Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 12 (1.12.1937)
- Date
- 1937-12-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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pruts Wirken ermöglicht uns auch einen Sprung zu Abderrachmäns Zeitgenossen Otto L, mit dem der Aufstieg des deutschen Königtums und — die Kaiserpolitik beginnt. Wer viel Zeit hat, mag sich im Unterricht auch mit dem letzten großen andalusischen Herrscher beschäftigen: Almansor, der vom Beamten und Höfling unter Verwendung verbrecherischer Mittel zum allmächtigen Berater des Khalifen aufstieg, sich endlich von diesem den Königstitel verleihen ließ und sich auf der Höhe der Macht als einer der größten Staatsmänner und Feldherrn erwies, die das islamische Mittelalter hervorgebracht hat; die Behandlung solcher großen an Licht und Schatten gleichermaßen reichen Charaktere ist für die sittliche Erziehung im Geschichtsunterricht von unschätzbarem Wert. Für die Schilderung der spanischen Epoche ist Almansor natürlich entbehrlich, und es bleibt uns nur übrig, von dem Zerfall des andalusischen Reiches in Stadtstaaten zu sprechen und von der kulturellen Nachblüte, die diesen beschieden war, bis die marokkanischen Berber Andalusiens Verteidigung gegen die seit Almansors Tod in ständigem Vordringen begriffenen Christen übernehmen und. Unduldsamkeit und kulturelle Verengung nach Spanien tragen. Auf dem Hintergrund der kulturellen Nachblüte der islamischen Stadtstaaten und des durch die Marokkaner bewirkten Umschwungs spielt sich ja die jüdische Geschichte von Samuel ha Nagid bis Mosche ben Maimon ab. Gerade die jüdischen Persönlichkeiten der spanisch-maurischen Zeit bieten in ihren Schicksalen und Charakteren eine solche Mannigfaltigkeit von farbig-lebendigen Bildern, daß es dem Lehrer nicht schwer fällt, im Sintfe des vorhin aufgestellten Unterrichtsziels auch bei den Schülern unserer Altersstufe starke menschliche Anteilnahme für diese Gestalten zu erwecken. — Unsere nächste Aufgabe besteht darin, einen Ueberblick zu gewinnen über das Zeitalter, das den Kreuzzügen vorangeht. Wir begeben uns zu diesem Zweck in einen auf neutralem Boden gelegenen Brennpunkt des Weltbewußtseins: die Wendenstadt Jumne, deren einstige Herrlichkeit heute vergessen ist und nur noch in der Vinetasage nachwirkt; wir verlegen unsern Besuch etwa in das Jahr 1080 und finden in der heidnischen Stadt Normannen, Araber, Juden, Griechen als Träger des Handels, von denen wir alles über jenes Zeitalter Wissenswerte erfahren: von den Normannen die Entdeckung Grönlands und Amerikas und die. Eroberung Siziliens und Englands; von den Arabern die türkische Völkerwanderung und die Entmachtung des Bagdader Khalifen durch die Türken, von den Griechen oder anderen Christen die Machtsteigerung des Papstes und König Heinrichs Gang nach Canossa; von den Juden mancherlei über die Lage ihrer Glaubensgenossen in Spanien und am Rhein. Wichtig ist dabei für unsere weltgeschichtliche Betrachtungsart, den Schülern anschaulich zu machen, daß damals dort an einem Tisch über alle diese Dinge gesprochen werden konnte von den asiatischen Völkerbewegungen bis zu den verwegenen nordatlantischen Ozeanüberquerungen. Für die BeStellSChem j Unfrankiert j In den Post-! kästen werfen •. , Än das Postamt (Zeitungsstelle) Hier unterrichtliche Vorbereitungder Kreuzzüge hingegen kommtlf es darauf an; Bilder von. der zunehmenden religiösen Gleich^ gültigkeit im Orient und von der wachsenden religiösett^: Hochspannung im Abendland im elften Jahrhundert einander/^ gegenüberzustellen. — Die Kreuzzüge selbst bedeuten in derfm: mittelalterlichen Geschichte nicht nur der abendländischen.f . Juden den großen Umschwung. Wir behandeln den ersten^ Kreuzzug mit der Vernichtung der rheinischen JudengemeintHi den und der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer. Ein weiteres Bild liefert das Thema „Saladin und der dritte..: Kreuzzug" mit einer Vorschau auf den schließlichen RückzugÄ der Christen; es bildet zugleich die Ueberleitung zu einenia Blick auf die abendländische Entwicklung von Barbarossa bis.