Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1937-12-01 · 12 (1.12.1937) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
12 (1.12.1937)
Date
1937-12-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2825247-2825381-2825393--1254-2826936
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 es soll sich des Namens freuen lernen, mit-allem- Stolz-undaller Entbehrung, die damit verbunden sind. Zur Erreichung dieses Zieles ist das Jüdische in den Mittelpunkt aller dafür in Betracht kommenden Unterrichtsfächer zu stellen. Lebendiges Verständnis für die Ewigkeitswerte der jüdischen Religion und für das jüdische Leben der Gegenwart, insbesondere für das Aufbauwerk in Palästina, sollen im Kinde geweckt und gepflegt werden, damit es seine Aufgaben in Haus und Synagoge, in der Gemeinde und der jüdischen'Gesamtheit zu erfüllen in den Stand gesetzt wird. Unbeschadet der Ausbildung aller intellektuellen Fähigkeiten ist stets im Auge zu behalten, daß die gesamte Erziehung auf die Erzielung willensstarker und in sich gefestigter jüdischer Charaktere abgestellt sein muß. Von allem anderen abgesehen, mahnen hierzu die dringenden Notwendigkeiten der Gegenwart. Das jüdische Kind muß für die Auswanderung, insbesondere nach Palästina, vorbereitet und fähig gemacht werden, den seiner wartenden schweren Lebenskampf aufzunehmen. Daher wird eine sorgfältige körperliche Erziehung, insbesondere die Pflege von Turnen und Sport, zu den wichtigsten Aufgaben der Schule gehören. Der notwendigen Berufsumschichtung wird durch die Pflege manueller Ausbildung (Zeichnen, Nadelarbeit, Werkunterricht). die Bahn bereitet werden. Um der besonderen Situation der Judenheit in Deutschland gerecht zu werden, soll den Volksschülern auch die Möglichkeit geboten werden, mindestens eine moderne westeuropäische Fremdsprache, sowie ganz besonders auch das Neuhebräische zu erlernend) Religion und Hebräisch. Die Erhöhung der für Religion und Hebräisch vorgesehenen Stundenzahl/von 4 auf 6 Stunden ist zu erstreben. Dem hebräischen Unterricht fällt die Aufgabe zu, das Kind für die Teilnahme am häuslichen und öffentlichen Gottesdienst vorzubereiten. Darüber hinaus soll das Kind befähigt werden, religiös und kulturell bedeutsames Schrifttum zu erarbeiten und den Zutritt zum gesprochenen lebendigen Hebräisch zu finden. Der Unterricht muß nach den Prinzipien des modernen Sprachunterrichts erteilt weren. In der Grammatik soll das Verständnis der Wortformen, insbesondere des Verbs und Substantivs erreicht werden. Der Befestigung dieser Kenntnisse dienen die auf allen Stufen vorzunehmenden Sprechübungen und Uebungen im schriftlichen Ausdruck. Im Mittelpunkt des hebräischen Unterrichts steht die Lektüre ^biblischer Bücher; aus der nachbiblischen und modernen hebräischen Literatur sollen Werke jüdisch-religiöser Grundhaltung ergänzend hinzutreten. Biblische und jüdische Geschichte. Der Unterricht in der biblischen Geschichte und der-jüdischen Geschichte bildet ein untrennbares Ganzes. Die Unter- und Mittelstufe vermittelt die Kenntnis der biblischen Geschichte in der für Volksschulen üblichen Auswahl. Die Darstellung des religiösen Ideengehalts erfordert einen nochmaligen Gang durch die biblische Geschichte auf der Oberstufe (Bibellesen!), wobei die Behandlung der gesetzlichen Teile der Tora sowie der Psalmen und Propheten im Vordergrund steht. Das Lesen geeigneter Bibelstellen soll möglichst im Urtext erfolgen. Auf der Oberstufe bildet der Unterricht in der jüdischen Geschichte die. natürliche Fortsetzung des Bibelstoffes. Die Geschichte der Juden in Deutschland ist besonders ausführlich darzustellen. Der Aussprache über jüdische Gegenwartsfragen ist breiter Raum zu gewähren. Das jüdische Kalenderjahr mit seinen Festen und Halbfesten, religiöse Vorschriften, Sitten und Bräuche sollen systematisch behandelt werden. 