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Jüdische Schulzeitung · 1937-12-01 · 12 (1.12.1937) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
12 (1.12.1937)
Date
1937-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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-Nummer 12 J ü d i seh e Sc h u 1 z e i t u n g Seit© 3 väische in den Mittelpunkt aller dafür in Betracht kommenden '-Unterrichtsfächer zu stellen." Zu den in Betracht kommenden -Fächern gehören neben Religion (Hebräisch und Jüdische Geschichte) auch Fächer wie Deutsch und Geschichte. Um die J.Bedeutung des Wortes'„Mittelpunkt" in diesem Zusammenhang zu verstehen, ist es nötig, den von ' der Unterrichtsfmethodik des letzten Jahrzehnts herausgearbeiteten Gedanken der Konzentration zu berücksichtigen. Führende Pädagogen i und Methodiker waren sich darüber einig, daß es nicht angäntgig sei, die Fächer so stark ihrer Eigengesetzlichkeit zu überlassen, daß für den Schüler die zwischen den einzelnen Fä- , : ehern bestehenden Beziehungen verdunkelt würden und demgemäß das überwuchernde Spezialwissen. den Aufbau einer über den Einzelfächern 'sich erhebenden Bildung störte. - Man . hielt es deshalb vor allem an den höheren Schulen für notwendig, Konzentrationsthemen zu stellen, deren Erarbeitung dann von allen Seiten her, von einem Fach mehr, vom anderen r weniger geleistet werden mußte, ohne daß die Eigengesetzlichkeit des Faches darunter litt. Der Ausdruck „das Jüdische" bedeutet für die Unterrichtsarbeit kein einzelnes Konzentrationsthema, sondern die Gesamtheit aller irgend möglichen jüdischen Themen. Vom J ü d i s c h e n aus — das eben deshalb „in den Mittelpunkt : zu stellen" ist — soll L i c h t fallen auf den Unterrichtsstoff der Einzelfächeir, das heißt: der Unterrichtsstoff soll unter ande- : "rem auch immer und immer wieder diejenige Beleuchtung erfahren, die dem Denken und Fühlen des jüdischen Kindes gemäß*, ist und~ die nicht vernachlässigt werden darf, wenn die - jungen Menschen wirklich zu geschlossenen Charakteren von - gesunder, innerer Sicherheit erzogen werden sollen. Ueber diese „jüdische Durchdringung" hinaus wird, wo •es angärigig ist, im gesamten Unterricht und besonders in Religion, Hebräisch, Jüdischer Geschichte und Palästinakunde jüdischer Wissensstoff an die Schüler herangebracht werden. Denn nur dann, wenn die Jugend in reichem Umfange jüdische Kenntnisse erwirbt und es lernt, sie zu Erkenntnissen ausreifen ' zu lassen, können Menschen heranwachsen, die ihres „Jude- Seins inr gesunden Bewußtsein sicher werden", die „sich des Namens freuen lernen, mit allem Stolz und aller Entbehrung, die damit verbunden sind". - Das Hebräische nimmt aus mehreren Gründen eine entscheidende Stellung ein. Es ist unumgängliche Voraussetzung für das Verständnis der großen sittlichen und religiösen Werte, die den Beitrag des Judentums für die Entwicklung "• von Kultur und Zivilisation darstellen, und im besonderen der Gebete und des Gottesdienstes. Zugleich ist es von außer- -ordentlich praktischer Bedeutung: es ebnet den Weg, der zu - 'dem wichtigsten jüdischen Auswanderungsziele, nämlich nach Palästina führt. Der Unterricht in Hebräisch, Religion und Geschichte kann r 'leicht zu Konflikten zwischen den verschiedenen jüdischen 'Richtungen führen. Es wird unsere vornehmste Aufgabe beim ' Aufbau des jüdischen Schulwerks sein, hier die Gegensätze zu überbrücken und auf einheitlicher Grundlage Schulen zu schaf- . fen, in denen Kinder aus Elternhäusern verschiedener weltanschaulicher Richtung neben- und miteinander erzogen werden können. - Die veränderte Situation der Juden in Deutschland erfordert Berücksichtigung des Umstandes, daß unsere Jugend weit mehr als bisher zu Berufen der Handarbeit übergehen wird. Die stärkere Betonung der Leibesübungen, des Werkv. Unterrichts und, soweit es möglich ist, die Einführung in gärt- . nerische und landwirtschaftliche Arbeit ergeben sich jedoch nicht nur im Hinblick auf die veränderten Berufsaussichten ' und die daher anzustrebende Berufsschichtung. Vielmehr gehört diese Zuwendung zur Körperlichkeit zu dem