Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 12 (1.12.1937)
- Date
- 1937-12-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 12_-_"*_! 5-."if»;;;,v/,;-."!..: — '■■ . .... ' Das Herz P . (J e r e m i a 17, 9.) von Dr. Meier Spanier y" Luthers schöne Uebersetzung: „Es ist das Herz ein protzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen!" ist fast zum geflügelten Wort geworden.-Sie hat in ihrer sentenzen- ^haften Formung mit dazu beigetragen, daß die unrichtige Auffassung populär geworden ist, als ob~ Jeremia, der freilich in. meinem eigenen Herzen, diesem oft leidenschaftlich überwallenden, Widerspruchsvolles genug verspüren konnte, sich hier über die Eigenart des menschlichen Herzens äußern wollte. . Aber ihn bewegt kein psychologisches Interesse, sondern nur;ein ethisch religiöses. Das ergibt sich aus dem Zusammenhang. Der Satz ist ähnlich jenem Worte aus Jer. 5, der Klagerede über das Haus Jaakob (Juda ist gemeint) V. 23: Aber diesem /Volke ward ein unbändiges, widerspenstiges Herz; sie weichen ab und gehen dahin. - Das Volk (auch in unserm Kapitel wird Juda angeklagt), das in seiner Mitte das Heiligtum Gottes hat, beachtet nicht idie eigenen gottgegebenen Weisungen, von Urvätern her geweiht, aber dem unsittlichen Naturkult, der dem Propheten in {tiefster Seele ein Greuel, ist, ergibt es sich. Es vertraut Menschen und Mächten, die kein Vertrauen verdienen. Dieser Treulosigkeit muß das Unheil folgen. Das Herz, das ist der Inbegriff des Trieb-, Gefühls- und Willenslebens. Wie muß das Herz dieses Volkes beschaffen sein, wenn man sich sein unsinniges Verhalten erklären will? Darauf antwortet er. Diese Auffassung vertreten im wesentlichen auch die alten . jüdischen Erklärer Raschi und Redak. Dem entsprechen die -älteren jüdischen Uebersetzungen Herxheimer: „Trügerischer 'ist das Herz als alles und schwach; wer mag es erkennen," /Philippsohn: „Voll Liste ist das Herz, mehr denn alles, und siech ist es; wer durchschaut es." Zunz: „Verstockt ist das Herz vor allem und krank; wer mag es erkennen!" Man muß die hebräischen Worte verstehen, die Bezeichnungen für die beiden Eigenschaften des Herzens. 1. akow icrumm, hinterhältig, betrügerisch. Es ist das Wurzelwort für des Stammvaters Namen. Schon Hosea (12, 4) hatte gesagt: im Mutterschoße (schon) hinterging er (faßte die Ferse) seines Bruders. Jeremia (9, 3) klagt mit dem gleichen Worte: ein Bruder hintergeht den andern. Bet Jaakow benennt Jer. einige Lehrerfortbildung; Vom 31. Oktober bis 3. November fand in Mannheim ein Fortbildungskurs für die jüdischen Lehrer Badens statt. Ueber „das hebräische Lied in der Schule" sprach der bekannte Mannheimer Komponist Kantor Adler. Dr. H e - sc hei, Frankfurt gab eine Textinterpretation anhand des Kap. 11 im IV. Buch Mose. Rabbiner Dr. Lauer, Mannheim bot „Randbemerkungen zum Siddur" und gab die Vorschriften und viele praktische Anregungen zur Verwertung von heiligen "Gegenständen in Gemeinden, die der Auflösung anheimfallen. Dr. L u b i n s k i, Berlin leitete eine Arbeitsgemeinschaft über „Die Lenkung der Berufswahl und die Gestaltung der Berufsausbildung" und Prof. B i 11 i g h e i m e r, Mannheim eine ^solche über „Judentum und Christentum im Briefwechsel Franz Rosenzweigs". Stadt- und Konferenzrabbiner JDr. Grünewald, Mannheim sprach über „Religiöse und pädagogische Probleme hier und in Erez Israel". Unter Führung Von Frau N e t e r und Ingenieur Brauer fand eine Besichtigung der gut ausgestatteten und vorzüglich geleiteten Anlernwerkstätte für Schlosser und Schreiner statt. Lehrer IC a u f m a n n , Freiburg sprach über „Die Stellung der Lehrer in dieser Zeit" und Assessor Steeg, Karlsruhe behandelte „Probleme der Auswanderung". Im Verlauf der Fortbildungstagung trafen sich die Mitglieder des Landesvereins jüdischer Lehrer und Kantoren in