4) Dieser Unterricht in der Fremdsprache soll in privaten, freiwilligen Zirkeln ohne Verbindung mit dem lehrplanmäßigen Unterricht erfolgen. Nummer 12;j - Um zu vermeiden,- daß-^ie~UntemchtsDeflS€n^in--allgemei^§ ner und jüdischer Geschichte in einem Jahrgang verschiedene^ Zeiträume umfassen, soll die Stoffverteilung so erfolgen, daß^in'E allgemeiner und jüdischer Geschichte Stoffe desselben Zeit^ raums, aber in getrennten: Unterrichtsstunden, zur Behandlung" kommen. Eine Konzentration von allgemeiner und jüdischer ,- Geschichte (Vereinigung in der Hand eines Lehrers) oder der; Fächer Biblische Geschichte .bzw. Jüdische Geschichte und . Hebräisch ist anzustreben. Deutsch. Das allen deutschen Volksschulen gesteckte Ziel der . sprachlichen Schulung muß auch an der jüdischen Schule er-* strebt werden. . ..^ Außer Prosa und Gedichten aus dem deutschen Kulturkreis sollen jüdische Lesestoffe behandelt werden, seien es Werke-f deutscher Dichter oder*aber wertvolle Uebersetzüngen aus dem Schrifttum biblischer und' nachbiblischer Zeit. Dieses in Inhalt-und Form bedeutsame Schrifttum kann nach Art der- Lesebogen ergänzend neben das Lesebuch oder die etwa eingeführten Ganzschriften treten. V Heimatkunde. Heimatkunde will den Standpunkt schaffen helfen, von dem aus das Kind die Welt erfahren soll. Daher muß in den heimatkundlichen Gesamtunterricht all das einbezogen werden, was geeignet ist, das Kind durch Vertrautwerden mit denjüdischen Elementen der näheren und weiteren Umgebung für eine bewußte Erkenntnis des Judentums vorzubereiten. Das jüdische Familien- und Gemeinschaftsleben soll Gegenstand ungezwungener Aussprache sein und durch jede im; heimatkundlichen Unterricht übliche Art der Darstellung lebendig gemacht werden. Die Feier der Feste soll immer wieder zu erlebnisfreudiger Gestaltung von Höhepunkten im Leben des Kindes führen. Stätten, mit denen Erinnerungen an unsere Vergangenheit verknüpft sind, oder die noch heute Be-/ deutung für das Gemeindeleben haben, werden auf Lehrspaziergängen besucht. Im vierten Schuljahr ist Stoffen aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde und Betrachtungen ein.- zelner jüdischer Persönlichkeiten besondere Beachtung zuschenken. Erdkunde. Der Palästinakunde ist auf allen Klassenstufen besondere Beachtung zu schenken. Bei der Behandlung der meisten Länder wird die Schilderung der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse des jüdischen Bevölkerungsteiles erheblichen Raum beanspruchen dürfen. Musik. Auch der Musikunterricht ist möglichst mit dem jüdischen Unterricht in Verbindung zu bringen. Der liturgische Gesang und das hebräische Lied sollen gepflegt werden, wobei namentlich auf eine Veredlung des häuslichen Gottesdienstes hingearbeitet werden kann. Zeichnen. Der Zeichenunterricht hat seine Stoffe in allen Schuljahren auch aus dem jüdischen Lebenskreis des Kindes zu nehmen. Bilder aus dem religiösen Familien- und Gemeinschaftsleben, Gegenständedes Kultus, biblische und andere jüdische- Stoffe finden zeichnerische Darstellung. ■ * ■; Erläuterungen zu den „Richtlinien" Von Studienrat i. R. Dr. Adolf Lesch'nitzer I. In Anbetracht des Interesses, das den Richtlinien in weiten Kreisen des Judentums in Deutschland entgegengebracht wird, muß zur Vermeidung von Mißverständnissen in erster Linie eine Stelle kommentiert werden, deren Bedeutung wohl dem Lehrer klar ist, jedoch nicht dem Laien, der den. Fragen der modernen Pädagogik fernsteht. In den „Allgemeinen Zielen", Absatz 1, Satz 3 heißt es: „Zur Erreichung'dieses Zieles (gemeint ist: der jüdischen Durchdringung) das Jü-^ Jüdische Schulzeitung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.