Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 1 (1.1.1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 1 J ü d i sc he Schul zeitung Seite T dagogische Tagung durchzuführen. Da aber nicht einmal seine Vorschläge vollständig berücksichtigt wurden,, beteiligt sich der, Lehrerverein als solcher nicht an der Durchführung der Tagung, wenn auch seine Mitglieder als Lehrer in Schlesien die Tagung besuchen werden. Dieser Standpunkt des Vorstandes ist von der Versammlung gebilligt worden. * Verein israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens. Bezirk Ostwestfalen. Am 16. November 1937 fand unsere Herbsttagung statt. Kollege Lazarus, Lübbecke, hielt, den Vortrag: „Die Tefilloh, eine Quelle der Sabbatheiligung und des Oneg Schabbath in unterrichtlicher Darstellung", und stellte an Hand der Schabbathgebete dar, wie schon deren Aufbau und natürlich ihr Inhalt den jüdischen Menschen weihen und ihm das Wesen unseres Ruhetages nahebringen wollen. Die Leiterin des Jüdischen Waisenhauses Paderborn, Frl. Dreyer, stellte uns den Raum zur Verfügung und erfreute uns durch liebenswürdige Bewirtung. D. Köln, Vorsitzender. Zu unserm größten Bedauern müssen wir den Kollegen im Reich mitteilen, daß Herr Dr. I. Bamberger, Nürnberg, das Amt des II. Vorsitzenden unseres Verbandes ab 1. Januar 1938 niedergelegt hat. Die Gründe hierfür liegen außerhalb des Vorstandes des Verbandes. Als Nachfolger unseres unvergeßlichen Kollegen Dingfelder trat er im November 1928 in den Vorstand ein. Seine persönliche Wesensart sowie seine sachliche Haltung haben unendlich viel dazu beigetragen, unsern Verband auszubauen und zu festigen. Sein Verständnis für die allgemeinen Notwendigkeiten in einer Organisation und für andere Standpunkte hat immer dazu geführt, daß im Interesse des großen Ganzen ein Ausgleich der Gegensätze erfolgte, der allen zugute kam. Obwohl wir Herrn Dr. Bamberger bereits direkt unsern herzlichen Dank ausgesprochen haben für all das, was er Jahre hindurch im Verband geleistet hat, möchten wir auch hier an dieser Stelle noch einmal diesen Dank in aller Oef~ fentlichkeit wiederholen. Gleichzeitig möchten wir aber auch den Wunsch aussprechen, daß uns die Mitarbeit unseres sachkundigen, liebenswerten Kollegen, auch wenn er nicht mehr im Vorstand ist, stets zur Seite stehe. gez. Stern Reschke. Literarisches S. I. A g n o n: D^NTU Jamlm Noraim. Schocken Verlag, Berlin (408 S.). In seinem Aufsatz über „Das hebräische Buch" weist Bialik auf eine merkwürdige Tatsache hin. Obwohl unser Volk eine jahrtausendealte Literatur von unzähligen Bänden besitzt, die eine Fülle schöpferischer Kräfte aus hunderten von Geschlechtern in sich aufgenommen hat, wären wir trotzdem kaum imstande, einem zeitgenössischen Juden auch nur eine beschränkte Anzahl von Büchern aufzuzeigen, die wert wären, ihm bis zu einem gewissen Grad bedeutungsvoll und lieb zu werden, Bücher, „zu denen er greifen könnte, um, wenn sein Geist hungert, sich mit ihnen zu erfüllen". Deshalb stellte Bialik die Forderung: es ist Zeit zu sammeln. Es gelte alles Lebensfähige in unserer alten Literatur für den Gebrauch der Menschen tauglich zu machen. „Wir müssen unser Soll und Haben prüfen und sehen: haben wir irgend etwas außer totem Besitz oder nicht?" Bei dieser Forderung des „Einsammelns der Literatur" stützte sich Bialik auf die der jüdischen Literatur eigentümlichen Erscheinung der Chatima (= Abschluß), d. h. die Aufnahme von Schriften in einen Kanon, eine Erscheinung, die sich dreimal wiederholt hat: bei den heiligen Schriften, der Misch na und dem Talmüd. Diese Arbeit, von den Bevollmächtigten des Volkes, den „Getreuen seines Geistes" vollbracht, hob die Perlen ans Tageslicht und gab dem Volke die Möglichkeit, sich seines geistigen Reichtums zu freuen; indem sie gleichzeitig eine Fülle von Energien freimachte, legte sie auch