Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 11 (1.11.1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 _jüdische Schulzeitung ,Nummer?JLt Besprechung pädagogischer Neuerscheinungen; Methoden und : Lehrmittel. Der Reichsverband jüdischer Lehrervereine mit seinen einzelnen Vereinigungen sucht in Verbindung mit den großen jüdischen Organisationen im Reich das Fehlende zu ersetzen, und die Erfolge kann man als positiv bezeichnen. Diesmal stellte sich die junge Düsseldorfer Gemeindevolksschule auf Veranlassung des Lehrervereins von Rheinland und Westfalen und mit Unterstützung des Preußischen Landesverbands jüdischer Gemeinden sowie der Schulabteilung der Reichsvertretung in den Dienst der Allgemeinheit und bot den Lehrern dieser beiden Provinzen nicht nur einen Einblick in gute Schularbeit, sondern gab den Kollegen manches Neue und Beachtenswerte —'in hübschem Rahmen,1 von dem später die Rede sein soll. Die Arbeit berücksichtigte, ohne die rein wissenschaftlich-theoretische Form des Vortrags außer acht zu lassen, in erster Linie die Praxis des Schullebens. Schulleiter Dr. Herz, dem für die Hauptleitung der Organisation ebenso zu danken ist wie seinen- Mitarbeitern, führte durch einen einleitenden Vortrag in die Arbeit und Leistung einer Gemeindeschule ein, erwachsen aus der Zeit, ihren Anforderungen sich anpassend. Genaue Wiedergabe des Referats, die allein Würdigung wäre, verbietet der Raummangel, doch mag Wesentliches hervorgehoben werden. Dr. Herz bezeichnete, erst das allgemeine Ziel jeder jüdischen Schule: Gemeinschaftsbewußtsein — Zurechtfinden in geringem Raum und vom Jüdischen her gesehen den sich bewährenden, sich ganz einsetzenden Menschen. Dann gab er einen Einblick in.das Schaffen; der Düsseldorfer Schule, das zu solchem Ziel führen soll. Fast alle Schüler der Gemeinde sind erfaßt und werden von 10 hauptamtlichen und 6 nebenamtlich beschäftigten Lehrern und Lehrerinnen unterwiesen. Zuzug und Abwanderung bewirken naturgemäß starke Schwankungen. Die Schwere unseres Schicksals, zu Hause voivunsern Kindern stark empfunden — die großen Unterschiede des häuslichen Milieus — verschiedenartige Erziehung — noch häufig anzutreffende unzeitgemäße pädagogische Ansichten des Elternhauses — dif- ■ ferenzierte Begabung — das alles erschwert die Schularbeit. Doch ist das PJus schwerwiegender, das durch Erfassung -aller sozialen Schichten gegeben ist. Die Düsseldorfer Schule will mit erhöhten- Anforderungen, mit Fremdsprachen vielen die höhere Schule ersetzen; naturgemäß macht sich der Begabungsunterschied, vor allem in höheren Jahrgängen sehr bemerkbar — besonders in mündlichem und schriftlichem Ausdruck. So muß man sich im Stoff beschränken, muß zufrieden sein,' zum Denken angeregt zu haben, muß Wert auf Ausdauer, Sauberkeit in jeglicher Arbeit legen, auf. Einfügung in die Gesamtheit. Dr. Herz ging dann auf die einzelnen Fächer ein: Das Hebräische wird als Vorbereitung zum Tenach, aber auch als lebendige Sprache betrieben. Geschichte erscheint dem Redner m den Mittelklassen nur als eine ungewollte Art des Deutschunterrichts: nur in der Oberstufe könne der Zusam- Bestellschein : Unfrankiert j in den Post- kästen werfen fln das Postamt (Zeitungsstelle) Hier menhang des Geschehens erfaßt,';die Einordnung des jüdischen; Schicksals indas allgemeine richtig gesehen werden. Wesentliches Fach ist heute Erdkunde, unbedingt notwendig die Fremdsprache. In der obersten Stufe — es bestehen in Düs-;; seldorf 9. und 10. Schuljahr — ist vielfach Gruppenteilüng^ handwerkliche Fächer, Metall-, Holzarbeit werden stark be'-- tont, die Mädchen in Hauswirtschaft unterrichtet (Mittags-' Speisung minderbemittelter Schüler). Ein besonderes Wort' widmete Dr. Herz der Stellung der Schule im Gemeindeganzen, der ärztlichen und fürsorgerischen Betreuung, der Gerheindearbeit der' Lehrer und ihrer Mitwirkung in den Bünden. — Diese starke Verbindung mit der Gemeinde, die An-, teilnähme an ihrer - Schule betonte auch der Vorsitzende der Gemeinde^ Herr F e 1 s e n t h a 1 in. seiner die Versammlung begrüßenden Ansprache, während Herr Gemeinderabbiner Dr.