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Jüdische Schulzeitung · 1937-12-01 · 12 (1.12.1937) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
12 (1.12.1937)
Date
1937-12-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ü dische' ch"u iXe i tu ng-. es mag manches Buch unverkäuflich in den gellem der Verleger dem ewigen Schlummer. verfallen sein.' ■.■ :■: * ■'■ ' ■ ■ . Die jüdische Schule hat in der hinter uns liegenden Zeit einen bedeutsamen Aufschwung genommen. Tausende von Knaben und Mädchen, die früher die allgemeinen Schulen besuchten, sind ihr teils aus der Zwangsläufigkeit der Entwicklung heraus, teils, aus freier Willensentscheidung der- Eltern zugeführt worden. Die Schularbeit hat zudem eine grundlegende Verschiebung erfahren: sie kreist heute in einer ungeahnten Weise um die Welt des Judentums, und so hat es sich ganz von selbst gefügt, daß die jüdische Schule zu einer, der am meisten ins Gewicht fallenden Buchabnehmerinnen geworden ist. So darf der Menschenkreis, der sie zu betreuen berufen ist, die Lehrerschaft, ein besonderes Wort sprechen, wenn es für das jüdische Buch zu werben gilt, über auch dann, wenn die Leistungen der jüdischen Verleger und Autoren zu beurteilen sind. Sie wird durch Aufklärung innerhalb der Eltern- und Schülerschaft mithelfen, das gute 'Buch zu verbreiten, und . sie wird durch eine gerechte Kritik dazu beitragen, daß von Verlegern und Autoren Niveau gehalten wird. Zur Neuordnung des Geschichtsunterrichts an jüdischen Schulen von Wilhelm Speyer, früher Berlin (Fortsetzung) Der Lehrstoff der 4. Klasse lautet demnach: Zusammenfassung und Fortführung der biblischen und jüdischen Geschichte bis zum Tode Bar Kochbas und Ergänzung durch ausgewählte Bilder aus der Geschichte des vorgriechischen und griechisch-römischen Altertums. Damit ist gesagt, daß es sich nicht etwa darum handelt, griechische und römische Geschichte zu lehren. Einzelbilder sollen eine Vorstellung geben von der Art der Völker, mit denen die Israeliten und Juden es zu tun hatten, wobei der alte Orient von. ebenso großer Bedeutung ist wie die Griechen und Römer. Wir beginnen also mit einer kurzen Wiederholung der bereits aus der Grundschule bekannten biblischen Erzählungen und legen die Mei- ' lensteine dfer alten israelitischen Geschichte bis zur Teilung des Reiches fest. Dabei zeigen wir etwas vom Leben der al- ■ ten Aegypter; auch für das alte Mesopotamien bieten sich zwei im Unterricht verwendbare Themen: die Gilgameschsage und das "Gesetzbuch des Hammurapi, von dem die Schüler passend ausgewählte Abschnitte ohne Schwierigkeit verstehen können. Bei der Eroberung des Landes Kanaan durch Josua und bei der Geschichte der Richter undvder ersten drei Könige werden als Gegenstück die den israelitischen Wüstenstämmen fremden Lebensformen der kanaanitischen Ackerbauer und der Ackerbau und Handel treibenden Philister gezeigt.— Sodann führen wir die israelitische und jüdische Geschichte weiter bis zum Bau des zweiten Tempels unter dem Schutze des Darius, dessen Regierungszeit am Ende des ersten Klassenhalbjahres erreicht werden soll. Dabei begegnen uns die Phönizier (Elias Kampf gegen Ahab und Isebel; Ahab und Benhadad), dann die Assyrer und schließlich die Babylonier. Indem wir mit den Juden in die babylonische Verbannung gehen, erweitert sich plötzlich unser Blickfeld: in der bewegten Zeit von Nebukadnezar bis Darius ist ja Babel ein Brennpunkt des Weltbewußtseins. Wir sehen Nebukadnezar (585) den Frieden zwischen dem reichen Indien und dem angriffslustigen Medien vermitteln; wir erwähnen zum erstenmal einen Griechen: Thaies, der die Sonnenfinsternis, die für den Friedensschluß so förderlich wirkte, vorausberechnet hatte. Wir sehen in der Belsazarerzählung des Buches Daniel das Abbild des Verfalls der babylonischen Macht unter Nebukadnezars Nachfolgern. Wir verfolgen voller Hoffnung den Siegeslauf der Perser durch Medien, Lydien (Kroisos), Babel und Aegypten und sind j bei der Befreiung, der Juden angelangt und — bei der ersten für uns bedeutsamen Begegnung des alten Orients mit den Griechen. Daß-nur~ein kleiner~TeüXer£l jüdischen Verbannten nach Palästina zurückkehrte, um in; cftajjl luzischem Geist das verödete Land