Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 2 (1.2.1938)
- Date
- 1938-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 J ü d i s c h e S c h u 1 z.e i t u n.g Nummer 2 - den, und dadurch würde das Verfahren auf die Länge umständlicher und wohl auch teurer werden als die Herstellung einiger gedruckter Hilfsmittel für das „Selbststudium". % , Oedruckt liegt bisher nur ein einziges derartiges Hilfsmittel vor: die synoptische Geschichtstabelle von Julius Höxter. Sie bringt eine Synchronisierung der Ereignisse der jüdischen Geschichte in den verschiedenen Ländern miteinander und mit den wichtigsten Ereignissen der allgemeinen Geschichte. Freilich setzt dieses inhaltreiche Werk schon beträchtliche allgemeingeschichtliche Kenntnisse voraus oder bedarf nach dieser Richtung hin der Ergänzung etwa durch den Ploetz (Auszug aus der Geschichte). Als Manuskript liegen Bruchstücke einer von Werner Münsterberger entworfenen synoptischen Tabelle vor, die als Hilfsmittel für die Vorbereitung des Lehrers, aber auch für die Hand des Sekundaners und Primaners der höheren Schule in Betracht käme. Ein Hilfsmittel ganz anderer Art ist das Verzeichnis „geeigneter Lesestoffe für den Schüler der 4. Klasse", das — von Julius Stern und Fanny Bergas (Berlin) aufgestellt — vorbehaltlich einiger Aenderungen im Manuskript fertig vorliegt. Es enthält vornehmlich Lesestoffe zur jüdischen Geschichte und jüdische Darstellungen" bestimmter Themen der allgemeinen Geschichte mit genauer Angabe von Buchtitel, Ausgabe, und Seitenzahl für jedes einzelne Lesestück. Die Verfasser füllen damit eine sehr schmerzlich empfundene LücKe aus, und ihre Arbeit wäre es wert, hinsichtlich der Lesestoffe zur allgemeinen Geschichte erweitert und vor allem für die 3. bis 1. Klasse fortgeführt zu werden. Indessen setzt sowohl die Verwendung synoptischer Tabellen wie die Benützung des Lesestoffverzeichriisses bereits eine gewisse Vertrautheit mit dem zu lehrenden Stoff, in seinen Grundzügen voraus, die — wir eben nicht voraussetzen dürfen, wenn wir dem Lehrer, der seine Kenntnisse zu dem geforderten Umfang ausweiten will, wirklich mehr als bloß eine halbe Hilfe leisten wollen. Ich bin deshalb schön im Juni 1935 für die Schaffung eines kurzgefaßten Lehrbuches eingetreten, das viererlei enthalten müßte: a) einen ganz gedrängten Abriß des Stoffes selbst; b) eine Erörterung der wichtigsten Gesichtspunkte für die unterrichtliche Behandlung des Stoffes; c) ein „redendes" Verzeichnis der wichtigsten wissenschaftlichen Literatur, mit deren Hilfe der Lehrer seihe Kenntnisse auf den einzelnen Gebieten vertiefen kann; d) ein „redendes" Verzeichnis solcher nichtwissenschaftlicher Literatur, die sich zur Verwertung im Unterricht — sei es zu gelegentlichem Vorlesen ausgewählter Abschnitte, sei es zur Klassen- oder Hausiektüre — eignet. Es würden also Abschnitt a) und c) den wissenschaftlichen, Abschnitt b) und d) den methodischen Teil des Büchleins bilden. Abschnitt a) soll keine neue „Weltgeschichte in einein Band" darstellen. Um wirklich aus dem Vollen schöpfen'zu können, muß ja der Lehrer vom Stoff mindestens 10 mal so viel wissen, wie er nachher im Unterricht verwertet; sonst lebt er gewissermaßen von der Hand in den Mund. Aber der Abschnitt a) hätte dem Lehrer eine erste Orientierung über den Stoff zu ermöglichen, so daß er synoptische Geschichrstabellen überhaupt erst mit Nutzen lesen und von dem Verzeichnis der wissenschaftlichen Literatur planmäßig Gebrauch machen kann; er hätte dem Lehrer zu zeigen, daß die großen Anforderungen, die der neue Lehrplan an ihn stellt, überhaupt erfüllt werden können, und würde dadurch ein wesentliches psychologisches Hindernis in der Lehrerschaft selbst beseitigen (vgl den Anhang 1). Der methodische Teil, bestehend aus den Abschnitten a), b) und d), bedarf keiner weiteren Erläuterung, nur sei .darauf hingewiesen, daß der Abschnitt d) etwa dem oben besprochenen von Stern und Bergas in Angriff genommenen Lesestoffverzeichnis entspricht, vermehrt freilich um eine