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Jüdische Schulzeitung · 1937-10-01 · 10 (1.10.1937) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
13 (1937)
Issue
10 (1.10.1937)
Date
1937-10-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nummer ,10 J ü di s ch e Schul z e i t u n g Seite 7 Aus dem Lehrerverband; . 75 Jahre Verein Isr. Lehrer Württembergs. Anfangs des Monats August hielt der Verein Isr. Lehrer Vyürttembergs seine Mitgliederversammlung ab. Als Tagungsort wurde die schöne Jüdische Schule zu Heilbronn gewählt, daselbst die Lehrer zwei Tage lang die Gastfreundschaft der ortsansässigen* Judenv genießen durften. Der Vorsitzende, Dir. Rio-t h s c h i 1 d -Eßlingen, begrüßte die Anwesenden, besonders Herrn Dr. Gumbel, Präsident des Isr. Oberrats, und die Herren Flegenheimer und Rosenthal von der Heilbronner Gemeinde, und -erstattete sodann den Tätigkeitsbericht: Am 2. Juni 1937 waren es 75 Jahre, daß der „Unterstützungsverein für Isr., Lehrer und Vorsänger" gegründet wurde. Die Geschichte des Vereins erzähit von wackeren Männern, die bestrebt waren, die rechtliche und soziale Stellung der Lehrer zu bessern und für die Zeiten des Ruhestandes und für die Hinterbliebenen Sorge zu tragen. So hat der Verein in den ersten 50 Jahren seines Bestehens 75 000.— RM den Witwen und Waisen seiner Mitglieder zugeführt. Als Zeichen der Dankbarkeit den verdienten Männern des Vereins gegenüber wurde Oberlehrer Preßburger-Creglingen, — der 60 Mahre dem Verein" angehört und lange Zeit dessen Vorstand war, — besonders herzlich gefeiert. — Der neugewählte Ausschuß setzt sich zusammen aus dem Vorstand Dir. Rothschild-Eßlingen, Kassierer .Oberlehrer Adler-Bad Cannstatt, Schriftführer F. Samuel-Eßlingen, und dem weiteren Ausschuß Oberlehrer Krämer-Heilbronn, Oberlehrer .Jaffe, Dr. Goldschmidt, A. Rosenberg-Stuttgart. v Der Versammlung schloß sich am darauffolgenden Tage ein Fortbildungskurs der Jüdischen Lehrer aus Württemberg und Baden an. — Beide Tage nahmen einen erfolgreichen und nregenden Verlauf. Fritz Samuel. ♦ Fortbildungstagung in Würzburg Am 19. Juli fand in Würzburg die'Tagung des jüdischen Lehrervereins Bayerns statt. Die Versammlung dauerte nur einige Stunden, die in der, Hauptsache durch ein weitgreifendes und umfassendes Referat des, Vorsitzenden ausgefüllt wurden^ Diese genügten, um den Ernst der wirtschaftlichen Lage der jüdischen Lehrer klar zu zeigen. Sie genügten aber auch, um feststellen zu können, daß insbesondere die Lehrer der Klein- und Mittelgemeinden mehr und mehr Fürsorge- und Sbzialbeamten geworden sind, wodurch ihr Aufgabenkreis sich beträchtlich erweitert hat und ihre Tätigkeit segensreich gestaltet werden' kann. ■ Am 20. Juli begann dann der obligatorisch gewordene — obligatorisch auch bezüglich des Ortes — Fortbildungskurs. Es gab ein vollbesetztes Haus; nicht nur von Bayern, sondern auch von den angrenzenden Ländern waren Lehrer und insbesondere Junglehrer erschienen. Der Vortrag Dr. L e s c h n i t z e r s, Berlin, „Arbeit der Schulabteilung in der Reichsvertretung" lief in der Diskussion mehr oder weniger in eine Betrachtung über das Problem „Deutschunterricht in der jüdischen Volksschule" aus. Lesebögen wurden empfohlen und abgelehnt. Die einen Praktiker forderten eine möglichst weitgehende, oder gar ausschließliche Anwendung von Lesestoffen jüdischer Verfasser und jüdischen Inhaltes. Die anderen legen Verwahrung ein gegen die Versteifung des Deutschunterrichtes in der jüdischen Volksschule, indem man starre Grundsätze aufstelle; denn Deutschunterricht sei eben in erster Linie einmal Deutsch Unterricht. Jedenfalls zeigte die Diskussion deutlich die großen Schwierigkeiten in dieser Frage auf, wiewohl sie auch klärend nach den verschiedensten Seiten wirkte. Die Verschiedenheit der Ansichten zeigte sich auch in dem Problem „Methodik des modernen Hebräisch", über weldhjes Dn J ia c o b s o« h n, Berlin, -referierte. Es scheint leider sehr fraglich, ob es der Schulabteilung der