- Klein von der besonderen Eintracht sprach,-in der hier von Rabbinern und Lehrer zum Wohl der Jugend gewirkt wird; Die praktische Arbeit der Tagung lag z. T. in den Händen der Düsseldorfer Lehrerschaft, doch gaben auch andere Kollegen am Beispiel Einblick und Anregung. Dr. Siegfried Bräun- Köln versuchte es, die Schüler. des 6. Schuljahres zum Verständnis der Absicht Hiskias beim Bau des Siloakarials, und zur Einsicht in den Zusammenhang zwischen dem Bibel-": text und der Siloainschrift zu führen. An Hand der schemati-: sehen Zeichnung wurde der Anlaß zum Bau und die technische Durchführung von den Schülern gut erfaßt. Der Grundgedanke zu dieser Lehrprobe war Loslösung einer rein politisch-kriegswirtschaftlichen Maßnahme vom religiösen Motiv:; des biblischen Geschichtsunterrichtes. . Einsicht in kulturelle/ und Verwaltungsarbeit einer bestimmten Periode. Ursprünglich nicht im Programm vorgesehen war die Besprechung eines ■ ■ Lehrfilmes über Siedlungsarbeit in Brasilien, den Kollege A ß aus Berlin zeigte und der vom Kollegen F r a n k - Duisburg,; dem für sein Einspringen zu danken war, mit der gleichen; Klasse besprochen wurde, doch war der Berliner Film ein} wohl nicht ganz prägnantes Beispiel für aktuelle - Auswande-} rungs- und Siedlungskunde. — Der zweite Tag brachte Lehrproben im Hebräischen.;. Fräulein Eichelberg -Düsseldorf vermittelte eine Erzählung aus der Neierschen Fibel in so kindgemäßer Form, den kleinen jüdischen Wortschatz der Klasse der Jüngeren mit einer so vorzüglichen Mimik ergänzend, daß die Stunde allgemein als hohe Leistung »gewertet wurde. Es bedurfte keiner Uebersetzung, die Wiederholung war stets in neue Form gekleidet, die Kinder waren sich des Aktes der Einprägung; kaum bewußt. Herr Ber gel - Düsseldorf bearbeitete mit einer Klasse, der Oberstufe, die aber seit Gründung der Schule erst drei; Jahre geordneten hebräischen Unterricht hat, ein Palästina-; kundliches Thema: Die Kwuzzah Joknam. Die Stunde gab ein} Zeugnis von der Arbeit der Klasse, zugleich vom einheitlichen Aufbau des gesamten Unterrichts. — Der Nachmittag zeigtet ein ganz anderes Bild: Jugendliche, durchweg berufstätig,: wurden von Fräulein Dr. Strauß- Düsseldorf im Berufsschulkursus über „Betriebsordnung" unterwiesen. Es lagen Betriebsordnungen zweier Firmen vor; die jungen Leute, die} in pädagogisch geschickter Weise nicht als „Schüler" behau-: delt wurden, trugen aus ihren eigenen Erfahrungen das meiste zusammen zu späterer gemeinsamer Ordnung. Auch hier der; Gemeinschaftsgedanke bei gänzlich verschiedenem Arbeits-; und Erziehungsmilieu! In sehr lebhafter und geschickter Weise verstand Rektor B uchh eim-Dortmund, der Vorsitzende: des Lehrervereins. Rheinland-Westfalen, die Schüler des 8.: Schuljahres mit den praktischen Auswirkungen der Elektrizität bekannt zu machen. Die Erarbeitung des Stoffes zeugte von; guter Grundlage der Schüler, die einfache Art der Lehrmittel;: mit denen die Kinder hantierten, von besonderer Fachbefähigung des Lehrers. Morseapparat, Klingel etc. bereiteten -der; Klasse viel Freude. — Mit einem 6. Schuljahr wurden von Dr. Harth, dem Leiter der Moriah-Schule-Köln, in besonderer; Lebendigkeit die Stechmücke, die Malaria und die Bekämpfung