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Jüdische Schulzeitung · 1937-12-01 · 12 (1.12.1937) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
12 (1.12.1937)
Date
1937-12-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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.;#def#morgenländische' und derabendländische Geist einander; ^am'ivpllkommensten durchdrangen: das eine Mal _im islamii l^sctien-xSpanien, :das zweite Mal im christlichen Reich Kaiser i^Eriedrichs IL; und ferner ergibt'sich, daß das Mittelalter nicht . .f?nit der Reformation endet, .sondern mit dem Zeitalter der ^Entdeckungen, mit der Eroberung des Weltmeeres , durch die Ipuröpäer. die sich damit in ihrem ganzen Denken auf das nachhaltigste zu verändern begannen, so daß "sie das Morgenland -Jin politischer und wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und technischer Hinsicht entscheidend hinter sich ließen und es für ^"Jahrhunderte als aktiven Partner ausschalteten. — Endlich ^vird dann erst klar, warum sich die Geschichte der Juden in $den mittelalterlichen islamischen Reichen so grundsätzlich Jvvon der in den christlichen Ländern -unterschied: zur morgenffländischen Welt gehörten die Juden ursprünglich, teilten ihre Lebensformen; im christlichen "Abendland aber begünstigte man hihre Ansiedelung gerade wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer &ganz fremden —"als wirtschaftliches Vorbild neidvoll bewun- , :<ierten — Welt, und als Vertreter dieser fremden Welt mußten issieleiden, sobald sich herausstellte, daß die Nachahmung jenes -^wirtschaftlichen Vorbildes krisenhafte Begleiterscheinungen gezeitigte. r:"- .- Dem Geschichtsunterricht der 3. Klasse ist damit eine #größe Aufgabe gestellt; , aber ihre methodische .Bewältigung -l .gestaltet sich nicht allzu schwierig, wenn man sich nicht von Sder Vielzahl der Einzelvorgänge verwirren läßt, sondern ,für y .das Morgenland und für das Abendland zwei Völker herausihebt, deren Schicksale als beispielhaft für die beiden Kulturpreise angesehen werden können. Für das Abendland sind es ^die. Deutschen, das Kaiservolk des Mittelalters, deren Gefcschichte damals schlechthin mit der europäischen Geschichte gleichbedeutend gewesen ist; für das Morgenland sind es die ^Araber,, das Volk des Propheten. Damit fällt aber dem Geschichtsunterricht der 3. Klasse innerhalb der jüdischen Schule i noch eine besondere Verantwortung zu: hier muß nämlich der -{Grund gelegt werden für das Verständnis der modernen Ara- - berfrage, das nicht möglich ist ohne eine elementare Kenntnis ^;des arabischen Volkes und seiner großen Vergangenheit. Der ".Europäer von heute ist gewöhnt, bei den Angehörigen eines "-Volkes, das als Kulturvolk gelten will, eine Lebenshaltung vorauszusetzen, die auch hinter den Errungenschaften; der modernen Zivilisation nicht allzu weit zurückbleibt. Daß die heutigen Araber zum großen Teil zivilisatorisch .tief ^stehen und dennoch dem europäischen Einwanderer mit dem - .stolzen Bewußtsein ihrer alten Kultur entgegentreten, ist eine ^Erscheinung, die der Europäer zunächst einmal mit barem 4Nichtverstehen beantworten muß; indessen ist es an ihm, vgsich um das Verständnis zu bemühen, und zumal für den europäischen Juden, der nach Palästina geht, ist es eine Lebensfrage, nicht neben dem arabischen Orient herzuleben, sondern *£mit ihm zusammenzuwachsen. Dieses Verständnis, aber wird ahm wenigstens etwas nähergebracht durch die Kenntnis der t mittelalterlichen Geschichte mit ihren stolzen Höhepunkten und;.1hrem für den Orient, besonders für den arabischen Orient' Mso unsagbar traurigen Ausgang. — #-A Hatten wir schon in der 4. Klasse Gelegenheit, zu betrachten,- wie sich bereits zu Beginn der Kaiserzeit ein Nachlassen ,-/der Römischen Kräfte bemerkbar macht, so daß sich die Völker iim Norden und Osten — Germanen und Parther — des römischen. Vordringens erfolgreich zu erwehren beginnen, so könjjneri wir in der 3. Klasse daran anknüpfen und den Schülern f-den Einbruch des Nordens und daran anschließend den Einbruch des Ostens in das sterbende Römerreich vor Augen ^stellen. Den Einbruch des Nordens, die große Völkerwandeferüng der Germanen, lassen wir mit dem Hunnnensturm ein- Vsetzen; das wichtigste Bild ist die Gegenüberstellung Theo-; 'derichs des Großen mit dem Franken Chlodwig, an denen sich ^""anschaulich zeigen läßt, wie sich Franken und Mittelmeer- M^ermanen in Art und Schicksal von einander unterschieden. #Das nächste Bild: zeigt den oströmischen (byzantinischen) ^Kaiser Heraklius, wie er im Kampf gegen die Perser Jerusalem Jl^l * - ' . . 