Barden zu einer Besprechung von Berufs- und Standesangelegenheiten, die ihre Richtung durch den von Optimismus getrage- ■■ \ ' Seite t Male Juda." Es liegt nicht fern, daß Jer. bei der Wortwahl an diese populäre Namensdeutung gedacht habe. Schwieriger ist die Feststellung des Wortsinnes für das zweite Wort: anusch. Es enthält die Wurzel für die Bezeichnung des Menschen (enosch) in seiner Hinfälligkeit, des Weibes (ischa—inscha) in seiner Schwäche. Jeremia gebraucht das Wort mehrmals 15, 18; 30, 12; von Wunden — unheilbar, tödlich, von Schmerzen (30, 15), von einem unheilvollen Tage (17, 16). König erklärt wohl die Bedeutungsentwicklung zutreffend: mit Schwäche behaftet (Grundbedeutung), dann unheilbar, unheilvoll. Jer. klagt in diesem Kapitel über das mangelnde Vertrauen, über die fehlende Herzenshingabe des Volkes. Aus der Vielfalt des Herz'ens drängt sich hervor, was unterdrückt werden müßte, aber die Schwäche läßt es walten. Der Mensch mag die tiefste Wurzel des verderblichen Handelns nicht zu erkennen, aber — der folgende Vers spricht es aus — Gott ergründet das Herz und richtet. Dieselben Worte klingen an wie beim Psalmisten 139, 1: Du hast mich erforscht und ergründet und kennest! Die Septuaginta übersetzt die beiden Worte, als ob im Urtext statt akow amok=tief und statt anusch enosch Mensch stünde. „Tief ist das Herz, und ein Mensch ist es, und wer Wird ihn erkennen? Die Vulgata hat pravum, krumm, verkehrt und für anusch inscrutabile unerforschlich. An solchen „erleichternden" Verlesungen oder Verhörungen fehlt es in der griechischen Uebersetzung nicht. Arnold Ehrlich hält den von ihm aus der Septuaginta erschlossenen Text für den allein richtigen und überträgt daher: „tief, d. h. unerforschlich ist das Herz für jeden Menschen". Aber es ist wirklich kein Grund vorhanden, von dem gut gestützten massoretischen Text abzuweichen. Ich führe diese Konjekturen nur an, weil sie hie und da nachgewirkt haben. Zum Schluß seien die Uebersetzungen von Buber und Torcziner angeführt. B.: „Schlichereich ist das Herz mehr als alles, und sehrend wund ist es;-wer kennt es aus?" T.: „Verborgen allen ist das Herz, Unfaßbar; wer mag's kennen?" Von einer Beurteilung dieser Uebersetzungen kann ich nach meinen Darlegungen absehen; sie enthalten unausgesprochen die Mahnung, auch die besten Uebersetzungen nur als Brücke zum hebräischen Text zu betrachten. nen und interessanten Rückblick des Vorsitzenden, Koll. Kaufmann, Freiburg erhielt. Es war eine arbeitsreiche und wohlgelungene Tagung. Sch. Persönliches Am 4. November ist in Berlin Herr Robert Hirschfeld im Alter von 67 Jahren gestorben. Mit ihm ist eine markante Persönlichkeit dahingeschieden, die nicht nur als Lehrer, sondern auch als Schul- und Gemeindepolitiker hervorragte. Trotz eines schweren Augenleidens hat Hirschfeld jahrzehntelang eine überaus emsige und segensreiche Tätigkeit im Dienste des jüdischen Erziehungs- und Unterrichtswesens entfaltet. Die Berliner Gemeindeverwaltung wußte die Kraft dieses Mannes zu schätzen und übertrug ihm im Jahre 1924 die Betreuung ihres gesamten Religionsschulwesens. Mit welchen Schwierigkeiten damals der Schuldezernent der Gemeinde zu kämpfen hatte, das hat uns Hirschfeld vor wenigen Monaten in diesen Blättern eingehend geschildert. Es gelang ihm, die Verwaltung zur Begründung zweier Volksschulen zu bewegen; er hat es auch erreicht, daß eine Anzahl von Lehrkräften fest angestellt und andern die Zukunft einigermaßen gesichert wurde. Trotz starker Inanspruchnahme fand Hirschfeld noch Muße zu wissenschaftlicher Arbeit. 1932 mußte er wegen völliger Erblindung sein Amt niederlegen. Er nahm sich der jüdischen Blinden in Deutschland an und schuf ihnen eine Organisation. Nebenher lernte und lehrte er bis zuletzt. Der Tod hat ihn von einem qualvollen Leiden erlöst. \ Jüdische Schulzeitung