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Jüdische Schulzeitung · 1937-11-01 · 11 (1.11.1937) · page 2

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
11 (1.11.1937)
Date
1937-11-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JüdischeS chul zeitung Nummer IV-: zwischen Landmenschen und Stadtmenschen besteht, finden wir bei den Juden der Zerstreuung wieder zwischen d.en Gruppen des jüdischen Volkes, die räumlich fern von den Brennpunkten des Weltbewußtseins leben, und denen, die sich gerade in diesen Brennpunkten oder in ihrer Nähe angesiedelt 'haben. Für die Erweckung eines jüdischen Bewußtseins hat freilieh schon in der biblischen Zeit die lange Kette der Versuchungen und Gefährdungen gesorgt. Aber-in der Zeit der Zerstreuung werden gerade die Brennpunkte des Weltbewußtseins für die Judenheit zu Orten der Versuchung und Gefährdung, von ihnen strahlt die jüdische Leistung, von ihnen auch die Erneuerung des jüdischen Bewußtseins aus, — fortwährend erkauft mit dem Zugruridegeheri jüdischer Volkssubstanz, während die am Rande des Weltbewußtseins in biologischer und geistiger Inzucht hinlebenden Teile des jüdischen Volkes die geschichtliche Aufgabe erfüllen, in unbewußter Selbstverständlichkeit das biologische und geistige Erbe zu hüten und den Späteren zu übermitteln. Dem Geschichtslehrer eröffnet sich die Möglichkeit, seinen Schülern, indem er mit ihnen „immer wieder die jeweiligen Brennpunkte des Weltbewußtseins aufsucht und ihre Verlagerung auswertet", auch die Rolle verständlich zu machen, die jeder der räumlich voneinander getrennten und in ihren Lebensformen so verschiedenen Teile 4er Judenheit spielte und heute noch spielt; er wird schließlich versuchen, seine Schüler den geschichtlichen Ro'llenwechsel, wie ihn z. B. das Ostjudentum in der Haskalah vollzog, zu den Vorgängen in der Umwelt in -Beziehung setzen zu lassen. Gelingt dem Lehrer das, und bildet sich so der Heranwachsende auf der Schule ein gerechtes Urfeil über die geschichtliche Rolle der verschiedenen jüdischen Volksteile, so darf man dem Unterficht nachrühmen, daß > er für die Einheit des Judentums etwas geleistet hat. — Mit diesen drei Leitgedanken ist der Bauplan für die Neuordnung unseres Geschichtsunterrichts in den Grundzügen, fertig. Ehe wir die Einzelheiten seiner unterrichtlichen Verwirklichung besprechen, halten wir einen Augenblick inne, um noch einmal unser Gewissen zu befragen. Denn schon wer nur, wie es z. B. die Geschichtskommission unseres Berliner Lehrerverbandes tut, für die Verschmelzung der allgemeinen und der jüdischen Geschichte zu einem Fach eintritt, stößt bei vielen Kollegen auf die Befürchtung, daß bei dem Herauslösen der jüdischen Geschichte aus dem Religionsunterricht die religiöse Unterweisung zu kurz kommen werde; einem solchen Verschmelzungsplan könne man nur nähertreten, wenn man als Gegengewicht mindestens eine Wochenstunde sj^sternatische Religionslehre wiedereinführe. Also haben wir uns angesichts der Tatsache, daß der von uns vertretene Vorsehlag auch im Grundsätzlichen über eine bloße Verschmelzung weit hinausgeht, erst recht auf den Einwand gefaßt zu machen: „Euer Entwurf findet zwar warme Worte für die Wahrung der- Eigengesetzlichkeit der fremden Völker und Kulturen; wo ist aber die Gewähr dafür, daß darüber nicht schließlich die Eigengesetzlichkeit des Judentums und seiner Geschichte zu kurz kommt?" Nun sprengt die Frage, wie man den Heranwachsenden am würdigsten in die jüdische Religion einführe, zweifellos den Rahmen unserer Ueberlegungen über die Neuordnung unseres Geschieht s Unterrichts. Ob die Wiederherstellung der systematischen Religionslehre das Richtige treffen würde, habe ich schon mehrfach von Religionsfachleuten bezweifeln hören, die behaupteten, die systematische Religionslehre erweise sich allzu häufig als ein ,iUnterricht zum Abgewöhnen". Zudem wird die. Grundlage aller religiösen Unterweisung: das Bibellesen neben dem Hebräischen in Zukunft noch mehr als bisher dem