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Jüdische Schulzeitung · 1938-01-01 · 1 (1.1.1938) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
1 (1.1.1938)
Date
1938-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Jüdische Schulzeitung Nummer i;. Zeit. Er hat keineswegs nur aktuelles Interesse, sondern er bietet in klassischer Darstellung eine gediegene Geschichte Palästinas und seines Wiedererstehens unter englischem und jüdischem Einfluß dar. Es versteht sich von selber, daß die jüdische Schule nicht achtlos an diesem ausgezeichneten Werk vorübergehen darf, und daß sie im Rahmen des Möglichen über einige Kapitel des Berichtes mit den Schülern sprechen muß. Der Schocken Verlag hat durch die Herausgabe des Berichtes in deutscher Uebertragung das Werk auch der Schule zugänglich gemacht, und es ^sollte weder in der Bücherei des Lehrers noch in der der Schule fehlen. In welcher Weise der Bericht zum Gegenstand des Unterrichtes gemacht werden kann, das aufzuweisen ist der Sinn der folgenden Darlegungen. Sie wollen dem Lehrer Anregung sowohl zum eingehenden Studium des Peel-Berichtes als auch zu seiner unterrichtlichen Auswertung geben. Sie sind — das " sei hier ausdrücklich angemerkt — nicht am Schreibtisch ausgeklügelt worden, sondern stellen im wesentlichen eine Wiedergabe des Gespräches zwischen Klasse und Lehrer während einiger Stunden dar. Wir haben uns in den letzten Biologiestunden mit den wichtigsten Bäumen des heimischen Waldes beschäftigt. Den Schülern sind Eiche, Buche, Tanne, Fichte, Lärche, Kiefer und Birke in ihrer äußeren Erscheinung und in ihrem Charakter als geschlossene Bestände in den Hauptzügen dargestellt worden. Nun gilt es, mit ihnen über den Wald in Palästina zu spre- chen, über die Bäume des Landes, über den Habitus seiner Wälder und über ihre Bedeutung für den Wiederaufbau. Mit Hilfe von Abbildungen einzelner charakteristischer Exemplare sowie typischer Landschaften (Quellen siehe am Ende dieser Arbeit!) suchen wir eine klare Anschauung zu gewinnen. Sie wird vertieft durch die Lektüre von Hugo Man- •d e 1 b a ü m s ausgezeichneter Schilderung „Palästinensische Bäume und Sträucher" im Schocken Ahnanach auf das Jahr 5698. Erst dann gehen wir zum Hauptthema der Lektion über und erörtern die Frage, welche Bedeutung dem Walde schlechthin im Haushalt der Natur zukommt, und welche im besondern dem Walde in Palästina. Die Schüler werden aufgefordert, anzugeben, was alles die Menschen dem Walde verdanken. Die Antworten folgen hier in Form schlichter Sätze: Der Wald erfreut uns durch den kühlen Schatten; er liefert uns allerlei Holz zum Bauen und Brennen; er gibt uns wohlschmeckende Beeren und Pilze, wertvolle Früchte zur menschlichen und tierischen Nahrung, Harz, Laub und Nadeln; er beherbergt Tiere aller Art, die uns Fleisch und Pelzwerk liefern' usf. usf. Das Ergebnis der Umfrage wird in Stichwörtern auf die Wandtafel geschrieben. Die Antworten bewegen sich durchweg im Bereich des leicht Eruierbaren; eine Ueberlegung, die zu weniger offensichtlichen Beziehungen zwischen Wald und Natur hinführt, erfolgt vorerst kaum. Und dennoch sind es gerade diese Beziehungen, an deren Auffindung gelegen ist. Die Kinder sollen sie nach Möglichkeit selber entdecken, und so beginnt denn ein zu ihnen hinleitendes Gespräch, das an Eindrücke anknüpft, die von einem Ausflug in den Wald her in den Schülern lebendig geblieben sind: Wir haben jüngst im Walde gelagert. Wie war eigentlich das Lager beschaffen, auf dem ihr euch niedergelassen habt? — Es war weich, weil es ein „Polster" aus Moos und herabgefallenem Laubwerk gewesen ist. — Ihr habt mit Stöcken darin herumgewühlt; ist euch die Beschaffenheit des. aufgewühlten Bodens aufgefallen? — Er war dunkel, locker und an manchen Stellen feucht. — Und das Moos und das Laub? — Es war unten faulig und roch eigentümlich. — Einige Schüler melden sich und werfen den Ausdruck „Humus" in die Unterhaltung. Ein kurzer Seitenblick auf dessen Bedeutung als Muttererde, und dann zurück zum Hauptthema: Wie kommt die Feuchtigkeit in den Waldboden? — Durch den Regen. — Warum ist das Wasser nicht längst verdunstet? — Das Laubdach und die im Wald eingesperrte wassergesättigte I^uft verhindern eine rasche Verdunstung. — Warum ist das JVäs$er' nicht, längst in die Erde