wiederaufzubauen," wireg entsprechend ausgewertet. Wir fragen, wie Darius es mögliclM machte, ein so gewaltiges Reich in. Ordnung zuhaltenyiundf| sprechen über die von ihm geschaffene Verwaltung; Mdiej|| Reichsstraßen, die Post, das Heer, Strafrecht und Rechtspresg chung,;.. vielleicht die Religion der Perser. Darius erscheint HirisJ als der pflichtbewußte große Herrscher; seinen Nachfolgehg Xerxes lernen wir nachher aus der. Esthergeschichte als leicht-^? fertigen, launischen König..kennen; dem es nicht an Gutmütig^ keit fehlt, wohl aber an-Pflichtgefühl und zuverlässiger. Rechte Henkelt. Er ist es, der die' große Hinterlassenschaft seines;^ Vaters zu vergeuden beginnt (wie Belsazar), so daß wir uns|| über den fortschreitenden Verfall der persischen Macht uaxter# ihm und seinen ihm ähnlichen Nachfolgern nicht wundern." Mi Für die Veranschaulichung des griechischen Lebens steuern^ die Schüler selbst homerische, und andere Sagen bei. -Großej^ Anteilnahme erweckt bei ihnen sodann die Erziehung dervSpar^S tanischen Knaben, ebenso die Schilderung der olympischen"! Spiele, die auch von einem Schüler selbst gegeben werden^ kann. Die weiteren für uns wesentlichen Ereignisse und^inne^S ren Vorgänge der griechischen Geschichte erfassen wir dürcHf| die Betrachtung einzelner für ihre Zeit bezeichnender Männer,^ z. B. Solon, an dessen „Schuldenabschüttelung". wir späterdurch die entsprechende Maßnahme des Nehemia erinnerte werden; Themistokles, dessen Name mit dem Sieg über die;:! Perser und — dem Beginn des Brudefzwists verknüpft ist Perikles oder „griechisches Leben zur Zeit Nehemias'*; Alki^s biades oder „die Verderbnis der griechischen Stadtstaaten'',;':^ Sokrates und seine Freunde oder „griechische Weisheit und/:5 Frömmigkeit"; endlich Alexander der Große und die Ausbrei-f? tung der griechischen Lebensformen über den ganzen alten/ Orient. Währenddessen verlieren wir das Schicksal' der Ju-.: den auch "nach Nehemia nicht aus den Augen und leiten nunfi mit leichter Mühe von Alexander zu Antiochos und den Mak- \ kabäern über, so .daß wir Ende November oder Anfang De-* zember im natürlichen Gang unseres Unterrichts zur Chanukr^ kageschichte gelangen. Wie der weitere Verlauf der jüdi-: sehen Geschichte zu behandeln ist, ergibt sich von selbst;«-" ebenso die Einbeziehung der Römer in unseren Gesichtskreis, die ähnlieh vor sich geht wie vorher die der Griechen; natürlieh versäumen wir nicht, bei passender Gelegenheit Rom als neuen Brennpunkt des Weltbewüßtseins zu würdigen. — Ganz. am Schluß des Schuljahres fassen wir in einer Gesamtwiederr^ holung die wichtigsten Ergebnisse zusammen und-suchen da^ bei auch einen Ueberblick über die Gründe der heidnischen'■. Judenfeindschaft zu gewinnen. Der Lehrstoff der 3. Klasse lautet: Morgen- und Abend-x land im Mittelalter bis zum Zeitalter der Entdeckungen. Dentis die für die mittelalterliche Judenheit entscheidende weltge-Ä" schichtliche Spannung ist die Auseinandersetzung zwischen Morgenland und Abendland. Diese Auseinandersetzung geht.; nicht zwischen zwei zu gleichen Zeiten gleich starken Part-# nern vor sich: am Anfang des Mittelalters befindet sich das r Morgenland dem Abendland gegenüber im Zustand weiter^ vorgeschrittener kultureller und zivilisatorischer Reife, die 4 eine unverkennbare wirtschaftliche;und technische Ueberlegenheit über das christliche Europa einschließt; im Lauf-des v Mittelalters ändert sich dies zugunsten des Abendlandes; Man£ versteht die ganze mittelalterliche'Geschichte nur halb, wenn'.; man sie allein vom Ständpunkt des christlichen Abendlandes & ansieht: die Blütezeit des islamischen Spaniens bleibt ganzSJ außerhalb der Betrachtung', die Behandlung der großen Staii-'- fer bereitet Verlegenheit (man denke, an den immer wiederauflebenden Streit um die "KaiserpoJitik der mittelalterlichem deutschen Könige), und als Abschluß des Mittelalters ergibt^ sich die Reformation, die sich dazu eigentlich wenig eignet^ Geht man aber bei der Beschäftigung mit der mittelalterlichen^ Geschichte von der Wechselwirkung zwischen Morgenland"! und Abendland aus, dann werden alle Vorgänge in eine viel;~ klarere Beleuchtung gerückt, insbesondere erkennt man so'-;

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