Erziehungsziel, das uns vorschweben muß. Wir wollen Menschen erziehen, die den Uebergang in Berufe der Handarbeit, wie sie bis her außerhalb des Blickfeldes weiter jüdischer Kreise lagen, .nicht lediglich als lastenden Zwang hinnehmen^ sondern in dem Gefühl aufwachsen, daß auch dieser Weg zu einer ^harmonischen Lebensgestaltung führt. II. Auf Grund der Richtlinien sollen die- Lehrpläne der einzelnen Schulen abgefaßt werden. Es müssen ein- und dieselben Richtlinien sein, die für alle Schulen maßgebend sind, sonst wäre die innere und äußere Einheit unseres Schulwerks gefährdet. Einheit kann hier nur Einheitlichkeit der Grundzüge bedeuten. Abwandlung nach den religiösen Bedürfnissen der einzelnen Gemeinden, der Schüler, der Lehrer, der Eltern. Vielfalt in der Einheit ist nicht nur möglich, sondern erwünscht, ja im Grunde genommen unumgänglich notwendig. Nur d i e Schule, die ihre individuellen Züge ausprägt, ist ein lebendiger Organismus und trägt ein eigenes Gesicht. Aber diese Vielfältigkeit kann in Richtlinien niemals dargeboten, sie kann durch sie nur ermöglicht werden. Darin liegt ja eben die entscheidende Bedeutung unserer Richtlinien, daß jeder Lehrer, der überhaupt eine positive Stellung zum Judentum einnimmt, von ihnen ausgehend dem Schüler das geben kann, was zu geben ihm besonders am Herzen liegt, daß er ihm aber außerdem auch ^diejenigen Werte nahebringen muß, dereu Uebermittlung aus gesamtjüdischem Interesse unbedingt notwendig ist. Der Ort für die Herausarbeitung der individuellen Züge ist die einzelne Schule. Hier setzt die Arbeit der Lehrerkollegien ein, wenn es gilt, die Lehrpläne zu entwerfen und durchzuführen. Im übrigen darf nie vergessen werden, daß neben dem Willen der Schule, Ziel und Richtung von Unterricht und Erziehung zu bestimmen,-der legitime Anspruch des Elternhauses steht, in all diesen Fragen ein gewichtiges Wort mitzusprechen. . . Wir wollen die jüdische Einheitsschule., In ihr muß Platz sein für die. Entfaltung der Lehrerpersönlichkeit und für jene fruchtbare Auseinandersetzung zwischen Lehrerschaft und Elternhaus, ohne die es keine gedeihliche erzieherische Arbeit gibt. Das jüdische Buch (Schluß von Seite 1) von ihnen haben eine zähe Lebenskraft aufzuweisen; sie sind, z. T. in neuer Bearbeitung, auch dem Ansturm nicht erlegen, den in unserer Zeit eine Anzahl ganz neuer Bücher unternahmen. Ueberlegt man, woher es kommen mochte, daß in der kurzen Frist von vier Jahren von Dutzenden neugeschaffener Bücher nur ganz wenige wirklich in der Schule Heimatrecht haben erwerben können, so trifft man auf zwei Ursachen, eine äußere und eine innere: es fehlen weithin die Geldmittel zur Anschaffung auch gediegener und wertvoller Bücher in hinreichender Menge; so manches angebotene Buch ist nicht die Frucht einer langjährigen Erfahrung und einer wohldurchdachten Anlage und Durcharbeitung, und der gesunde Sinn sowohl der Lehrer als auch der Schüler hat ihm den Zutritt zur Schulstube verwehrt. Sehen wir aber von dieser Seite der Frage ab, so darf gesagt werden, daß es doch auch ein wohlüberlegtes und pädagogisch gewichtiges Neuschaffen von jüdischen Schulbüchern-gegeben hat und noch gibt, und daß die jüdische Jugend in einer nützlichen Weise mit ihnen in Berührung kommt. Die Schulbüchereien wiesen in früheren Zeiten nur wenige gute jüdische Jugendschriften auf; man könnte sie an den Fingern herzählen. Was an allgemeiner Literatur vorhanden war, das hat, sofern es nicht wegen allzustarker Abnutzung ausgeschieden werden mußte, seinen Platz in den Bibliotheken der Schulen behalten, und es steht dem jüdischen Kind nach wie vor zur Verfügung. Hinzugekommjen ist dann in dieser Zeitenwende eine überraschend große Menge von Büchern, die von jüdischen Autoren für jüdische Jugendliche geschrieben worden sind, und zu deren Herausgabe sich eine Reihe jüdischer Verleger bereitgefunden haben. Was hier über die Qualität mancher Lernbücher gesagt wurde, das gilt in noch stärkerem -Ausmaß für diese Jugendschiaften. Nur weniges hielte , der Kritik stand, legte sie strengste Maßstäbe an, und

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