gesickert? — Das „Polster" hat es festgehalten. — Bleibt denn nun die Feuchtigkeit immer an der Oberflächenschicht des Waldbodens? — 0 nein, allmählich sickert sie doch in die Tiefe des Erdreichs, bis; sie zum Grundwasser gelangt. — Es bildet ein unterirdisches System von Seen, Flüssen, Bächen und Quellen, das dem oberirdischen in vielen Bezügen durchaus ähnlich ist. Seine förderliche Wirkung nach oben, also zum Wurzelwerk der Pflanzendecke hin, wird eingehend aufgewiesen. Welche Rolle hier gerade der Wald spielt, das ergibt die Betrachtung einer Landschaft, in der der Wald fehlt. Ganz von selbst bietet sich uns ' da als Beispiel Palästina dar mit seihen baumlosen kahlen Flä-r. chen in der Ebene und auf den Bergen. ' Wir blicken zurück in die Geschichte des Landes und spre^. chen über dessen Fruchtbarkeit in biblischer Zeit, als es noch das Land „fließend von Milch und Honig" war. Wir sprechen weiter über seinen Waldreichtum, von dessen Vorhandensein uns die Bibel an mehreren Stellen berichtet. Die Frage ergibt sich: Wo mögen die Wälder geblieben sein? — Sie sind nach und nach abgeholzt worden. — Warum? — Von wem? — Zur Gewinnung von Acker- und Weideland; zur Verwendung der Baumstämme zu Bauholz, zu Brennmaterial, zu Kriegszwecken; zur Beseitigung unbequemer Gesellen bei der Ländarbeit. — Ist denn gar nichts von den Wäldern übriggeblieben? — Doch, ein paar unansehnliche Reste geschlossener Baumbestände, eine Reihe uralter riesenhafter Einzelgänger, weithin zerstreut in die Lande, und unzählige Baumstümpfe, z.T. überdeckt von Sand, z. T. sichtbar. — Wir vergegenwärtigen uns die Regenzeit in ihrer Heftigkeit und in ihrer zeitlichen Begrenzung. Wo bleibt denn in Palästina»das Regenwässer? — Dort, wo der Boden nicht vom Bauern bearbeitet wird, trifft er entweder auf Felsgestein oder auf Sand. Im ersten Falle lagert er eine kurze Weile auf der Oberfläche, zermürbt allmählich — im Ablauf langer Zeiträume — das Gestein und seinen mineralischen Gehalt, führt beides ins Tal hinab fort und läßt nichts übrig als harte Felsen, die unfähig sind,-ein Pflanzenkleid zu tragen. Daher die unendliche Kahlheit etwa der judäischen Wüste zwischen Jerusalem und Jericho. — Im zweiten Falle sickert das Wasser rasch in die Tiefe, allzurasch, um seine chemischzersetzende Wirkung auf die als Ackerkrume in Betracht kommende Schicht zu üben, aber das Grundwasser bereichernd und so eine Voraussetzung schaffend'zu allmählicher Kultivierung des Bodens. (Bohrungen, Wassertürme!) — Wie wäre es mit dem Verbleib von Regenwasser bestellt wenn Palästina schon ein waldreiches Land wäre? — Die Antwort ergibt sich leicht aus den bisherigen Erörterungen. —' Damit sind wir unmittelbar zu den Sachverhalten vorgedrungen, um die es geht, nämlich zur Frage der Aufforstung des Landes. Wir legen dem Unterricht nunmehr den Peel-Bericht zugrunde, der sich auf Seite 309 bis Seite 313 mit der Waldwirtschaft im Lande beschäftigt. Das Kapitel belehrt uns über die Größe, oder besser gesagt, über die Kleinheit der in , Palästina schon vorhandenen Waldfläche. Von 10 400 Quädratmeilen Gesamtboden sind nur 76 Wald. Man versäume nicht, auf den Unterschied zwischen den Flächenmaßen Englands und Deutschlands hinzuweisen. Die Klasse besitzt das Knaursche Lexikon, an dessen Ende eine lehrreiche Uebersicht über alles Wissenswerte zu finden ist. Man lasse die Relation zwischen der englischen Quadratmeile und unserm Quadratkilometer errechnen; es ergibt sich dann die Gleichung : 1 engl: Quadratmeile 2,60 Quadratkilometer. Schlagen wir in dem sorgfältig durchgearbeiteten Werk von Alfred Bonne über Palästina nach, so finden wir die Angabe, das Land sei etwa zu 6% mit Wald bedeckt; eine Umrechnung ergibt die ungefähre Uebereinstimrming beider Angaben. — Der Peel-Bericht wirft weiterhin einen Blick auf die Vergangenheit des palästinensischen Waldes und bestätigt den Schülern das bereits Gesagte. Er ergänzt aber auch unsere Darlegungen durch Hinweis auf zwei wichtige Tatbestände, die wir nun den Schülern nahebringen: Die Vegetation des Landes wird behindert durch die übermäßige Inanspruchnahmerdes.Bodens als Weideplätze (die schwarzen Ziegen, die jeder Tourist kennt, sind die größten Feinde des Waldes). Dann aber: die' Versandungsgefahr

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