Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 11 (1.11.1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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•e£53BK'S¥SS*# <mr+ i^J*i^,V , 13.1ahrgdng~;Yerliagsort: Mahnheim 2 Nummer I i dische Schulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichs Verbandes der jüdischen Lehrervereine v (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaiserstraße 29) vi Die » Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats.; Postbezugspreis: 0.75 pro Quartal. Mannheim, den i. November 1937 Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Redakteur: D r. S i e g f r i e d B r a un Köln-Sülz, Unkelerstraße 17 An die Judenheit Deutschlands! Das neue jüdische Jahr hat vor kurzem begonnen. Mit ihm ist uns die Aufgabe, die Jüdische Winterhilfe innerhalb unserer Gemeinschaft durchzufuhren, aufs neue gestellt worden. i Im letzten Jahr konnten wir fast 82 000 Menschen vor irjNot und Bedrängnis bewahren. In den größeren Gemeinden fwar jeder fünfte Jude hilfsbedürftig, in den kleineren Gemeinden brauchte schon jeder Vierte unsere Hilfe. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung ist im Vergleich zum Jahr vorher . um etwa 20 000 Menschen, die Zahl der Hilfsbedürftigen feaber nur um knapp 1 000 gesunken. Das aber heißt Zunahme 4 der Not, Anwachsen des Anteils der Hilfsbedürftigen. Seit dem Abschluß der letzten Aktion für die Jüdische Winterhilfe hat die Zahl der Opferfähigen unter uns sich wieder um Tausende vermindert. Wir müßten an unserer Aulgabe verzweifeln, wüßten wir nicht, daß die Zurückbleiben- Kfden sich auch dem erhöhten Anspruch nicht entziehen werden. Aermer sind wir geworden, doch wir haben immer erfahren, daß auch unser Besitz uns nur dann ein Segen sein kann, wenn er auch anderen zum Segen wird. . Wir rufen die Judenheit Deutschlands auf, die Jüdische Winterhilfe, in der jeder an seiner Stelle seine Pflicht erfüllt, zu einem lebendigen, schützenden Walle zu machen gegen die Not des Winters! Reichsvertretung der Juden in Deutschland Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden Verband Bayerischer israelitischer Gemeinden >••;•. Oberrat der Israeliten Badens Sächsischer Israelitischer Gemeindeverband Öberrat der Israel. Religionsgemeinschaft Württembergs , Landesverbände israel. Religionsgemeinden Hessens Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland Allgemeiner Rabbinerverband in Deutschland Jüdischer Centrai-Verein fÄ Jüdischer Frauenbund Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände : Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ~ Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland — Reichsverband der jüdischen Lehrervereine ,. Vereinigung für das religiös-liberale Judentum / Vertretung der unabhängigen jüd. Orthodoxie Deutschlands Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands r - Zionistische Vereinigung für Deutschland Zur Neuordnung des Geschichtsunterrichts an jüdischen Schulen von Wilhelm Speyer, früher Berlin (Fortsetzung) Die Erkenntnis, daß von Mose bis Herzl die schöpferischsten Juden überwiegend auch zugleich die höchstassimilierten gewesen sind, verliert das Verblüffende und vielleicht auch Peinliche, was sie für manchen haben wird, wenn wir sie in einen größeren Zusammenhang einordnen. In jedem Volk wird ja die kulturelle Leistung mit dem Zugrundegehen von Menschensubstanz erkauft. Und in jedem Volk, das ein „eigenes Land" besitzt, d. h. dessen Kern einen geschlossenen Siedlungsraum allein bewohnt oder darin doch, die unbestrittene Mehrheit bildet, finden wir die Gegensätzlichkeit zwischen Landmenschen und Staditmenschen, die oft einander fremd sind und nicht verstehen, daß sie in ihrer Wechselwirkung beide für das'Gedeihen der Gesamtheit unentbehrlich sind. Die Landbevölkerung bewahrt das biologische und kulturelle Erbgut des Volkes; verglichen mit dem Städter lebt sie in biologischer und geistiger Inzucht Ihr und ihrer Lebensform ist es zu danken, wenn sich ein klarer, kantiger und über lange Zeiträume sich gleichbleibender Volkscharakter herausbildet Der Stadtmnesch andererseits ist der Begegnung und Vermischung mit allem Fremden ausgesetzt, ihm droht ständig die Gefahr der Entwurzelung; aber wenn er diese Gefahr siegreich besteht, dann tritt ihm sein Anteil an der ererbten Kultur ins Bewußtsein — er nennt dies Bildung —, und wenn er vollends die Spannung zwischen dem . eigenen geistigen Erbe und dem fremden Vorbild oder Gegenbild schöpferisch zu bewältigen vermag, dann gehen von ihm die großen Anstöße ausr die das Volk und seine Kultur entscheidend vorwärtsbringen. Kein Wunder, daß der Landmann — wie der Wortschatz vieler Sprachen lehrt — dem Städter als dumpf, ungeistig, tölpelhaft, roh erscheint, während er seinerseits den Stadtmenschen als hochmütig, sittenlos, entartet, der Zersetzung verfallen ansieht; meist bringen erst sehr bittere Erfahrungen die beiden Bevölkerungsteile dazu, sich gegenseitig zu verstehen und zu erkennen, daß sie aufeinander angewiesen sind. In der Stadt erschöpft sich die Lebenskraft der Bewohner rasch; und; die Bevölkerung stirbt aus, wenn sie nicht durch Zuzug vom Lande gespeist wird'; daher hat man stets Grund; für den Bestand eines Volkes zu fürchten, in dem die Verstädterung einen zu großen Bevölkerungsanteil ergreift Aber in der Stadt, wo die Volkssubstanz biologisch verbraucht und geistig angegriffen wird, bildet sich auch das Bewußtsein und das Selbstbewußtsein des Volkes. Die Landbevölkerung ist Quelle und Staubecken der völkischen Kräfte, die sich dann in der Stadt, indem sie die Mühlen der Kultur treiben, verströmen und schließlich ins Meer der Auflösung ergießen. — Die Juden der Zerstreuung sind ein Volk ohne eigenes: Land gewesen. Wir finden daher bei ihnen auch nicht die einfache und natürliche Schichtung in Stadt- und Landbevölkerung. Aber die gleiche Spannung; wie sie in den Völkern mit eigenem Land „ 4sfW"ft'A\-%' fc3ft&äS£5: WÄ^'tffegasEraw«