•< zu Friedrich II. Roger. Denn während der Mongolensturm in Vorderasien alles zertrümmert, was die türkische Völkerwan--% derung vom arabisch-persischen Orient noch übriggelassenhat, entfaltet im Abendland das Mittelalter noch einmal. all - seinen Glanz in der überragenden Gestalt Kaiser Friedrichs II.;" wir verstehen eben auf Grund unserer Auffassung vom Mit- V telalter, warum Friedrichs Reich seinen natürlichen Schwer-; Punkt gerade in Sizilien haben mußte, aber wir versäumen; auch nicht, hervorzuheben, daß dieser Herrscher es war, derSi auf den Rat seines Freundes Hermann von Salza den Deutschen Ritterorden zur Gewinnung der preußischen Gebiete einsetzen ließ. — Mit Friedrichs II. (verhältnismäßig frühem) Tode bricht das Reich der Stauf er zusammen, und auch im' Abendland hält der „Herbst des Mittelalters" seinen Einzug. Von nun an kümmern wir uns nicht mehr um die .Geschichte > der Herrscher, sondern richten unsern Blick auf die-im Abendland jetzt immer deutlicher aufsteigende neue Macht, die-i Städte. Aegypten und die italienischen Städte werden die;' wirtschaftlichen Nutznießer der Kreuzzüge als Träger des - Handels vor allem mit Indien. Von den italienischen Städten,:', deren schöpferischer Unternehmungsgeist in dem Venetianer . Marco Polo vielleicht am eindrucksvollsten Gestalt gewinnt,~* führt eine gerade Linie zu den mit ihnen in Verbindung tretenden Städten in Mittel- und Nordeuropa. Wir stellen uns das^ Leben in solch einer mittelalterlichen Stadt vor und sehen. ■ daß durch die Städte erst das Handwerk in großem Umfang zu einem selbständigen Beruf wird, und daß damit ein Stand geschaffen, wird, der nicht mehr unmittelbar von den Früchten:: seiner Arbeit leben kann wie der Bauer, sondern auf deren Verkauf angewiesen ist; damit, gewinnt aber auch bald der Handel als Beruf eine Selbständigkeit und einen Umfang, die:■■ ihn für das Volksganze, erstbedeutsam werden lassen, und er ist es, der nicht nur die Stadt mit ihrem Hinterland verbindet, sondern alsbald von Landschaft zu Landschaft, von- Land zu Land, endlich von Erdteil zu Erdteil reicht und Land-;; schaften, Länder und Erdteile zu immer größeren Einheiten': zusammenschließt. Endlich zeigen wir an einigen Beispielen,,; wie die Juden damals in den europäischen Städten lebten und., wie sich gegen Ausgang des Mittelalters mit der fortschreitenr: den Zuspitzung aller Gegensätze innerhalb der Umwelt auch; ihre Lage ständig verschlechterte. — Die letzten'Bilder wid - -; men wir den Erfindungen, die in Europa ihren Einzug halten;*? und den Entdeckungen, die von Europa ausgehen;' ihre un-; terrichtliche Behandlung ergibt sich von selbst und ist er-, fahrungsgemäß sehr dankbar. In dieses Zeitalter fallen zwei politische Ereignisse von Bedeutung: die Eroberung Kon-' stantinopels durch die Türken, d. h. die Verdrängung desmorgenländischen Christentums durch eine geistig unfruchtc bare islamische Macht, und die Eroberung Granadas durchs die Christen. Wir sehen den Gegensatz zwischen der islamischen und der christlichen Einstellung noch einmal zum Aus-, druck kommen in den Uebergabeverhandlungen, in denen der : letzte König von Granada seinen moslemischen und jüdischen Untertanen die Zusicherung freier Religionsübung ausbedingt, die dann später von den christlichen Siegern nicht gehalten; wird. Die noch in das gleiche Jahr fallende Vertreibung der"; Muslime und Juden aus Spanien gibt uns Gelegenheit, auf die,; Geschichte der Juden im christlichen Spanien ausführlich ein-> zugehen. (Fortsetzung folgt.)