1^£§T-& ^C: j.^ -. _ „ : _ _ ^. _ zurückerobert, und sein Verhalten gegen die jerusalemischett Juden. Aber schon wächst in der arabischen Wüste die Macht heran, die beide Gegner— Ostrom und Iran — beerben wird: Mohammed, dem das nächste Bild gewidmet ist. Seine Anfänge, sein Aufstieg, sein Sieg rufen nach meiner Erfahrung die lebhafteste Anteilnahme der Schüler hervor, sein Vorgehen gegen die Juden von Medina wird mit heftiger Ablehnung aufgenommen. Unter Benutzung der islamischen Legende, dieerzählt, Mohammed habe nach Gottes Willen von jeder Art Sünde eine begehen müssen, damit ihm nichts Menschliches fremd bleibe, regen wir die Schüler zum Nachdenken darüber an, daß es kein Tun gibt ohne Schuld — ein sittliches Motiv* das wieder anklingt bei der Besprechung des von Judentum und Islam abgelehnten, aber für die christlich-europäische Kultur so bedeutungsvollen Mönchswesens, in dem die Furcht vor der Schuld zur Flucht vor der Welt führt. — Der Siegeslauf der Araber unter den ersten Khalifen führt uns nach Spanien* wo uns die Lage der Juden im Westgotenreich kurz zu beschäftigen hat, und darüber hinaus zu den Franken. So ist das nächste Bild Karl dem Großen gewidmet, dem Begründer der Einheit des christlichen Abendlandes; wir lernen den fränkischen Lehnsstaat kennen, die Stellung der Juden in Karls Reich, wir werfen auch einen Blick auf Harun in Bagdad, wo sich das Volkskönigstum der ersten Khalifen inzwischen in eine Despotie nach persischem Vorbild verwandelt hat. Der von Haruns Regierung eingeleitete Niedergang des Khalifats von Bagdad mächt uns die Loslösung großer Teile des Khalifenreichs Verständlich, und so können wir uns nunmehr dem islamischen Spanien zuwenden. Da wir die 3. Klasse vor uns haben, müssen wir freilich unumwunden darauf verzichten, die Geistesgeschichte dieses Kulturbereichs unmittelbar zum Gegenstand unseres Unterrichts zu machen; wohl aber können wir erreichen, daß dem Schüler die schöpferischen Gestalten, insbesondere die großem Juden dieser Zeit menschlich nahegebracht werden, so daß er sie in einen Zusammenhang einordnen kann und sich ihrer gern erinnert, wenn er sich später mit ihren Leistungen zu beschäftigen hat. Es entspricht der geschichtlichen Rangordnung ebenso wie der Altersstufe unserer Schüler, wenn wir den ersten Blick auf einen Mann der Tat richten: Abderrachman III., den Khalifen von Cordoba, der diesem einzigartigen Volk von Arabern, Berbern, Westgoten ein einzigartiges Reich schuf, in dem sich Machtfülle mit Duldsamkeit verband und in dem auch die Juden die Luft atmeten, in der sie gedeihen und schaffen konnten. Wir begegnen Abderrachmäns jüdischem Minister Chisdai ibn Schaprut und lesen dessen Briefwechsel mit dem jüdischen Chazarenkönig. (Auch wer sonst die Verwendung von Quellen im Geschichtsunterricht der Volksschule aus methodischen Gründen ablehnt, sollte sich dieses leichtverständliche und für die Veranschaulichung der damaligen Verhältnisse so ergiebige Schriftstück nicht entgehen lassen.) Chisdai ibnScha- Ausfüllen und Ihrem Briefträger mitgeben oder unfrankiert in den Briefkasten werfen.,-« POStbeStellSCheill für Neuabonnenten Hndas postamt (Zeitungsstelle) Hier* Ich — Wir — bestelle— hiermit zur regelmäßigen Zustellung die monatlich lmal erscheinende , , * . Jüdische Schulzeitung Verlagsort Mannheim 2 zum Preise von RM.—.75 pro Vierteljahr, zuzüglich 6 Rpf. Postzustellgebühren. Genaue Adresse des Absenders: Vor-u.Zuname:_________.________________„....................................................................1__________...... , Eigenhändige, deutliche Unterschrift erforderlich Ort: .„.............................................................................;........................................................ Straße: _.................................................._._......................... Nr..................Stock.........„.. *) Dieser Bestellschein darf nur am Wohnort des Bestellers in den Postbriefkasten geworfen, oder dem Briefträger abgegeben werden. Nicht an den Verlag senden I w\ 'm\ :4

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