Reichsvertretung. gelingen wird, bezüglich des Unterrichtes im modernen Hebräisch, einheitliche Richtlinien für alle jüdischen Schulen durchzusetzen. Dir. S t o 11 - Würzburg sprach über „Probleme der Naturwissenschaft und Weltanschauung". Dieser Vortrag gab sehr viele" Anregungen. Was geschieht mit unserer Jugend? Was soll sie lernen? Wie soll sie sich weiterbilden? Welchen Beruf soll sie ergreifen? Was für Möglichkeiten gibt es? Das sind Fragen, die man täglich hört und auf die schwer eine Antwort zu finden ist. Das Referat Dr. L u b i n s k i s , Berlin, „Die Probleme der Berufsausbildung" behandelte also eine sehr aktuelle Frage. In ruhigen Zeiten hat man von solch einem Fortbildungskurs für Lehrer etwa folgende Vorstellung: Es werden klare und deutliche Kenntnisse vermittelt, und jeder Teilnehmer wird etwas für seine Tätigkeit „mit nach Hause" nehmen können. In einer bewegten Zeit wie der unsrigen aber, in welcher sich das jüdische Leben neu gestaltet und neue Wege für die Erziehung und den Unterricht gesucht und gefunden werden, müssen, hat ein solcher Fortbildungskurs ein anderes Gesicht. Es handelt sich hier dementsprechend weniger um die Vermittlung von Kenntnissen, als um die persönliche Stellungnahme eines jeden einzelnen der Teilnehmer, zu den dtorch die Zeit gestellten Problemen. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet hat der Kurs seinen Zweck erfüllt; denn die Anteilnahme war so stark, daß die Diskussionen, die die genannten Referate auslösten, man darf fast sagen mit Gewalt, von dem Leiter der Veranstaltung und Vorsitzenden des jüdischen Lehrervereins, Oberlehrer R o s e n f e 1 d, abgebrochen werden mußten. Bei den Mischnahvorträgen von Rabbiner Weiß, Würzburg, aber war man mehr als interessiert. Einen besonderen Genuß bot das Referat des Zeichenlehrers Z i e g 1 e r, München, „Zeichenunterricht und Kunstbetrachtung". Hier sprach der Künstler. Und daß dieser Künstler auch ein erfolgreicher Zeichenlehrer ist, bewiesen die Arbeiten seiner Schüler^mit denen der Saal ausgeschmückt war.. N. A. * , Am Mittwoch, den 25. August hielt der Verein jüdischer Lehrer in Schlesien seine sehr gut besuchte Monatsversammlung ab. Der gute Besuch der Versammlung (50 Personen) zeigte, daß die'Umgestaltung des Vereins gelungen ist, und daß jetzt beinahe die ganze Breslauer Lehrerschaft trotz der schwierigen Breshuer Schulverhältnisse im Verein organisiert ist. Der Referent, Herr Prof. Dr. Heinemann, Dozent am jüdisch-theologischen Seminar in Breslau, sprach über den „Begriff der religiösen Umkehr im Judentum". Der Redner zeigte, wie der Begriff Teschuwah schon in unserem Tenach vorausgesetzt ist, wenn sich auch das Wort selbst noch nicht im biblischen Schrifttum findet, und verfolgte dann weiter die Entfaltung der Teschuwah in der rabbinischen Literatur. Der Vortrag war für alle Zuhörerdie beste Vorbereitung auf die , Jamim Noraim" und w'ird auf den Unterricht der schlesischen Lehrerschaft in den Wochen der Feiertage sehr belebend wirken. * Wir freuen uns über die Umwandlung des Schlesischen Vereins, von der hier berichtet wird. Standen doch bisher viele . Kollegen, namentlich in Breslau, außerhalb unseres Verbandes. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß nunmehr auch die Mitarbeit an unserm Blatt gerade von dem jüdisch kultureil bedeutenden Südosten des Reiches aus lebhaft einsetzen wird. ■ > Auf der Bezirkskonferenz Ruhr und Niederrhein sprach Koll. Andorn- Essen über „Die zwölf Stämme Israels". Koll. B u c h h e i m - Dortmund erstattete einen Situationsbericht. ~ Seine Anregung, die Konferenzen mehr als bisher in den Dienst der Fortbildung — insbesondere auch in den sog. Profanfächern — zu stellen, fand allseitig Zustimmung. Zur Beachtung! Die Kollegen werden gebeten, die Gemeindeverwaltungen oder Schul vorstände zu veranlassen, auch die Jüdische Schulzeitung mit einer Anzeige zu bedenken, wenn Lehrerstellen zu besetzen sind. Die Redaktion.

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