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Jüdische Schulzeitung · 1937-10-01 · 10 (1.10.1937) · page 6

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
10 (1.10.1937)
Date
1937-10-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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jiwrä . lohim et haadäm bzalmö, bzelem tlohim barä otö, sachär. u-nkewä barä otäm. 12. Zum Zwecke der aschkenasischen Aussprache müssen einige Aenderungen eintreten. / a) o, bezeichnet dann nicht ^. sondern das lange - b) V wird durch au ohne Längezeichen wiedergegeben. c) ohne Dagesch, lautend ss, wird durch s angezeigt. tau ras Mausche, boßör wodöm. Bei dieser Gelegenheit ein kurzes Wort gegen die stillose Vermischung von sfardischer undaschkenasischer Aussprache. Es ist z. <B. nicht korrekt zu sagen: Tischo b'aw. Entweder heißt es: Tisch-o b'ow oder Tisch-a. b'aw. Auch Chol hammaued ist eine Inkongruenz. 1" ist entweder au oder o, aber nicht beides zugleich. Ehren wir die hebräische Sprache, indem wir uns bemühen, sie in jeder Form korrekt darzustellen. Hus dem Peel-Bericht*) Es gibt Bücher, die aus besonderem Anlaß geschrieben sind und die ihren Wert verlieren, wenn die Oeffentlichkeit von ihrem Inhalt Kenntnis genommen hat. Das gilt namentlich von Publikationen, die einer politischen Aktion dienen wollen. Auch der Peel- Bericht hat es sich zur Aufgabe gesetzt, in das politische Leben einzugreifen; dennoch gehört er nach Aufbau und Form seiner Darlegungen nicht zu derlei Büchern. Er ist ein historisches Dokument von hörhstem Rang, das zwar einer klar und präzise gestellten Aufgabe d enen soll, das aber darüber hinausgehend ein überaus vornehm-sachliches und zunftgerecht gelehrtes Werk darstellt, wie es uns in der uns bekannten Palästinaliteratut noch nicht begegnet ist. Es wird deshalb als Gutachten sowohl als auch als allgemeine publizistische Leistung dauernden Wert behalten. Dem Schocken Verlag gebührt der Dank der judischen Leser in Deutschland dafür, daß er ihnen den Peel-Bericht durch Uebertiagung in die deutsche Sprache zugänglich gemacht hat. Es geschah dies, wie es in der Einleitung heßt, in der Zeit zwischen der Erstveröffentlichung und dem Zionistenkongreß. Demnach blieben . nur 14 Tage Frist, die Uebersetzungsarbeit zu leisten. Man darf feststellen, daß die Ueberscteung, die von mehreren Sprachkundigen besorgt wurde, in hohem Maße geglückt ist: die Lektüre nimmt anch in der Uebertragung den Leser gefangen, und das Ganze des umfangreichen Werkes — es hat über 450 Seiten — wirkt wie aus einem Guß gebildet. Die jüdischen Lehrer sollten das Buch für die Schulen anschaffen. Enthält es doch ungemein viel Materialien, die in den Klassen verarbeitet werden können. Wir .drucken hier mit freundlicher Erlaubnis des Schocken Verlages das Kapitel ab, das sich mit der jüdischen Erziehung in Palästina befaßt. Die Redaktion. Das jüdiche Schulsystem ist, wie wir unterrichtet, sind, in" seinen disziplinaren Methoden etwas nachgiebig: jedoch ist es im ganzen ein wirksames Werkzeug der Erziehung. Esvist indessen unvermeidlicherweise, wie wir in Kapitel V auseinandergesetzt haben, ein Instrument des jüdischen Nationalismus. Sein vornehmster Zweck istJes, die Ideale des Nationalheims den Kindern einzupflanzen, ihren Geist vor allem andern in den Ueberlieferungen und Leistungen des jüdischen Volkes fest zu begründen und einen Sinn der Hingebung für die Aufgabe der Wiedererrichtung einer jüdischen Nation in ihrem •alten Heimatlande zu pflegen. Das haben die jüdischen Schulen immer zu tun sich bemüht; deswegen wurde die hebräische Sprache, in der der gesamte Unterricht erteilt wird, durch das Mandat gesichert: In einer der höheren Schulen kommt der Zögling vor Erreichung der sechsten Klasse nicht aus der Geschichte des Altertums heraus, wobei wiederum zwei Drittel der verfügbaren Zeit der jüdischen Geschichte jener Epoche gewidmet sind. In den drei oberen Klassen wird mehr 'oder weniger gleichmäßiges GeAvicht auf die Weltgeschichte vom Römischen Reich bis zur Gegenwarf einerseits' und auf die Geschichte der Diaspora andererseits gelegt. Im Literaturunterricht hat das Studium der hebräischen Literatur einen noch stärker vorherrschenden Raum. . *) Bericht über Palästina, erstattet durch die Britische Königliche Palästina-Kommission, '463 