stichwortartige Charakterisierung des Inhaltes jedes einzelnen Lesestücks. - (Schluß folgt). Lehrerfortbildung überall 1. Leipzig. Die Fortbildungstagung wurde einberufen und gefördert durch die Reichsvertretung, Schulabjeilung, den Sächsischen israelitischen Gemeindeverband,' die israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig, die Leitung der jüdischen Schulen in Leiz^ zig und den Verein der israelitischen Lehrer Mitteldeutschlands. Die Eröffnung vollzog Direktor Dr. Weikersheimer; er übertrug den Vorsitz an Steinhardt-Dresden, den Ehrenvorsitzenden des Vereins der. israelitischen Lehrer Mitteldeutschlands. Die Tagesordnung umfaßte wesentliche Punkte der Unterrichtsgestaltung an den jüdischen Schulen und wichtige Fragen der Schulen und ihrer Lehrer überhaupt, besonders in den ' Orten, die durch Abwanderung in ihrem Bestand und ihrer Leistungsfähigkeit erschüttert sind. " Die Zahl der Teilnehmer und die Verhandlungen zeigten, daß sich die Körperschaften und die Lehrer der großen Aufgabe bewußt sind, die unter Ausschöpfung aller methodischen und inhaltlichen Werte gelöst werden muß. Gemeinderabbiner Dr. Ochs-Leipzig gab im ersteh Vortrag der Tagung einen Ueberblick über die Stellung der Misch- -nah im jüdischen Schrifttum und in der Erziehungs- und Bildungswelt des Juden aller Zeiten. Die Mischnah bildet die naturgegebene Weiterführung des Pentateuchs und vermittelt dem „Lernenden" den Geisteszug der Mischnahlelirer, die das große Gebiet der mündlichen Ueberliefer.ungeri hier zusammengetragen haben, um so das Gesetzeswerk des jüdischen Volkes zu schaffen, das über den Talmud zum Schulchan Aruch führte. Das Pflichtenleben und die Sittenlehre des Judentums erfahren erst im Mischnahunterricht die quellenmäßige Belegung und Vertiefung, auch der hohe Wert der'Darstellungsart bringt dem Schüler eine ungeahnte Welt jüdischer Geisteskultur nahe, heute noch lebendig wie ehedem. Professor Dr. Richard-Leipzig führte aus seiner/Lehrerfahrung richtungsgebende Beispiele für lebensvolle Gestaltung des biologischen Unterrichts vor, in dem den Schülern ' nicht nur ein naturkundliches Wissen nach dem gegenwärtigen Forschungsstand, sondern in erster Linie eine kläie, beobachtende Erkenntnis von dem vielförmigen Leben der Umwelt vermittelt werden sollen, aus denen dann die Seele und Gemüt entspringende Liebe zu Tier und Pflanze als Bereicherung des menschlichen Lebens selbst folgen; Buch und Bild und, von ihnen niemals erreicht, die Wirklichkeit müssen dem Schüler geboten werden, seine eigene Arbeit am Mikroskop, am Aquarium und Terrarium, an selbst gefertigten Modellen, wie sie der Redner vorzeigen konnte, bildet das praktische Lehrziel des Unterrichts. Auch die kleine Schule kann hier vieles leisten und Versäumtes nachholen und so dem. jüdischen Kind einen reichen Schatz von Lebensfreude für immer mitgeben. Dieses Unterrichtsziel steht im Einklang mit dem hohen Verpflichtungsinhalt des jüdischen Gesetzes, das dem jüdischen Menschen Liebe und Sorge um Tier und Pflanze als Weiterführung g'ttlicher Waltung < auf Erden zuweist. Studienassessor Dr. Joel-Leipzig gab ein fachlich durchdachtes Bild von der Durchnahme erdkundlicher Stoffe. im allgemeinen und des Landes Palästina im besonderen. Ueberall können Vergleiche und Hinweise von dem dem Schüler näher liegenden Erdgebiet auf Palästina gegeben werden; um sich dann bei Behandlung der Mittelmeerländer.und Vorderasiens zur strengeren Zusammenfassung auf Palästina zu verdichten. Auch der geopolitische 'Grundzug der heutigen Erdkunde kann für Palästina im Geschichtsunterricht oder für sich fruchtbar gemacht werden. Das Land um den Jordan, gleichsam „eine Oase mit ihrer Doppelküste des Mittelmeers und der arabischen Wüste", rückt damit aus dem gewohnten Bild-in' die Sphäre gegründeten Wissens um seine Bodenreform, Bodenart, sein Klima, die Vegetation, Wirtschaftsform . und das Volkstum. - " ' >:■ Zwei innerlich •;zusammengehörige Tagungsinhalte: Unterricht im Deutschen und in der Geschichte: (Direktor-Dr.