Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1937-11-01 · 11 (1.11.1937) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
11 (1.11.1937)
Date
1937-11-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2825247-2825381-2825392--1250-2826931
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

-pl&^L^-X'W-Tv-'J/yj-' - ViVr d«^'-'H m&&*F&S~C^f*'<'~~~s r "*&*>'■>.■ - "s " Nummer 11 Jüd i sche Schulzeitung Seite 7 beider unter Berücksichtigung reichen Anschauungsmaterials behandelt. ,;*_•( Alle Lehrproben wurden eingehend diskutiert, Fehler bemängelt, Ansichten pädagogischer wie weltanschaulicher Art ausgetauscht, Hinweise auf Literatur, auf gute einfache Lehrmittel gegeben, die auch die Landschulen sich anschaffen können.— Einstimmig wurde anerkannt, daß Düsseldorf gute, nach' einheitlichen Grundsätzen ausgerichtete Schularbeit 'leiste!'und daß eine"Fortbildungstagung organisiert worden sei, die allen Teilnehmern reichlich Anregung gegeben habe. Im Schulgebäude sah man eine Ausstellung von handwerklichen und Nadelarbeiten mit sehr guten Ergebnissen. Die zeichnerischen Arbeiten fanden weniger Anklang: zuviel des Karikaturenhaften, Maskenmäßigen, zu wenig zeichnerische Aufbauarbeit; ganz vermißt wurde das Arbeiten nach der Natur:, Blume — Vogel — Frucht etc., auch perspektivische Anleitung war nicht erkennbar, doch mag Vieles nicht ausgestellt gewesen sein. — Große ästhetische Wirkung übte die Kochausstellung aus, von der Hauswirtschaftslehrerin, Frau K a t z e n s t e i n, mit den Schülern des 9. und 10. Schuljahrs veranstaltet. Mehr als das: ein gemeinsames Mittagessen in der Schule bewies, daß auch auf diesem Gebiet Beachtliches erreicht wurde. Besondere Freude bereitete allen Teilnehmern der ^fremdsprachliche Abend" der Schüler aller Klassen. Hebräische Volkslieder von Musiklehrer Palm eingeübt, wechselten mit dramatisierten jüdischen Lesestückchen der Kleinsten, mit ernsten und scherzhaften Szenen aus dem französischen und englischen Unterricht. Eine hervorragende Gedächtnisleistung, zugleich Muster einer mit einfachsten Mitteln arbeitenden Inszenierung war die Aufführung von Oskar Wildes „Happy Prince". Man hatte den Eindruck, daß hier wirklich aus dem Unterricht Erwachsenes dargeboten wurde, daß die Schüler die Schönheit dieses Kunstwerks voll nachempfanden. Während der Vorsitzende unseres Vereins Rektor B u c h - heim in seiner Begrüßungsansprache einen Rückblick auf die Fortbildungstagungen in Essen und Bonn gegeben, die der Erörterung grundsätzlicher Fragen gewidmet waren, und dann darauf hingewiesen hatte, daß dieses Mal die praktische Schularbeit im Vordergrund gestanden habe, gab der Redakteur dieses Blattes am Schluß einen kritischen Gesamtüberblick über die Arbeit in Düsseldorf. Sie habe weder in ihrem praktischen noch in ihrem theoretischen Teil die Absicht verwirklichen wollen, Probleme der Pädagogik zu lösen; es gäbe kein Problem in der Welt, das „gelöst" werden könne. Dagegen habe es gegolten, Fragen zur Erörterung zu stellen und dadurch den Kollegen Anregung zu weiterer Bemühung um die Bewältigung unterrichtlicher und erzieherischer Aufgaben zu geben. Kein Lehrender solle dem Schlagwort unterliegen, es sei jede Anstrengung vergeblich, da die Judenheit Deutschlands sich in Auflösung befinde. Auch für unsere jüdische Jugend gelte das ewig wahre „Stirb und Werde". In der Schularbeit werde auch in dieser schweren Zeit der Keim gelegt zu einem Wiederaufbau jüdischen Lebens, wenn es auch erfolgen müsse in weiter Ferne. Daß diese Form der Arbeit, die Einsicht in die Praxis des Unterrichts — die Lehrprobe — für die Tagung gewählt wurde, fand allgemeine Anerkennung, besonders bei den Kollegen aus kleinster! Gemeinden, die, wie schon eingangs erwähnt wurde, der allgemeinen Lehrerfortbildung fernstehen. Wenn auch der Landesverband jüdischer Gemeinden und die Reichsvertretung diese Tagung durchführen geholfen hat, darf doch darauf hingewiesen werden, daß die Führung der