Seiten nebst 9 farbigen Karten und zahlreichen Tabellen und Karten im Text. Berlin 1937. Diese nationalistische Neigung in der Erziehung ist gewiß in anderen Ländern verbreitet genug und sie ist ein natürliches; ja fast unvermeidliches Produkt des Zionismus in Palästina. Wir sind nur interessiert, festzustellen, daß vom Alter, von : drei oder vier Jahren an, wenn die Kinder in den Kindergarten kommen, um Hebräisch zu lernen, wenn sie es nicht schon können, der Stolz auf die Vergangenheit der Juden und auf das Nationalheim als eine-ausschließlich und .ausgeprägt jüdische Leistung in der Gegenwart der dynamische Mittelpunkt ihrer gesamten geistigen Entwicklung ist. Der Gedanke, daß sie ihr Leben in irgendeiner Weise mit den Arabern teilen müssen, daß sie aufwachsen, um mit den Arabern Bürger eines ge^ meinsamen palästinensischen Staates zu werden, ist nur dadurch anerkannt, daß in den höheren Schulen etwas arabisch gelehrt wird1; und diese Maßnahme ist, wiewohl an sich ausgezeichnet, gänzlich unzureichend, solange der ganze übrige, Unterricht weniger durch ein palästinensisches als vielmehr ein rein jüdisches Ziel beeinflußt wird. Das jüdische. Erziehungssystem, tatsächlich weit davon entfernt, ein besseres Verstehen zwischen den Völkern zu erleichtern, erschwert dies mehr und mehr, da Jahr für Jahr mehr eifrige jüdische Nationalisten daraus hervorgehen. \ Das jüdische Erziehungssystem gipfelt in der Hebräischen Universität Jerusalem. Ihr Hauptziel war bei der Begründung, die Bildung eines Mittelpunktes für die Forschung graduierter Gelehrter in Natur- und Geisteswissenschaften; das Verlangen; nach akademischer Ausbildung unter den Juden war jedoch' so stark, daß sich dort nunmehr eine beträchtliche Schar von, Studenten befindet. Die Universität hat Abteilungen "für Judaistik, Orientalistik, allgemeine Geisteswissenschaften, Mathematik, Physik, Chemie, Botanik und eine Anzahl verwandter Wissenschaften, ebenso eine besondere Abteilung für Krebsforschung. Es gfibt einen Stab von 27 Professoren, außerdem Lektoren und Assistenten, und 1935 gab es 391 Studenten, von denen gegen 30 Prozent ihre höhere Schulbildung in Palästina empfangen hatten, die übrigen aus anderen Ländern, vornehmlich Polen, kamen. Die Universität ist mit La^- boratorien und Hörsälen verhältnismäßig gut versorgt; ihre ausgezeichnete Bibliothek ist baulich wiekatalogmäßig modern; und bei ihrer großartigen Lage auf'dem Skopus-Berge besitzt die Universität umfangreiche Flächen für weitere Bauten, wenn es ihre Mittel erlauben. Es ist bemerkenswert, am Rande. Asiens eine Universität zu finden, die den höchsten Stand westlicher Gelehrsamkeit behauptet. In ihrem Lehrkörper befinden sich Namen, die in Europa und Amerika wohlbekannt sind. Ihre Forschungs-. arbeiten lassen sich mit d'enen vieler älterer Institutionen vergleichen. Die Ausdehnung dieser Forschung ist durch die Entfernung Jerusalems von den Mittelpunkten moderner Zivilisation natürlich begrenzt; und die Universität konzentriert sich deshalb weise auf bestimmte Abteilungen, wie z. B. eine erschöpfende Erforschung Palästinas und seiner Nachbarländer, wie sie anderwärts nicht betrieben werden kann. Derart hat sie zu unserer Kenntnis des Vorderen Orients und besonders des Lebens und der Kultur der Araber Wertvolles beigetragen. Ein bemerkenswertes Beispiel hierfür ist die kürzlich erfolgte Textausgabe des. arabischen Geschichtsschreibers al-Baladhuri durch den Universitätsverlag. In ihrem Eifer für Gelehrsamkeit und sorgfältiges Studium gibt die Hebräische Universität ein Beispiel für ganz Palästina. Aber sie ist' nicht eine palästinensische Universität- Sie ist die Krönung.des jüdischen Erziehungssystems. Der Lehrbetrieb ist vollständig hebräisch. Alle Studenten sind Juden. Der Geist der Universität ist zwar gewiß nicht der Geist'von. Tel-Aviv. Sie steht etwas abseits von dem volkstümlichen Leben des Nationalheims. Sie ist in der Tat einer Geisteshaltung verbunden, die die politische Seite des Zionismus als seinen geistigen und kulturellen Idealen untergeordnet ansieht. Wir zweifeln jedoch, ob diese Denkart innerhalb der Studenten der Universität weit verbreitet ist; und wir sind sicher, daß die große Mehrheit der Juden in Palästina sie nicht teilt.

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