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Jüdische Schulzeitung · 1938-01-01 · 1 (1.1.1938) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
1 (1.1.1938)
Date
1938-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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"Seite 6 Jüd j s c h g- S c h u 1 z e11ung Nummer 1 161 Kinder hiervon sind in der von der Reichsvertretung und dem Hessischen Landesverband jüdischer Gemeinden gegründeten jüdischen Bezirksschule in Bad Nauheim untergebracht. Diese Bezirksschule ist an die Stelle der früheren Israelitischen Kinderheilstätte in Bad Nauheim getreten, die auf -diese Weise eine das ganze Jahr hindurch gehende Belegung erhalten kann. Von den 161 Kindern leben 77 im Internat, während 84 als sogenannte „Fahrkinder" täglich zur Schule kommen. Die Reichsvertretung ist leider im Augenblick nicht in der Lage, weiteren Gesuchen um Bezuschussung aus dem Schulkinderfonds zu entsprechen, da die hierfür vorhandenen Mittel voll in Anspruch genommen sind. Die Vermehrung der Mittel durch die Stärkung der Aktion für die „Blaue Beitragskarte" und die Vergrößerung der Mittel des Zentralausschusses für Hilfe und Aufbau ist daher dringend erforderlich. Lehrgang zur Ausbildung männlicher Turn- und Sportlehrkräfte Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Um die Frage der Einrichtung eines neuen, einjährigen Lehrgangs zur Ausbildung männlicher Turn- und Sportlehrkräfte in Stuttgart (am gymnastisch-orthopädischen Institut von Frau Alice Bloch) zu klären, weiden Bewerber aufgefordert, umgehend eine Meldung in zweifacher Ausfertigung an die Schulabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158 III, einzureichen. Beginn des Lehrgangs: 1. April 1938. Schulgeld monatlich: 50 RM. Aufnahmebedingungen: Vollendetes 19. Lebensjahr; Versetzung nach Obersekunda bzw. ehemaliges Zeugnis der mittleren Reife, Nachweis besonderer sportlicher Befähigung. Der Meldung ist ein Lebenslauf mit einer Darlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Bewerbers beizufügen. Samson Rothschild, Worms am Rhein zum 12. Januar 1938 Ein Neunzigjähriger? Als ich ihn vor einigen Monaten in seinem von der Liebe einer Tochter umhegten Heim besuchte, erzählte er mir und anderen, die auch anwesend waren, mit einer Frische und Lebendigkeit, die in Erstaunen setzte. Hatte man ihn stets das gefragt, worüber er gerade gern reden wollte? Er sprach vom Wandel der Zeiten mit der Weisheit und Milde reicher Lebenserfahrung von innen her. Vertrauen in die Unaufhaltsamkeit geschichtlicher Vorgänge und Hoffnung auf die notwendige innerjüdische Erneuerung sprachen aus Mund und Auge. Er wurde nicht müde, aus den Bestellschein I un.»nfc..rt | : in den Post-; : kästen werfen I 7\n das Postamt (Zeitungsstelle) Hier Tagen frommer, entbehrungsreicher Jugendzeit Bilder zu geben. Sie tauchten vor ihm auf, als wäre es gestern gewesen;.^ seine früheste Schulzeit in seinem Heimatdorf Kül s h e im in Baden; seine Ausbildung im evangelischen Lehrerseminar in Karlsruhe unter den Direktoren Stern, einem Schüler. Pestalozzis, und unter „Papa Leutz", dem gütigen Pädagogen, dem so viele seiner Schüler —f auch ich — vieles zu danken haben; seine erste Lehrtätigkeit schon als Seminarist und nach wenigen Jahren im jüdischen Religionsschuldienst Badens seine Anstellung an der simultanen Volksschule in Worms. Hier wirkten sich seine Neigung und Begabung für den Lehrberuf ein halbes Jahrhundert segensreich aus. Ein patriarchalisches Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler dauert heute noch. Seine musikalischen Gaben brachten ihn zu einer repräsentativen Stellung im Musikleben der Stadt. Mit besonderer Freude erinnert sich der Jubilar seiner Beziehungen zu verschiedenen zeitgenössischen Schriftstellern und Musikern wie Heinrich Hansjakob, Berthold Auerbach, Anton Bettelheim, Julius Rodenberg, Hofkapellmeister Levi, dessen Großvater Rabbiner in Worms gewesen war, u. a. Seine gewandte, stets flüssige Feder hat manche irrige Auffassung über Juden und Judentum in vorbildlicher Form berichtigt. Dabei kam ihm seine gründliche Schulung im jüdischen und hebräischen Schrifttum wohl zustatten. Dem traditionellen Judentum.treu verbunden, war er nebenamtlich viele Jahre Sekretär und Archivar der jüdischen Gemeinde Worms. Durch dieses Amt gewann er besonderes Interesse für die altehrwürdige Ge^ schichte der Juden in Worms. Drei bekannte Werke geben Zeugnis davon: S. Rothschild, 1. Aus Vergangenheit und Gegenwart der Ge- meinde Worms, Frankfurt a. M. 1905. — 2. Beamte der Wormser jüdischen Gemeinde, Frankfurt a. M. 1920. — 3. Die Abgaben und Schuldenlast der Wormser jüdischen Gemeinde, Frankfurt a. M. 1924. Sein geschichtliches und allgemein literarisches Wissen, das sich auch in Vorträgen und Aufsätzen über Kompert, Franzos, Hebel u. a. bekundete, hat auch mir in den langen Jahren meiner Freundschaft zu ihm mannigfach Anregung und Förderung gegeben. War die Feier seines 50jährigen Dienstjubiläums für den Jubilar s. Z. ein glänzender Spiegel seines langjährigen Wirkens im Dienst der Schule und des öffentlichen Lebens, so wird die Feier seines 90. Geburtstages für ihn, der wohl der Nestor der jüdischen Lehrer in Deutschland ist, heute das stille Glück einer Gnade des Himmels sein. Dieses göttlichen Geschenkes freuen sich dankbar mit ihm und seiner Familie die zahlreichen Freunde und Verehrer auch seiner „geliebten badischen Heimat" und wünschen von Herzen, daß ihm in glei-r eher Rüstigkeit und Harmonie die Abendsonne weiter scheine, daß ihm nicht nur nw ünwsn nxa sondern zugleich die Gunst beschieden sei irrV 03 (5. B. Mos. 34, 7). S. Müller-Heidelberg. - Aus dem Lehrerverband In der am 23. November in Breslau abgehaltenen Monatsversammlung des Vereins jüdischer Lehrer in Schlesien sprach Frl. Studienrätin i. R. Dr. Gertrud Weyl über „Die Pflege der räumlichen Anschauung im Mathematik- und Rechenunterricht". Vor dem Vortrag berichtete Direktor Dr. Abt über die vor kurzem stattgefundene Direktorenkonferenz der Leiter der höheren jüdischen Schulen in Berlin. Außerdem teilte der Vorsitzende, Herr Rosenstein, mit, daß Ende Dezember der Pn> vinzialverband der Synagogen-Gemeinden Niederschlesiens im Auftrage der Reichsvertretung und des Preußischen Landesr Verbandes eine pädagogische Tagung in Breslau veranstaltet. Der Lehrerverein, dem es im Laufe des letzten Jahres gelungen ist, die gesamte Lehrerschaft Schlesiens zu einigen, steht auf dem Standpunkt, daß eigentlich er berufen wäre, eine pä-

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