreis zu erweitern. Es ist sehr wichtig, daß man nach einer langen Zeit, in der man immer nur selbst gesprochen und gegeben hat, selber wieder zuhören lernt und nehmen kann, und manch einer mag empfunden haben, wie schwer das fallen kann, wenn man lange Zeit nichts dergleichen genossen hat Im Laufe dier Zeit bildete sich für den ganzen Lehrgang ein ganz besonderes Gepräge aus, das durch einige Formen des gemeinschaftlichen Lebens hervorgerufen wurde. Zu dieser äußeren Form verhalfen nicht zuletzt das gemeinschaftliche Singen im Sinne Karl Adlers, ohne das man niemals die Arbeit am Morgen aufnahm und abends beendete, und die Tischsprüche, die Prof. Kantorowicz zur Situation passend auszuwählen verstand. Die innere Form aber wurde durch die Lernenden und Lehrenden selber hervorgerufen, durch ihre Persönlichkeit und durch ihre Art zu lehren und zu lernen. Wie das Arbeitsprogramm zeigt, wurden nicht alle Fächer behandelt. Das Hauptgewicht lag diesmal auf Hebräisch, Geschichte, Deutsch, Singen und Turnen, ein späterer Lehrgang wird auch die anderen Fächer erfassen. Es kam aber viel weniger auf Stoffgewinnung für den Unterricht an als auf solche für die Bildung des Lehrers selber. Nur wer selbst viel hat, kann viel geben. Da wurde denn auch eine ganze Menge aufgenommen, aus plantechnischen Gründen oft zu viel. Ein Arbeitstag sah folgendermaßen aus: 7 Uhr Wecken, 7.15 Uhr Beten, 8 Uhr gymnastische Uebungeri, 8.30 Uhr Kaffee, 9—9.15 Uhr Vorlesungen, 1 Uhr Mittagessen, 3—4 Uhr irgendeine Besprechung, 4 Uhr Beten, 4.30 Uhr Kaffee, 5—7 Uhr Vorlesung, 7 Uhr Abendessen, 8—10 Uhr entweder Kurse oder Schallplatten. , Der einzige Tag, dessen Arbeit nur dier Aussprache diente, war der Tag der Schulpraxis, bei dem Herr Schulleiter Lichtenstein aus Offenbach und Oberstudienrat Dr. Mannheimer aus Mainz den Vorsitz führten. Am Schluß der Tagung war man sich in einer letzten Aussprache darüber klar geworden, daß nur eine Fortbildungstagung in Form eines solchen Lagers, das mehrere Wochen lang andauert von Gewinn sein, kann. Allerdings muß auch ein wenig mehr freie Zeit da sein, damit genug Kraft für die Arbeit übrig bleibt, die am Ende auf einen wartet. Bestellschein Yu****** \ i In den Post-; j kästen werfen \ Än das Postamt (Zeitungsstelle) Hier ■•; Die Leitung derBezirksschule in 'Bad Nauheim, setzte .alle Kräfte ein, um für das leibliche Wohl der Lehrer zu sorgen, und nur ihr ist es. zu verdanken, daß man den Anforderungen dieses großangelegten Tagesplanes gerecht werden konnte. Als man/Sieh trennte, blieb die Hoffnung auf eine baldige Wiederholung eines derartigen Lehrganges, der sich zu einer echten Lerngemeinschaft in den beiden Wochen gebildet hatte. Herta Treuherz, Königsberg. *. . - ■ 1 ■ 3. Hannover Am 11. und 12. Oktober fand in Hannover unter Mitarbeit des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover ein von Rabbiner Dr. Schorsch angeregter und durchgeführter Fortbildungskurs für. jüdische Lehrer in der Provinz Hannover statt. Unterstützt wurde der Fortbildungskurs von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, vom Preußischen Landesverband, von der Synagogen-Gemeinde Hannover und vom Verein der Freunde der Jüdischen Schule in Hannover. - Der erste Tag begann mit einer Lehrprobe von Wigderowitsch,Hannover, über den „hebräischen Sprachunterricht in der Unterstufe" und zwar vollständig in hebräischer Sprache. Es schloß sich an das Referat Wigderowitsch „Grundsätzliche Fragen des hebräischen Sprachunterrichtes". Siegfried Weinberg, Hannover, sprach über „Zielsetzung und Praxis der Jüdischen Schule" und forderte insbesondere auch die Erwekkung des positiven. Gefühls, Jude zu sein. Dr. Leschnitzer (ReichsVertretung) sprach über Lehrerfortbildung. Er forderte die Erhaltung der Lernfähigkeit, sonderte die Fortbildungsgebiete in jüdisches Wissen und Hebräisch, Pädagogik und Methodik der jüdischen Schule und schließlich auch allgemeinwissens'tihaftliche Gebiete zur Erweiterung des Blickes. Er verlangt ständige Fortbildung neben Tagungen und Lernzeiten und hofft, daß aus dieser Tagung ein positives Ergebnis hervorgeht. Es folgt eine rege Aussprache..Am Nachmittag sprach Dr. Aber, Bremen über „die Bedeutung des Midraschs für die Predigt" und behandelte verschiedene Arten von Midraschim, den massoretischen Midrasch, die ssemichus Form, Namensvergleichungen, Wortspiele, Ergänzungen, Beobachtungen, Gleichnisse und Veranschaulichungen. Der zweite Tag begann mit einer Lehrprobe von Roth-' schild, Barsinghausen-Hannover, über ,;Rabbi Akiba und Bar Kochba". Sodann sprach er über „die Behandlung von Person^ lichkeiten in der jüdischen Geschichte". Dr. Schorsch, Hannover, sprach über .^Krankheiten des Religionsunterrichtes". Unter Krankheiten verstand er das"~psychologische (nicht philosophische!) Nichtgelöstsein von entscheidenden Problemen, z. B. die Nichtauseinandersetzung mit der Sprache G'ttes, die er an Beispielen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart verfolgt, die Nichtauseinandersetzung mit entwurzelten Begriffen, wie etwa die Verschiedenheit der Religionen, Monismus, Schöpfung und Entwicklung, Naturgesetze, Materialismus und Mammonismus, das Fehlen der Totalität in Forderung und Leben, die Nichtausrichtung auf die Ewigkeit, der schwankende Bibelglaube, die mangelnde Dynamik des religiösen Lebens usw. Am Nachmittag sprach Emil Sichel, der Leiter der Zentralstelle für Wohlfahrtspflege in Hannover, über, „Die Mitarbeit des Lehrers in der Wohlfahrtspflege" und. behandelte aus der Fülle des Stoffes die Krankenfürsorge, die Jugendfürsorge und die Auswanderungshilfe in interessanter und anregender Weise. Der weitere Nachmittag war der Besichtigung der Israelitischen Gartenbauschule, Ahlem gewidmet. Ergebnis, der Tagung, die bei den Teilnehmern große Befriedigung auslöstest der Entschluß, eine ständige Fortbildungsgemeinschaft in zWei Kreisen mit den Mittelpunkten Hannover und Oldenburg oder Emden einzurichten und hie und da gemeinsame Arbeitstagungen zu veranstalten. Zwischen ifdhulc und üSevu/ 168 £i&mmg$pv&fun& Psychotechnisches Laboratorium Kuhn Berlin W 50, Ansbacher Straße 1 — Telefax* Nr. 241733 >

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