Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 11 (1.11.1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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':t-'Nümmer 11 ' ,; legen, inwieweit die Lautgesetze berücksichtigt werden müs- :sen und können, i ...1. ,Z u w eich e m Zeitpunkt beginnt man mit der Ei nf ü h r u n g des he bräischen Alphabets? . Aus zwei Gründen wäre es nicht richtig, wenn man schon -gleich zu Beginn des ersten Schuljahres mit dem Schreiben he- •rbräischer Buchstaben und Wörter anfangen wollte. Der erste Grund ist der, daß die Schulanfänger vollauf damit beschäf- tigt sind, die Eindrücke* die sie bei dem Deutschschreibeunterricht empfangen'haben, zu verarbeiten. Die gleichzeitige Beschäftigung mit zwei verschiedenen Schreibsystemen kann bei den Kindem nur Verwirrung anrichten. ' Noch wesentlicher aber ist der_zweite Grund, weshalb der . Schreibunterricht noch nicht an den Jahresanfang gelegt wer- , den darf. Es ist die Tatsache, daß der Sechsjährige bei seinem •' Schilleintritt in den weitaus meisten Fällen von der hebräischen Sprache noch keine Ahnung hat. Es wäre daher eine sinnlose Abstraktion, wollte man ein Kind ein Symbol lehren, das ihm noch nicht durch Anschauung und Erfahrung zum Be- . griff geworden ist. Es gibt bei der Einführung einer Fremdsprache keine bessere Methode als die Nachahmung des natürlichen Weges, den das Kind bei der Erlernung der Muttersprache seit seiner ersten Kindheit durchgemacht hat. Wenn der Sechsjährige in die Schule kommt, beherrscht er die deutsche Sprache innerhalb der Grenzen, die ihm durch sein Alter gesteckt sind, vollständig. Mit jedem Wort, das er schreiv ben lernt, verbindet sich in ihm eine ganz bestimmte Vorstellung. Beim Schreiben und Lesen der Muttersprache hat der Mensch nicht das Gefühl, daß er sich dabei eines Mittels bedient, um bestimmten Gedanken einen symbolischen, d. h. . : sprachlichen Ausdruck zu verleihen, sondern die Einheit von Gedanken und Sprache ist ihm selbstverständlich. Daher hat für den Lernanfänger jedes Wort einen ganz bestimmten Sinn. Wollte man aber schon gleich zu Anfang auch die hebräische Schrift einführen/so würde das Kind bestenfalls das, was es . schreibt, durch Einpauken übersetzen können, aber die innere Beziehung des Wortes zum Gegenstand selbst würde ihm fehlen. Diese Beziehung kann aber nur durch längere Uebung und systematische Unterhaltung geschaffen werden. Das Kind muß allmählich in die Sprache hineinwachsen. Es soll nicht das Gefühl haben, daß dieses oder jenes Wort so oder so auf Hebräisch heißt, sondern es soll wissen, daß man für diesen Gegenstand ebenso gut „Stuhl" wie „kis-se" sagen kann. Die hebräische Schrift soll daher-erst dann eingeführt werden, wenn sich die Kinder in einem Sprechstadium befin- , den, das demjenigen entspricht, in welchem sie sich bei der - Einführung der deutschen Schrift befinden. Daß das Maß der hebräischen Sprachbeherrschung auch nicht angehend dem der Muttersprache gleichkommt, ist selbstverständlich; es liegt in < der Natur der Sache. Bei einer gebührenden Durchdringung des Gesamtunterrichts werden die Kinder etwa im Februar im Besitz eines zum x Schreiben notwendigen Sprachfundus' sein. Zu diesem Zeitpunkt haben die Kinder auch schon eine gewisse Uebung in der Handhabung der Schreibwerkzeuge hinter sich, und die technische Bewältigung des Schreibens wird ihnen nicht mehr schwer fallen. 2. Soll man mit der Druckschrift oder mit der v Schreibschrift beginnen? Die zweite Frage, mit der wir uns bei der Einführung des Alphabets zu befassen haben, ist: Beginnen wir mit der ge- : druckten Schrift oder mit der Kursivschrift? ■ Die Tatsache, daß das gedruckte Alphabet als Quadratschrift einfacher zu schreiben ist als die gewundene Kursivschrift, ist nicht allein maßgebend dafür, daß wir mit jener beginnen. Viel wichtiger ist der Umstand, daß es erheblich einfacher ist, die Kursivschrift aus den Druckbuchstaben abzuleiten als umgekehrt; daher muß diejenige Schrift, aus der man die andere ableitet, dieser anderen vorausgehen; denn