Deutschunterricht vor allem der obersten Klassen zugewiesen werden müssen. Und auch sonst ergibt sich in den verschiedensten Fächern Gelegenheit zur Durchdringung des Unterichts mit religiösem Geist — man muß sie nur ergreifen wollen. Um aber auf unsern Geschichtsunterricht zurückzukommen, ist es meine tiefste Ueberzeugung, daß der Heranwachsende, wenn wir'ihm den Weg dieses Volkes zu seinem Gott ganz ohne Heiligenschein vor Augen stellen, gerade dadurch eine religiöse Belehrung von uhrüberbietbarer Eindringlichkeit empfängt. ' ■„■■••-yi-. Und nun die Anwendung unserer Leitgedanken auf die; Praxis des Geschichtsunterrichts! Wir wollen sie hier^aüsschließlich am Beispiel des Volksschulunterrichts erörtern, nicht nur weil die meisten jüdischen Schulen in Deutschland- Volksschulen sind, sondern vor allem weil der Geschichts-- Unterricht der Volkschule eine methodisch viel schwierigere- Aufgabe zu lösen hat als der Geschichtsunterricht der höhereri- Schule, so daß es für den Lehrer der höheren Schule keine allzu große Mühe bedeutet, die hier gegebenen methodischen Vorschläge für seinen Unterricht sinngemäß umzudenken. — Werfen wir also zuerst .einen Blick auf die Gegenüberstellung der alten Stoffverteilurigspläne, wie sie für die getrennten Fächer Geschichte und jüdische Geschichte in Geltung sind, mit dem neuen Plan, den die Geschichtskommission unseres Lehrerverbandes ihren Vorschlägen zugrundelegt. Klasse Bisherige Stoffverteilungspläne Neuer Plan der Kommission für jüdische und allgemeine Geschichte Biblische u. jfid. Geschichte allgemeine , Geschichte 4. 925-586 v. Chr. 9 nach bis 1550 n. Chf. , Altertum bis 135 n. Chr.- 3. 586 v. Chr. bis 500 n. Chr. 1618^1815 n. Chr. 375 n. Chr. bis'1550 n. Chr.- 2. 60'J—1500 n. Chr. 1815—1914 1618-1815 1. 1500—jetzt 1914—jetzt 1915—jetzt Zur Erläuterung lesen-"wir die Pläne noch einmal in Worten: 4. Klasse: (biblische und jüdische Geschichte): Von der Teilung des Reiches bis zur Zerstörung des ersten Tempels; (allgemeine Geschichte) von Arminius bis Luther. —.3. Klasse: (jüdische Geschichte) vom Beginn der babylonischen Verbannung bis zum Abschluß des Talmud; (allgemeine Geschichte) vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Sturz Napoleons I. — 2. Klasse: (jüdische Geschichte) von der Entstehung des Islam bis zum Ende des 15. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung, der Juden in Deutschland; (allgemeine Geschichte) vom Wiener Kongreß bis zum Ausbruch des Weltkrieges. — 1. Klasse: (jüdische Geschichte) vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, wieder unter besonderer Berücksichtigung der Juden in Deutschland; (allgemeine Geschichte) Weltkrieg und Gegenwart. — So weit die bisherigen Pläne." Der neue Plan der Geschichtskommission hat das Ziel, die'Stoffverteilungen der beiden Geschichtsfächer aufeinander abzustimmen; er ermöglicht die Verschmelzung beider Fächer, doch ist er auch anwendbar in dem Fall, daß beide Fächer, getrennt bleiben, ja selbst dann, wenn zwei verschiedene Lehrer die beiden Fächer zu unterrichten haben. Der zeitlichen Abgrenzung der in den einzelnen Klassen zu behandelnden Geschichtsabschnitte, wie sie in diesem neuen Plan vorgeschlagen wird^ möchte auch ich mich anschließen — mit gewissen nicht allzu bedeutenden Abweichungen, die sich von selbst ergeben werden, wenn wir nunmehr versuchen, die in diesem Plan gegebene Einteilung inhaltlich so auszufüllen, wie es unsern vorhin entwickelten methodischen Grundsätzen entspricht. (Fortsetzung folgt.) Die Einführung des hebräischen Alphabets in der Grundschule von cand. paed Fritz Blum, Berlin Bevor man mit der Einführung des hebräischen Alphabets in der Grundschule (beginnt, muß man sich über drei wesentliche Fragen klar gewordert sein. Die erste Frage ist die, wann man überhaupt mit der Einführung anfängt. Man muß (Sich zweitens überlegen, ob man mit der Druck- oder Schreibschrift beginnt, und drittens muß man sich die Frage vor-

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