Lehrerschaft Rheinlands und Westfalens aus eigener Initiative und mit eigener Programmgestaltung diese Tagung bestritten hat. Cilli Marx-Köln. Persönliches Koll. Saul L i 1 i e n t h al -Wiesbaden beging am 15. Oktober seinen 60. Geburtstag und zugleich sein 40jähriges Berufsjubiläiirn. In nimmerermüdendem Eifer hat dieser in mehrlei Hinsicht unruhvolle Mann dem Leben im Geiste gedient. Wir .kennen ihn als Musiker und Schriftsteller, als in der Stille der Schulstube arbeitenden Pädagogen und als auf dem Felde jüdischer Politik kämpfenden Mann. Immer seine ganze Persönlichkeit einsetzend, aber nie geistiger Starre verfallend, so steht Lilienthal vor uns. Die Leser der Schulzeitung erinnern sich noch der gediegenen Aufsatzreihe aus Lilienthals Feder über die Psychoanalyse im Religionsunterricht; zwei andre Blätter brachten seinerzeit lebendige Schilderungen einer Reise durch jüdische Gemeinden. Wir wünschen dem Jubilar noch lange Gesundheit und Kraft zu segensreicher Arbeit. : '- In Offenbach a. M. verabschiedete sich der Leiter der jüdischen Bezirksschule,. Dr. Manfred Strauß, von seinen Schülern, Kollegen und Kolleginnen, Freunden und vom Vorstand der Gemeinde. Er wird nach Amerika auswandern. In den Abschiedsworten, die die Herren Dr. Guggenheim, Lichtenstein, Dr. Dienemann und ein Schüler an den Scheidenden richteten, kam die hohe Verehrung zum Ausdruck, die sich Dr. Strauß in xler kurzen Zeit seiner erfolgreichen Wirksamkeit in Offenbach erworben hat. X * . . Sonderfahrt nach Palästina V; Es ist geplant, dieses Mal die Reise nach Palästina während der Sommerferien, also im August 1938, zu unternehmen. Wenn diese Zeit auch wegen der klimatischen Verhältnisse nicht sonderlich günstig erscheint, so ist durch ihre Wrahl doch die Frage der Beurlaubung .und der Stellung . einer Ersatzkraft gegenstandslos geworden. Ueber Wissenswertes in -beziig auf die Reisevorbereitungen wird demnächst ein Rundschreiben an die Interessenten ergehen. Bräun. Staatliche Abschlußprüfung an der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt Berlin Nachdem bereits im September 1936 der erste zur Entlassung gekommene Jahrgang der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt Berlin, die vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden unterhalten wird, die erste Lehrerprüfung vor einer staatlichen Prüfungskommission abgelegt hat, ist durch Erlaß des Herrn Reichserziehungsministers vom 26. Februar 1937 auch für den nächsten Jahrgang die Abnahme der ersten Lehrerprüfung durch eine staatliche Prüfungskommission angeordnet worden. Diese Prüfung, der sich 24 Studierende der obersten "Klasse der Lehrerbildungsanstalt unterzogen haben, hat im Laufe des Monats September stattgefunden. 23 Prüflinge haben die Prüfung, die sich auf alle Lehrgebiete erstreckte,, bestanden. Das von der staatlichen Prüfungskommission ausgestellte Zeugnis berechtigt zur Anstellung an jüdischen Volksschulen. Literarisches Der Hilfsverein der Juden in Deutschland läßt bei Schmoller & Gordon in Berlin sein neuestes Korrespondenzblatt über Auswanderung** und Siedlungswesen erscheinen (Herbstansgabe 1937, Preis 1.50 RM). Das Heft behandelt im wesentlichen die Ueberseeländer Australien, Neu-Seeland, Mexiko, Kenya und Süd-Rhodesien. Wertvolle Ergänzungen zu Darstellungen in früher erschienenen Heften bilden die Kapitel über Einwanderungsbestimmungen der Vereinigten. Staaten von Amerika, über das Südafrikanische Einwanderungsgesetz und die Nachträge zu Ländern Südamerikas. Den das Heft eröffnenden Aufsatz „Typische Fehler unserer Auswanderer", den viele unserer Wochenblätter abgedruckt, haben, sollte jeder lesen. Es wird in ihm nachdrücklich gewarnt vor dem Klebenbleiben in den großen Städten der Einwanderungsländer, vor der leichtsinnigen Auffassung, die fremde Sprache lerne sich in den betreffenden Ländern von selber; und schließlich vor dem Unfug, sich in der Ferne aufzugeben und seine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.