die - meisten Druckbuchstaben erscheinen uns als eine Stilisierung der Kursivbuchstaben (z. B. die Druckbuchstaben beth, gim- Seite 3 mel, he), obwohl die Kursivschrift jünger als die Druckschrift ist. Man kann also den Kindern später zeigen, wie sich aus dem gedruckten „beth", das man eigentlich mehr malen als schreiben muß, beim schnellen Schreiben das Kursiv-„beth" entwickelt. Das Schreiben ist also dem Drucken gegenüber eine Vereinfachung, während das Drucken eine Versteifung, eine Stilisierung und daher eine Abstraktion des handgeläufigen Schreibens ist. Würde man dem Kinde zeigen, wie sich die Druckschrift aus der Kursivschrift durch Stilisierung ergibt, so müßte man ihm eine Abstraktion des Schreibens zumuten. Die Druckschrift bildet einen viel besseren Ausgangspunkt für die Schreibschrift als es umgekehrt der Fall ist. Deswegen muß das Drucken dem Schreiben vorausgehen. (Die obige Behauptung, daß das Schreiben dem Drucken gegenüber eine Vereinfachung ist, ist nur im Hinblick auf die gegenseitige Ableitung zu verstehen. An und für sich betrachtet ist der Druckbuchstabe natürlich leichter.) 3. Inwieweit sollen die Lautgesetze beachtet werden? Als eine besondere Schwierigkeit beim gesamten Lesen und Schreiben treten die verschieden langen Vokale auf. Beim e, i, o, u ist es, freilich auf Kosten der Sprechnatürlichkeit, allenfalls denkbar, die verschiedenen Vokallängen beim Sprechen zu markieren. Beim „a" dagegen, bei dem Vokal, der am häufigsten gebraucht wird, ist es geradezu unmöglich, die Lautquantität phonetisch auseinanderzuhalten. Damit eng zusammen hängt auch die Frage der Schewa-im und Dageschim. So wichtig diese Zusammenhänge auch für den ganzen Sprechorganismus sind, so wird man in den ersten Jahren doch davon absehen müssen, den Kindern all diese Lautgesetze klarzumachen. Inwieweit mir eine Berücksichtigung der Lautregeln notwendig erscheint, werde ich in der speziellen methodischen Behandlung angeben. Im folgenden sei der didaktische Gang für die ersten sechs Stunden des hebräischen Schreibunterrichts dargestellt.; l. Stunde. Ihr wißt doch noch alle, daß wir neulich von unseren Haustieren gesprochen haben. Wer kann mir denn so ein Haustier nennen? — Hund, Katze, Kuh, Schaf, Ziege usw. Wie kann man denn diese Tiere noch nennen? — Cha-tul, kä-läw, pa-rah usw. Einige Kinder bekommen die Rollen der Tiere und müssen die Tierlaute imitieren. Die pa-rah hat am schönsten gemuht. Heute wollen wir auch einmal schreiben, wie die pa-rah macht! Was muß ich denn zuerst schreiben? Ein „m" und dann ein „u". Im Hebräischen fangen wir nicht links sondern rechts zu schreiben an. Zunächst wollen wir das „m" mit Stäbchen legen. Nehmt ein mittleres Stäbchen und legt es so ... hin! (An die Tafel wird ein waagrechter Strich gezeichnet.) Und jetzt ein gleiches so . . . daran! (Senkrecht dazu. Reihenfolge im entgegengesetzten Sinn des Uhrzeigers.) Und nun ein kleines Stäbchen! (Senkrecht zu dem zweiten.) Jetzt nehmt ein ganz großes Stäbchen und setzt es so . . . daran! (Etwa in einem Winkel von 125° nach links unten.). Aber paßt auf, daß noch eine Oeffnung in der M . . . mausefalle bleibt! Jetzt nehmen wir noch ein kleines Stäbchen (in der Mitte des schiefgelegten Stäbchens senkrecht zur Grundlinie), und fertig ist das „m". Habt ihr es auch genau so gemacht wie an der Tafel? Wer weiß noch, wo wir angefangen haben? Es wird an der Tafel nachgedeutet. So wollen wir das „m" in die Luft schreiben! Versucht einmal, ob ihr es auch mit geschlossenen Augen könnt! Also: 1, 2, 3, 4, 5, . . . Jetzt können wir das „m" auch schon ins Heft schreiben. (Die Kinder haben das Sütterlinheft Nr. 5 mitgebracht.) Wir schreiben in jedes Häuschen ein „m", und ein Häuschen lassen wir immer frei. Seht, wie ich es euch vormache! Schreibt gleich mit! Also: 1, 2, 3, 4, 5! Jetzt schreibt allein die Zeile zu Ende! Wer zählt? Ja; wir wollten doch „mu" schreiben, was haben wir bis jetzt erst geschrieben? „m". Dann müssen wir eben noch efn „u" dazu schreiben. Aber wißt ihr schon, daß wir im Hebräl- Jfl,dische Schu 1 zeituhgv