den Zugang zu einer neuen literarischen Periode mit anderem Inhalt und neuen Formen bloß. Seitdem diese Forderung Bialiks erklungen ist, wurde nur schrittweise, hier und da, zum „Einsammeln unserer Literatur" beigetragen. Der Schocken Verlag, der sich in der „Sammlung klassischer Bücher" ohnehin die Aufgabe gestellt hat, die Grundbücher des Judentums neu herauszugeben, läßt nun dem Sabbat-Buch von Zobel das Werk Agnons für die „furchtgebietenden Tage" folgen: ein Buch der Bräuche, Auslegungen und Geschichten für den Neujahrstag, den Versöhnungstag und die Tage dazwischen. Aus etwa 1000 Büchern — der Bibel, dem Talmud, dem Midrasch, der Kabbala und dem fast unübersehbaren rabbinischen Schrifttum aus alter und neuerer Zeit — hat der Dichter Agnon den Stoff zusammengetragen und einen monumentalen Bau errichtet. Das Judentum aller Länder und Zeiten ist zu Worte gekommen (Fremdsprachliches ist allerdings unberücksichtigt geblieben). Aramäische Stücke sind ins Hebräische übersetzt worden, der hebräische Stil des späten Schrifttums ist nicht immer sklavisch übernommen worden. Hierzu äußert sich Agnon in der Einleitung: „Was zu ausführlich behandelt wurde, habe ich gekürzt und alles so zusammengefügt, wie es nötig war. Und um dieses Buch jedwedem genehm zu machen, daß es dem Leser geläufig sei, hielt ich es mitunter für nötig, die Sprache der späten Weisen ein wenig zu ändern. Denn da das Geschlecht jener heiligen Verfasser fähig und gewillt war, Worte der Tora zu hören, reichten ihnen nicht die Stunden, um auch den Stil zu verschönen. Obgleich ich nicht ihre Sprache gewahrt habe, habe ich auf das genaueste ihre Absicht gewahrt." In einem Anhang werden sprachliche und sachliche Schwierigkeiten erläutert. Es ist nur zu natürlich, daß die „furchtgebietenden Tage", dieser ureigenste Ausdruck jüdischer Religiosität in unserem Schrifttum den stärksten Niederschlag gefunden haben. Nun ist einer der wahrhaft „Getreuen seines Geistes" gekommen und stellt dieses Werk vor das Volk hin. Für den Lehrer und die Schule enthält dieses Buch eine Fülle, aus der auch sie schöpfen muß. Ueber die Schule hinaus zwingt dieses Werk zur Auseinandersetzung in allen Lebenskreisen. „Keine Organisation der Welt wird uns Kulturbesitz schaffen, ein Etwas aus dem Nichts. Aber Art der Kultur ist es, daß ein Volk sich mit seinem natürlichen Erbe befasse und mühe, was immer und wieviel immer es sei, darin Ordnung festsetze und daraus für sein Bedürfnis und zu seinem Vergnügen allen Nutzen ziehe, den es daraus zu ziehen vermag" (Bialik). Elieser L. Ehrmann. * Hans Joachim Schoeps: Jüdisch-Christliches Religionsgespräch in 19 Jahrhunderten. Geschichte einer theologischen Auseinandersetzung. Vortrupp Verlag, Berlin SW 29. Der Verfasser, der bereits in beachtenswerten Schriften die jüdische Position der Gegenwart auf dem Gebiete des Glaubens und in der Religionsphilosophie zu klären sich bemühte, gibt uns hier eine zusammenfassende Darstellung der Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Christenheit seit der Entstehung des Christentums bis auf die Gegenwart, wobei er unter Zurückstellung aller Einzelheiten die Hauptpunkte und die Marksteine dieser Polemik besonders hervorhebt. Sind auch die Probleme, um welche es sich handelte, immer dieselben gewesen — im Mittelalter wie in der Neuzeit standen im Mittelpunkt der Diskussion die Fragen der Messianität Jesu, der Erwählung Israels, der Verwerfung der Juden durch die Leidenslast des Gallith, der Aufhebung des jüdischen Gesetzes durch den Glauben an Christus — so ist doch mit dem Ende des 18. Jahrhunderts, als die relativierende Tendenz der Aufklärung auch der anderen Religion neben der eigenen ein Stück Wahrheit zusprach, der Geist, aus dem heraus diese Dispute geführt wurden, ein gänzlich anderer geworden. Das zeigt schon der Mendelssohn-Lavatersche Streit-